Linke Aktivisten in Westerland

Protestcamp auf Sylt: So leben Punks und Aussteiger vor Ort

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Der Kreis Nordfriesland hat ein Protestcamp der Punks vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt genehmigt. In Zelten und Hängematten wohnen sie im Stadtpark.

Westerland/Sylt – Noch nie war ein Sommer auf der Nordseeinsel Sylt so politisch wie in diesem Jahr. Und das nicht wegen der umstrittenen Promi-Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner auf Sylt. Vielmehr ist die Insel in den Fokus linker Gruppierungen gerückt. Bereits Mitte Juli 2022 fand die wohl größte politische Kundgebung auf Sylt statt. Jetzt wurde im Stadtpark von Westerland ein Protestcamp linker Aktivistinnen und Aktivisten errichtet.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland (Schleswig-Holstein)
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²

Protestcamp der Punks auf Sylt: Von linken Aktivisten errichtet

In ganz Deutschland sind Sommerferien, viele Menschen reisen ans Meer. Wer seinen Urlaub 2022 auf Sylt verbringt, den erwartet an einigen Stellen auf der Nordseeinsel ein ungewohntes Bild. Unweit vom Bahnhof in Westerland haben sich seit Pfingsten Punks niedergelassen. Sie sind mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt gekommen, um bei den Reichen zu chillen und zu feiern. Zunächst hatten sie den Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“ belagert, die Sylter Politik reagierte auf die Punks mit Mauern und Zäunen.

Nicht nur diese Maßnahme lässt bei vielen den Eindruck entstehen, auf Sylt wolle man sich abschotten. So rief dann auch das linke Bündnis „Wer hat, der gibt“ zu einer Klassenfahrt zu den Reichen auf. Etwa 400 Menschen folgten dem Ruf. Unter dem Motto „Luxus für alle“ zogen sie Mitte Juli 2022 von Westerland nach Kampen, um für die Umverteilung von Reichtum zu demonstrieren. Dieses Thema will auch die „Aktion Sylt“ in einem Protestcamp aufgreifen.

„Sylt entern“ und Klassenfahrt zu den Reichen: Die Bilder zur Demo

Die Demonstranten der Sylt entern-Demo versammeln sich in Kampen.
Sylt entern: Demonstration zur Abschlusskundgebung in Kampen. © Dagmar Schlenz
Der Demonstrationszug von „Sylt entern“ macht sich über Wege und Wiesen auf den Weg nach Kampen.
Demo auf Sylt: Umzug von Westerland nach Kampen. © Dagmar Schlenz
Die Polizei begleitet die Demonstranten auf Sylt beim Umzug in Richtung Kampen.
Demo auf Sylt: Auch die Polizei ist mit einem großen Aufgebot auf der Insel. © Dagmar Schlenz
Bei der Demo auf Sylt sind auch Punks dabei.
„Sylt entern“: Demo-Umzug in Richtung Kampen. © Dagmar Schlenz
Mehrere Mannschaftswagen der Polizei fahren in Richtung Kampen aus Sylt.
Demo auf Sylt: Polizeipräsenz bei „Sylt entern“. © Dagmar Schlenz
Demonstranten der Klassenfahrt zu den Reichen laufen durch die Straßen auf Sylt.
„Sylt entern“: Etwa 400 Teilnehmer bei Demo auf Sylt. © Dagmar Schlenz
Ein blauer Pritschenwagen als Umzugswagen wurde nach Sylt gebracht.
„Sylt entern“: Mit diesem Wagen ziehen Demonstranten durch Sylt. © Dagmar Schlenz
Demo in Sylt: Demonstranten zeigen ein Banner mit der Aufschrift „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten“.
Demo auf Sylt: Gegen die Konzentration von Reichtum. © Dagmar Schlenz
Demonstranten stehen auf den Bahnhofsvorplatz in Westerland auf Sylt.
„Sylt entern“: Demo auf Sylt – so ist die Lage. © Dagmar Schlenz

Das Protestcamp soll vom 01. bis zum 14. August in Westerland auf Sylt stattfinden. Dort haben mittlerweile auch die Punks ihre Zelte aufgeschlagen. Denn nachdem man auf Sylt auch gegen das wilde Campen am Strand rigoros vorgeht, sind die Punks in den Stadtpark vor dem Rathaus in Westerland umgezogen. Hier wollen nun auch die linken Aktivisten einziehen.

