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Elias Bartlschließen
Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ haben einen Privatjet auf dem Flughafen auf Sylt mit oranger Farbe besprüht. Anschließend klebten sich mehrere Personen auf die Tragflächen des Flugzeugs.
Update am Dienstag, 6. Juni 2023, um 17:00 Uhr: In einer ungewöhnlichen Protestaktion haben sich am Dienstagvormittag gegen 11.20 Uhr fünf Personen auf dem Sylter Flughafen an einen Privatjet geklebt. Polizeibeamte der Insel konnten die Demonstranten sicher lösen und den Vorfall ohne größere Störungen des Flugbetriebs bewältigen.
Nach mehreren Stunden: Polizei auf Sylt kann festgeklebte Klima-Aktivisten lösen – danach kamen sie auf freien Fuß
Die Gruppe, die sowohl auf als auch vor dem Privatjet festklebte, wurde nach dem Einsatz von Rettungskräften vor Ort untersucht. Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Die polizeilichen Maßnahmen wurden am Nachmittag gegen 15.40 Uhr beendet und die beteiligten Personen wurden entlassen.
Die Höhe des entstandenen Sachschadens am Flugzeug ist bislang noch nicht bekannt. Nach dem Vorfall wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Es bleibt abzuwarten, welche möglichen rechtlichen Konsequenzen die Protestaktion für die Beteiligten haben wird.
Erstmeldung am Dienstag, 6. Juni 2023, um 12:31 Uhr: Sylt – Am Dienstagvormittag ereignete sich auf dem Flughafen Sylt eine spektakuläre Protestaktion: Fünf Personen im Alter von 21 bis 60 Jahren betraten gewaltsam das Fluggelände und besprühten einen Privatjet mit oranger Farbe. Anschließend klebten sie sich mit einer Hand jeweils auf die Tragflächen des Flugzeugs oder auf den Asphalt davor.
„Letzten Generation“ auf Sylt: Aktivisten besprühen Privatjet und kleben sich fest
Um etwa 11.20 Uhr wurde die Polizei über den Vorfall informiert. Die Personen halten sich immer noch auf bzw. vor dem Privatjet auf. Aktuell läuft der Einsatz weiter, während weitere Maßnahmen in Abstimmung mit der zuständigen Luftfahrtbehörde, dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV), geplant werden. Strafrechtliche Ermittlungen wurden eingeleitet.
Die Aktivisten durchtrennten mit Bolzenschneidern den Zaun des Flughafengeländes an zwei verschiedenen Stellen. Anschließend begaben sie sich mit präparierten Feuerlöschern zu den geparkten Privatjets, um auf die klimaschädlichen Auswirkungen der Privatflüge deutlich zu machen. Auf den Tragflächen wurden Banner mit den Botschaften „Euer Luxus = Unsere Dürre“ und „Euer Luxus = Unsere Ernteausfälle“ entrollt.
Im März forderte die Partei Die Linke bereits ein Flugverbot für Privatjets nach Sylt. Gerade Kurzstreckenflüge mit dem eigenen Flugzeug seien besonders CO₂-intensiv und gehörten verboten, erklärte Linken-Vorsitzender Martin Schirdewan.
Letzte Generation besprüht Privatjet auf Sylt mit Farbe
Mit diesem Protest möchten die Aktivisten die Forderungen der „Letzten Generation“ konkretisieren und den Bundeskanzler auffordern, entschlossene Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel zu ergreifen. Die Aktion wurde auch vor dem Hintergrund eines Gesprächs zwischen Scholz und der ZEIT initiiert, in dem der Kanzler die Forderungen der Bewegung als zu unkonkret bezeichnete und betonte, dass es nun um konkrete Lösungen gehe.
Theodor Schnarr, Sprecher der Letzten Generation, äußerte sich zur Aktion: „Herr Scholz verfolgt bisher einen Plan, der vom Bundesverfassungsgericht als unzureichend bezeichnet wurde und keine konkreten Maßnahmen für die Einhaltung der Klimaziele vorsieht. Es bedarf dringend einer gesetzlichen Regulierung, um die Emissionen der Privatjet-Besitzer, Limousinenfahrer und Superyacht-Besitzer zu reduzieren. Als Kanzler der SPD und Vertreter der Sozialdemokratie sollte Scholz die Gerechtigkeit im Blick haben. Doch wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn wenige den Planeten zerstören und alle anderen darunter leiden?“
Aktivisten der „Letzten Generation“ richten sich mit ihrem Protest an Kanzler Scholz
Die Aktivisten appellieren an Scholz, konkret zu handeln und sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. Sollte der Konflikt mit den Vermögenden gescheut werden, wird die Forderung nach einem Gesellschaftsrat Klima erhoben, der sozial gerechte und demokratische Lösungen erarbeiten kann. Mit dieser Aktion wollen die Unterstützer der Letzten Generation den Druck auf die Regierung erhöhen und den Klimaschutz zu einer der dringlichsten politischen Prioritäten machen.

