Bilanz an der Nordsee

Weniger Touristen auf Sylt – lag es auch an den Punks?

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Die Tourismusbranche auf Sylt zieht eine gemischte Bilanz für den Sommer 2022. Die Nordseeinsel ist weiterhin beliebtes Urlaubsziel, hatte aber weniger Gäste als in den Vorjahren.

Sylt – Der Sommer war durchwachsen auf der Nordseeinsel Sylt. Nicht nur, was das Wetter angeht. Auch die Bilanz der Tourismusbranche fällt nicht gerade überschwänglich aus. Während das Bundesland Schleswig-Holstein bei den Übernachtungen einen Zuwachs von 4,4 Prozent im Vergleich zu 2019 verzeichnen kann, sind die Zahlen auf der Nordseeinsel teilweise sogar zurückgegangen. Ein Grund sind nach Aussage einiger Hotelbetreiber die Punks in Westerland.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland (Schleswig-Holstein)
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²

Tourismusbranche auf Sylt zieht Bilanz: Zahlen rückläufig

Der 9-Euro-Sommer 2022 auf Sylt wird vielen Menschen definitiv in Erinnerung bleiben. Er war besonders, er war bunt und er war eine extreme Herausforderung für Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler auf der Nordseeinsel. Jetzt zieht die Tourismusbranche auf Sylt Bilanz – und die fällt durchwachsen aus. Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH, äußert sich gegenüber 24hamburg verhalten positiv. „Wir blicken zufrieden auf den bisherigen Verlauf der Sommersaison. Die Gäste- und Übernachtungszahlen liegen nahe im Bereich von 2019, dem letzten normalen Tourismus-Jahr vor der Pandemie.“

Die Halbjahresbilanz für die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein fällt da deutlich positiver aus, wie Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) am 5. September auf einer Pressekonferenz verkündete. Insgesamt 15,2 Millionen Übernachtungen konnten im nördlichsten Bundesland im ersten Halbjahr 2022 verbucht werden, rund 4,4 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Auf Sylt dagegen sind in vielen Beherbergungsbetrieben die Übernachtungszahlen im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen. Was war der Grund für diese Entwicklung?

