Protest gegen Reiche

„Letzte Generation“ zerhackt Luxus-Golfplatz auf Sylt

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Nach der Farb-Attacke am Sylter Flughafen haben sich die Aktivisten der „Letzten Generation“ ein neues Ziel auf der Promi-Insel gesucht: einen Golfplatz.

Sylt – Eine Insel im Visier von Umwelt-Aktivisten: Nachdem bereits eine Hotel-Lobby und ein Privatjet mit Farbe besprüht wurden, haben sich Anhänger der „Letzten Generation“ ein neues Ziel auf der Promi-Insel Sylt gesucht: den Golfplatz eines Luxus-Hotels. Dort hatten die Aktivisten am Mittwoch, 14. Juni 2023, den Platz gestürmt.

Der Sylter Golfplatz Budersand in Hörnum war 2020/2021 vom „Golf Magazin“ zum besten Golfplatz Deutschlands gekürt worden. Klima-Aktivisten hatten dort nun Löcher gebuddelt.

Der Notruf aus dem Insel-Dorf Hörnum ging bei der Polizei um 11:10 Uhr ein. Mehrere Personen hätten angefangen, Löcher auf dem Golfplatz zu buddeln, Blumen sowie einen Baum zu pflanzen. Auch die Golf-Fahne entwendeten die Aktivisten kurzerhand und ersetzten sie durch ein Schild mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“.

Offenbar waren die Klima-Kämpfer durch einen aufgeschnittenen Zaun auf das Gelände gekommen.

„Letzte Generation“ zerhackt Luxus-Golfplatz auf Sylt: „Personen wieder entlassen“

Mehrere Streifenwagen rückten zu der Anlage auf. Fünf Menschen, im Alter von 22 bis 61 Jahren, wurden in Gewahrsam genommen. „Gegen vier Beschuldigte wird bereits wegen der Sachbeschädigungen am Sylter Flughafen vom 6. Juni ermittelt“, so die zuständige Polizeidirektion Flensburg in einer Mitteilung.

Ein von Klimaschutz-Aktivisten der Initiative Letzte Generation mit oranger Farbe besprühter Jet steht auf einem Rollfeld.

Die Polizei schätzt den Sachschaden auf einen vierstelligen Betrag. Bei der Farb-Attacke auf einen Privat-Jet wird sogar von einem Schaden im Wert von mehreren Hunderttausend Euro ausgegangen. In Untersuchungshaft sollen die Klima-Aktivisten dennoch nicht kommen: „Die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft liegen nach Prüfung der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht vor. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurden die Personen wieder entlassen und auf das Festland begleitet“, sagte der Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt zur Bild-Zeitung.

Nach Informationen des Boulevard-Blatts handelt es sich bei den Golfplatz-„Buddlern“ um eine Frau (22) aus Lehre in Niedersachsen, eine Frau (31) aus Nehms in Schleswig-Holstein, einen Mann (43) aus Berlin und einen Mann (60) aus Garching in Bayern.

Mehrere Aktionen auf Sylt: „Letzte Generation“ nimmt Reiche ins Visier

Nachdem die „Letzte Generation“ zunächst dafür bekannt war, sich auf Fahrbahnen festzukleben, will die Gruppe nach eigenen Angaben nun „die Reichen“ ins Visier nehmen: Man wolle „an die Symbole des modernen Reichtums gehen“ und die „Aufmerksamkeit auf die rücksichtslose Verschwendung der Reichen lenken“, heißt es in einem „Sommerplan 2023“ der Gruppe, dessen Gültigkeit auf Anfrage der dpa gegenüber bestätigt wurde.

Denn die Wohlhabenden hätten laut der Gruppe einen besonders großen Anteil an der Klimakrise. Die Bundesregierung lasse es zu, „dass superreiche Menschen Tag für Tag unsere Lebensgrundlagen zerstören“. Die Klimakatastrophe werde „in erster Linie von den Reichen“ gemacht.

Golfplatz „Budersand“ gilt als einer der besten Anlagen Deutschlands:

Dabei falle auch der Golfplatz „Budersand“ am Hörnumer Strand, der als einer der besten Anlagen Deutschlands gilt, ins Schema der Gruppe. „Ein Golfplatz in der Klimakrise ist wie eine Essensschlacht mitten in einer Hungersnot“, erklärte ein Mitglied der Gruppe. Golfplätze benötigten riesige Flächen und Unmengen an Ressourcen, so die Kritik.

Der Wasserverbrauch eines mitteleuropäischen 18-Loch-Platzes, wie der Anlange auf der Promi-Insel Sylt, soll bei rund 35.000 Kubikmeter pro Jahr liegen – was einem Wasserverbrauch von mehr 750 Deutschen pro Jahr entspreche.

Rubriklistenbild: © Konrad Weiß & aal.photo/imago

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