Protestcamp auf Sylt: Punks und Aussteiger zelten vor dem Rathaus

In dem kleinen Stadtpark vor dem Rathaus in Westerland geht es normalerweise recht beschaulich zu. Auf den Bänken sitzen einige Menschen im Schatten, machen Mittagspause oder ruhen sich kurz aus. Zu ihnen gesellen sich besonders am Mittwoch und Samstag ein paar Tauben und Möwen, die hoffen, etwas abzustauben, wenn auf dem Rathausvorplatz der kleine Wochenmarkt stattfindet.

Doch im Sommer 2022 bietet sich im Stadtpark von Westerland auf der Promi-Insel Sylt ein anderes Bild: Etwa 25 Zelte stehen auf dem Rasen, zwischen den Bäumen hängen Transparente und Hängematten. Zwischen den Zelten auf dem Boden sitzen in kleinen Gruppen Punks und Aussteiger, diskutieren, essen und trinken gemeinsam. Das Camp wirkt noch etwas chaotisch, überall stehen Einkaufswagen mit Bierkisten, leeren Flaschen und den Habseligkeiten der Bewohner.

Vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt haben Aktivisten ein Protestcamp errichtet.

Protestcamp auf Sylt: Weitere Teilnehmer erwartet

Das als „satirisch-politisch“ deklarierte Protestcamp im Stadtpark von Westerland könnte in den nächsten Tagen und Wochen noch wachsen. Die Aktivistinnen und Aktivisten von „Aktion Sylt“ wollen sich dem Camp anschließen. Dafür muss zunächst die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Bisher steht den Bewohnern des Camps nur eine mobile Toilette zur Verfügung. Das soll sich aber ändern, geplant sind weitere mobile Sanitäranlagen.

In dem satirisch-politischen Protestcamp auf Sylt fehlt bisher noch die Infrastruktur wie Sanitäranlagen und Küche.

Auch ein Küchenzelt will man im Camp errichten. Bisher kochen die Bewohnerinnen und Bewohner auf Campingkochern im Freien. Ihren Müll entsorgen Punks, Aktivisten und Aussteiger aktuell in den öffentlichen Müllbehältern rund um den Park. Ob in Zukunft durch die Gemeinde eigene Müllbehälter für die Veranstaltung aufgestellt werden, ist noch offen.

Protestcamp auf Sylt: Spontane Anmeldung bei Behörde

Das Camp im Stadtpark von Westerland wurde spontan von einem der Bewohner angemeldet. Dieser fühlte sich durch das Ordnungsamt Sylt drangsaliert, das um sechs Uhr morgens in dem Schlaflager eine Kontrolle durchgeführt hat. „Das war brutal“, sagt er gegenüber 24hamburg. Das Ordnungsamt Sylt hat die Anmeldung der zuständigen Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland zugeleitet“, so Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt.

Häckel hatte schon im Vorfeld der linken Demo Mitte Juli auf Facebook verkündet, Sylt sei kein Reichen-Ghetto. Auch zu dem Protestcamp vor seinem Amtssitz in Westerland äußert sich Bürgermeister Häckel nun auf seiner Facebook-Seite. „Die Gemeinde hat ihre Bedenken zu der grundgesetzlich geschützten Demonstration der Versammlungsbehörde mitgeteilt und Auflagen vorgeschlagen. Die Genehmigung der zuständigen Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland ist mit Auflagen zu erwarten.“

Der Stadtpark vor dem Rathaus in Westerland auf Sylt wurde spontan zum Standort für ein Protestcamp.

Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt bedauert, dass Sylt derzeit eine medial reizvolle Projektionsfläche für so vielfältige Themen sei – das tue Sylt und den Syltern leider nicht gut. Derweil beschäftigt sich die Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland mit dem Camp vor dem Rathaus. Zunächst wurde es nicht als Versammlung angesehen, da es an der Ernsthaftigkeit der öffentlichen Meinungsbildung mangle, so eine Pressesprecherin. Mittlerweile wurde ein Konzept nachgereicht und man habe eine mündliche Zusage für die Genehmigung des Camps erhalten, teilte einer der Veranstalter mit.

Rubriklistenbild: © Dagmar Schlenz

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