Protestcamp auf Nordseeinsel

„Geduld am Ende“ – doch Punks wollen auf Sylt bleiben

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Punks und linke Aktivisten haben vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt ein Protestcamp errichtet. Die Genehmigung läuft Ende August aus, doch die Bewohner wollen blieben.

Westerland/Sylt – Vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt bietet sich in diesem Sommer ein ungewohntes Bild: Punks und linke Aktivisten, die mit dem 9-Euro-Ticket die Insel Sylt geentert hatten, haben in einem Park ein Protestcamp errichtet. Die Genehmigung dafür läuft Ende August aus. Kurz vor Ablauf der Frist haben die Veranstalter jetzt eine Verlängerung beim zuständigen Kreis Nordfriesland beantragt.

Name:Westerland (Friesisch: Weesterlön)
Gemeinde:Sylt / Ortsteil Westerland
Bürgermeister:Nikolas Häckel (parteilos)
Einwohner:9032 (Stand 2007)
Punks und Aussteiger im Protestcamp:Mindestens 50 (Schätzung)

Punks wollen bis Oktober auf Sylt bleiben

Hans-Martin Slopianka von der Pressestelle des Kreises Nordfriesland bestätigt gegenüber 24hamburg, dass für das Camp am Rathauspark ein Antrag auf weitere Anerkennung als Versammlung bis zum 1. Oktober 2022 vorliege. Man wolle noch am heutigen Dienstag (30. August) über den Antrag entscheiden. Das bisherige Camp war für maximal 50 Teilnehmende genehmigt worden, und so viele Bewohnerinnen und Bewohner hat die kleine Zeltstadt in Westerland aktuell wohl auch.

Punks und Aktivisten haben für das Protestcamp vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt eine Verlängerung bis Anfang Oktober 2022 beantragt.

Die Entscheidung der Versammlungsbehörde des Kreises Nordfriesland wird auf der Insel mit Spannung erwartet. Nachdem in der letzten Woche noch kein Antrag auf Verlängerung des Protestcamps vor dem Rathaus eingegangen war, hatte man auf Sylt wohl bereits mit der Abreise der etwas problematischen Gäste gerechnet. Bei vielen Syltern und Gästen scheint die Geduld am Ende, wie man unter anderem an den Kommentaren in den sozialen Medien ablesen kann.

Langsam reicht es und bei vielen ist die Geduld am Ende! 

Andreas S. aus Westerland als Kommentar auf einen Beitrag der Sylter Rundschau zum Protestcamp

Ein Dauerthema sind die sanitären Anlagen. So wurde unter anderem ein Durchgang in der Westerländer Innenstadt mit Betonblöcken verschlossen, um die Punks am „Wildpinkeln“ zu hindern. Die Auflagen für das Protestcamp sehen unter anderem vor, dass die Veranstalter sanitäre Anlagen bereitstellen müssen. Dies ist aber bis heute nicht geschehen. Stattdessen hat die Gemeinde Sylt vier mobile Toiletten neben dem Rathaus aufgestellt – als Ersatz für die durch Vandalismus beschädigte öffentliche Toilette, wie eine Sprecherin der Gemeinde Sylt betont.

Punks auf Sylt: Protestcamp war nicht geplant

Seit einem Monat erinnert der kleine Stadtpark vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt an einen überfüllten Campingplatz am Mittelmeer. Auf jeder noch so kleinen Fläche steht ein Zelt, überall hängen Planen und vom Rasen sind nur noch hier und da ein paar braune Halme übrig. Doch anders als auf einem Campingplatz hängen überall Transparente – schließlich handelt es sich bei der bunten Ansammlung von Zelten um ein Protestcamp. So bunt wie die Zelte sind auch die Bewohner: Punks und linke Aktivisten demonstrieren hier unter anderem für bezahlbaren Wohnraum.

Wirklich geplant war das Camp auf der Promi-Insel Sylt nicht. Punks und Aussteiger hatten zunächst am Hauptstrand von Westerland übernachtet, dort wurde ihnen aber nach eigenen Angaben lebenslanges Strandverbot auf Sylt erteilt. Daraufhin hatten sie ihre Zelte im Stadtpark von Westerland aufgeschlagen. Nachdem es immer wieder Kontrollen durch das Ordnungsamt gegeben hatte, von denen sich die Punks auf Sylt regelrecht terrorisiert fühlten, haben die Bewohner Ende Juli das Camp offiziell bei der Behörde angemeldet.

Die Punks von Westerland

Punks auf Sylt: Auch Tobias und Lena sind mit dem 9-Euro-Ticket auf die Nordseeinsel gekommen
Punks auf Sylt: Auch Tobias und Lena sind mit dem 9-Euro-Ticket auf die Nordseeinsel gekommen. © Dagmar Schlenz
Hunderte Punks tummeln sich um den Brunnen Wilhelmine in Westerland auf Sylt.
Mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt: Ansturm auf die Insel beginnt. © Dagmar Schlenz
Rund 100 Punks feiern an der Wilhelmine in Westerland auf Sylt.
Dank 9-Euro-Ticket: Punks entern am Pfingstwochenende Westerland auf Sylt. © Dagmar Schlenz
Spider war der erste Punk in Westerland
Spider war der erste Punk in Westerland. © Dagmar Schlenz
Kollekte für Verdreckte
Kollekte für Verdreckte. © Dagmar Schlenz
Pfingsten 2022: Punks aus ganz Deutschland entern Sylt
Pfingsten 2022: Punks aus ganz Deutschland entern Sylt. © Dagmar Schlenz
Die Party am Brunnen geht weiter
Die Party am Brunnen geht weiter. © Dagmar Schlenz
Punks im Gespräch mit Passanten
Punks im Gespräch mit Passanten. © Dagmar Schlenz
Einhorn-Schwimmring neben der Dicken Wilhelmine
Einhorn-Schwimmring neben der Dicken Wilhelmine. © Dagmar Schlenz
Nachtlager am Strand von Westerland
Nachtlager am Strand von Westerland. © Dagmar Schlenz
Abendstimmung: Punks genießen den Sonnenuntergang
Abendstimmung: Punks genießen den Sonnenuntergang. © Dagmar Schlenz

Prominenter Besuch bei den Punks auf Sylt

Damit das Protestcamp der Punks vor dem Rathaus dauerhaft als Versammlung anerkannt wird, müssen dort regelmäßig politische Aktionen stattfinden. Und die Bewohner haben schon einiges auf die Beine gestellt. CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, der regelmäßig auf der Nordseeinsel Sylt Urlaub macht, kam Anfang August zur Diskussionsrunde ins Camp. Und auch für den Linken-Politiker Gregor Gysi hatte man vor dessen Kurzbesuch im Camp ein Bier kaltgestellt. Eine ihrer Kult-Bands wollten die Punks ebenfalls nach Westerland holen, doch „Die Ärzte“ haben bisher kein Konzert auf Sylt geplant.

Auch zur ersten Bürgerversammlung auf Sylt, zu der das Bürgernetzwerk „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“ aufgerufen hatte, waren einige Punks und Aktivisten erschienen. Mit Transparenten postierten sie sich gegenüber dem Eingang des Friesensaals in Keitum. Bei der Versammlung ging es um die Zukunft von Sylt und darum, dass Sylt durch fehlenden Dauerwohnraum zur Geisterinsel werden könnte. Die Aktivisten aus dem Protestcamp betonten, sie hätten ähnliche Anliegen wie die Bürgerinitiative „Merret reicht’s“, die unter anderem für bezahlbaren Wohnraum auf Sylt kämpft.

Rubriklistenbild: © Dagmar Schlenz

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