So war der 9-Euro-Sommer auf der Nordseeinsel Sylt

Hunderte Punks tummeln sich um den Brunnen Wilhelmine in Westerland auf Sylt.
Mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt: Ansturm auf die Insel beginnt. © Dagmar Schlenz
Rund 100 Punks feiern an der Wilhelmine in Westerland auf Sylt.
Dank 9-Euro-Ticket: Punks entern am Pfingstwochenende Westerland auf Sylt. © Dagmar Schlenz
Die Party am Brunnen geht weiter
Die Party am Brunnen geht auch nach Pfingsten weiter. © Dagmar Schlenz
Ein Bauzaun um einen Brunnen, daneben einige Punks. Ein Zaun und eine Mauer in der Innenstadt von Westerland sollten gegen „wildpinkelnde“ Punks helfen.
Ein Zaun und eine Mauer in der Innenstadt von Westerland sollten gegen „wildpinkelnde“ Punks helfen. © A.G.
Menschen stehen vor einem reetgedeckten Haus. Lindner-Hochzeit auf Sylt: Zahllose Schaulustige warten vor dem Sylt-Museum in Keitum, in dem die standesamtliche Trauung von Christian Lindner und Franca Lehfeldt stattfinden soll.
Lindner-Hochzeit im Juli auf Sylt: Zahllose Schaulustige warten vor dem Sylt-Museum in Keitum, in dem die standesamtliche Trauung von Christian Lindner und Franca Lehfeldt stattfinden soll. © Dagmar Schlenz
Finanzminister Lindner und seine Lebensgefährtin
Standesamtliche Trauung auf Sylt: Bundesfinanzminister Christian Lindner und seine Franca geben sich einen Schmatzer. © Axel Heimken/dpa
Demonstranten mit einem Plakat „Wir nehmen euch alles weg“. Am 16. Juli 2022 erlebt Sylt die größte Demonstration der Inselgeschichte.
Am 16. Juli 2022 erlebt Sylt die größte Demonstration der Inselgeschichte. © Dagmar Schlenz
Ein von Polizisten begleiteter Demonstrationszug, vorne ein Lautsprecherwagen. Linke Aktivisten hatten dazu aufgerufen, auf Sylt für die Umverteilung von Reichtum zu demonstrieren.
Linke Aktivisten hatten dazu aufgerufen, auf Sylt für die Umverteilung von Reichtum zu demonstrieren.  © Dagmar Schlenz
Ein Demonstrationszug durch die Felder. Unter dem Motto „Luxus für alle“ zogen etwa 400 Demonstranten von Westerland nach Kampen.
Unter dem Motto „Luxus für alle“ zogen etwa 400 Demonstranten von Westerland nach Kampen. © Dagmar Schlenz
Links ein Sänger mit Mikrofon, auf dem Platz und den Treppen davor diverse Punks. Zum Abschluss der Demo gab die Band „Mühlheim Asozial“ ein Punk-Rock-Konzert vor dem Rathaus von Westerland.
Zum Abschluss der Demo gab die Band „Mühlheim Asozial“ ein Punk-Rock-Konzert vor dem Rathaus von Westerland.  © Dagmar Schlenz
Zelte in einem Park, dazu ein Transparent mit der Aufschrift „Bezahlbarer Lebensraum für alle“. Vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt haben Aktivisten ein Protestcamp errichtet.
Vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt haben Aktivisten ein Protestcamp errichtet. © Dagmar Schlenz
Vermummte, schwarz gekleidete Demonstranten mit Transparenten. Ende Juli waren erneut linke Gruppierungen nach Sylt gekommen, um gegen Nazis zu protestieren. Eine Demonstration von „Die Rechte“ auf der Insel war kurzfristig abgesagt worden.
Ende Juli 2022 waren erneut linke Gruppierungen nach Sylt gekommen, um gegen Nazis zu protestieren. Eine Demonstration von „Die Rechte“ auf der Insel war kurzfristig abgesagt worden. © Dagmar Schlenz
Ein Punk mit Lederjacke, darauf die Aufschrift „We are fucking angry“. Der Demonstrationsteilnehmer macht deutlich, was er von Nazis hält. Der Protest vor dem Bahnhof von Westerland verlief aber friedlich.
Ein Demonstrationsteilnehmer macht deutlich, was er von Nazis hält. Der Protest vor dem Bahnhof von Westerland verlief aber friedlich. © Dagmar Schlenz
Fünf Personen sitzen auf Stühlen auf einer Bühne, darüber ein Kronleuchter. Wem gehört Sylt? Bei einer Podiumsdiskussion suchten Dirk Erdmann, Claus Ruhe Madsen, Susanne Matthiessen, Birte Wieda und Uwe Mantik (von links) nach Lösungen für die Zukunft der Nordseeinsel.
Wem gehört Sylt? Bei einer Podiumsdiskussion suchten Dirk Erdmann, Claus Ruhe Madsen, Susanne Matthiessen, Birte Wieda und Uwe Mantik (von links) nach Lösungen für die Zukunft der Nordseeinsel. © Dagmar Schlenz
Eine Gruppe von Punks und Aktivisten mit einem Transparent, vor dem ein Punk in kurzen Hosen spricht. Auch eine Gruppe von Punks und Aktivisten aus dem Protestcamp in Westerland kam zur Sylter Bürgerversammlung nach Keitum.
Auch eine Gruppe von Punks und Aktivisten aus dem Protestcamp in Westerland kam zur Sylter Bürgerversammlung nach Keitum. © Dagmar Schlenz
Zelte in einem Park. Das Protestcamp der Punks vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt muss Ende August aufgelöst werden.
Das Protestcamp der Punks vor dem Rathaus von Westerland auf Sylt muss Ende August aufgelöst werden. © Dagmar Schlenz
Zelte in einem Park, dazwischen Wäscheleinen und Einkaufswagen. Anwohner hatten sich über Lärmbelästigung durch die rund 50 Bewohner des Protestcamps auf Sylt beschwert.
Anwohner hatten sich über Lärmbelästigung durch die rund 50 Bewohner des Protestcamps auf Sylt beschwert. © Dagmar Schlenz
Eine bunt bemalte Mauer aus Betonblöcken, daneben eine übergroße Eistüte. Bleibt die mittlerweile bundesweit bekannte „Pinkelmauer“ in Westerland der Insel Sylt als Erinnerung an den 9-Euro-Sommer mit den Punks erhalten?
Bleibt die mittlerweile bundesweit bekannte „Pinkelmauer“ in Westerland der Insel Sylt als Erinnerung an den 9-Euro-Sommer mit den Punks erhalten? © Dagmar Schlenz

Hoteliers auf Sylt nennen auch die Punks als Grund für weniger Touristen

Einige Sylter Hoteliers äußerten sich gegenüber der Sylter Rundschau über die möglichen Gründe für die rückläufigen Übernachtungszahlen. Johannes Welker, Geschäftsführer vom Benen-Diken-Hof in Keitum, glaubt, dass die Menschen, die in den letzten Jahren Urlaub in Deutschland gemacht hätten, in diesem Sommer endlich wieder wegfliegen wollten. Der Hoteldirektor vom Hotel Stadt Hamburg in Westerland nennt noch einen anderen Grund. Sein Hotel befindet sich ganz in der Nähe des Rathausparks, in dem die Sylter Punks seit mehr als einem Monat ein Protestcamp errichtet haben.

Während sich die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein über einen Zuwachs freut, waren die Übernachtungszahlen auf Sylt im Sommer 2022 rückläufig. Einige Hoteliers geben auch den Punks die Schuld.

Seine Gäste hätten sich über nächtliche Ruhestörung und Lärm aus dem Camp beschwert, einige seien aus „Angst und Respekt“ vor den Punks gar nicht erst gekommen. Die erhebliche Lärmbelästigung durch das Camp ist auch der Hauptgrund, warum eine Verlängerung des Protestcamps auf Sylt abgelehnt wurde. Die Bewohner hätten bis spät in die Nacht laut Musik gehört und gegrölt. Daher überlegt man sich jetzt schon, wie man im nächsten Jahr eine erneute Punk-Invasion auf Sylt verhindern kann.

Zufrieden ist man dagegen auf den Campingplätzen auf der Nordseeinsel. Viele Menschen suchten die Nähe zur Natur, die Buchungslage war durchgehend gut. So gut, dass man auf dem Campingplatz in Westerland auf Sylt langjährigen Dauercampern gekündigt hat, um dort mehr Saisonplätze einzurichten.

Rubriklistenbild: © Dagmar Schlenz/Montage

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