- VonBettina Menzelschließen
Sie verloren Partner, Kinder und Zukunftsträume bei der Tsunami-Katastrophe 2004 – und fast auch ihren Überlebenswillen. Heute sind sie ein Paar.
Bangkok – Am Zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004 bebt die Erde unter dem Indischen Ozean. Kurz darauf rollen Tsunamis an Land und bringen mehr als 230.000 Menschen in Thailand, Indien, Sri Lanka und Indonesien den Tod. Überlebende begleiten die Ereignisse bis heute.
Partner und Kinder beim Tsunami verloren: Wie Überlebende ihren Lebenswillen findet
Das Mega-Beben vor der Küste Sumatras war das bis dato weltweit drittstärkste Erdbeben. Die bis zu 30 Meter hohen Flutwellen gelten als die tödlichsten aller Zeiten. „Die Wunden bleiben, auch wenn sich Narben darüber bilden. Es lebt mit dir. Jeden Tag. Der Schmerz ist tief in dir drin. Man stirbt mit seinen Lieben, auch wenn man am Leben ist“, sagt das frühere Model Billi Cramer der Bild-Zeitung über die Tragödie. Sie verlor 2004 ihren damaligen Lebensgefährten und ihre beiden Söhne in den Fluten. Morgens um 6 Uhr sei sie aufgewacht, da es ein Erdbeben gegeben hatte, erzählt Cramer vom Tag des Unglücks. „Als wir zwei Stunden später beim Frühstück saßen, meinte meine Mutter, im Film käme nach einem Erdbeben immer die Sintflut.“
Doch selbst Cramers Mann, „der so gebildet und vorsichtig war, machte sich keine Sorgen. Meine drei gingen dann mit meiner Mutter zum Strand, ich wollte noch kurz aufs Zimmer. Als ich im Bad war, hörte ich Schreie. Ich ging raus auf den Balkon und da war nur noch Wasser.“ Ihre Mutter überlebte wie durch ein Wunder, obwohl sie von der Welle mitgerissen worden war. Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Söhne war das Weiterleben für Billi Cramer schwierig: „Entweder bringt man sich sofort um, wenn man eine solche Nachricht erhält. Oder man verpasst den Moment und muss dann sehen, wie man irgendwie weiterleben kann“, sagte sie der Bild wenige Monate nach dem Unglück.
Vom Unglück zur Verbundenheit: Wie die Tragödie zwei Menschen vereinte
Auch Michael Schäffer verlor seine Frau und seine beiden Töchter bei der Tsunami-Katastrophe 2004. Schäffer und Cramer hatten den gleichen Therapeuten, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Der Psychologe schlug vor, die beiden Überlebenden sollten sich treffen und über ihre Erlebnisse sprechen. „Zwei gebrochene Menschen, die versuchen, irgendwie weiterzuleben. [...] Wir waren verbunden durch unsere Trauer“, erzählt Cramer. Als sie sich damals trafen, um ihre gemeinsame Trauer zu bewältigen, „dachten wir beide nicht im Traum daran, dass aus uns eines Tages ein Paar werden könnte“, so die Überlebende zur Bild-Zeitung. Doch 2007 heirateten die beiden in Südfrankreich und haben heute eine Tochter im Teenager-Alter.
Damit sich solche Tragödien wie 2004 nicht wiederholen, wurden die Tsunami-Frühwarnsysteme weltweit seit der Katastrophe deutlich verbessert. 2005 beauftragte die Bundesregierung beauftragte ein Konsortium aus neun Partnern unter Federführung des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) mit der Entwicklung eines deutsch-indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems. Seit 2007 hat das System „mehrere Tausend Beben analysiert und vor gut einem Dutzend Tsunamis erfolgreich gewarnt“, wie das GFZ berichtet.
Doch auch das Bewusstsein für natürliche Warnzeichen kann Leben retten. „So sollte man bei einem Erdbeben, das man längere Zeit spürt – mehr als 30 Sekunden – von sich aus den Strand und die Küstennähe verlassen“, rät der Experte Jörn Lauterjung. Auch die Insel Simeulue vor der Nordküste Sumatras wurde 2004 von Riesenwellen getroffen, dort starben dennoch nur sieben Menschen. In lokalen Überlieferungen der Insel ist vom Ungeheuer „S‘mong“ die Rede, das 1907 angeblich Tausende Menschen mit einer Flutwelle in den Tod gerissen hatte. Laut GFZ hatten sich Zehntausende rechtzeitig in höher gelegene Gebiete gerettet und überlebten.