Expedition zur Titanic

U-Boot-Trip zur Titanic: Ehemalige Passagiere sprechen von „Himmelfahrtskommando“

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Schon länger werden private U-Boot-Trips zur Titanic angeboten. Zwei ehemalige Passagiere berichten über ihre Erfahrung mit OceanGate.

München – Nach dem tragischen Vorfall mit der „Titan“ sind zahlreiche Debatten über die Sicherheit des touristischen U-Boots entstanden. Insbesondere Stockton Rush, der Geschäftsführer von OceanGate, der selbst als Kapitän an Bord des Tauchboots war und bei der Explosion sein Leben verlor, steht in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, Sicherheitsrisiken heruntergespielt zu haben und trotz der Aufforderung von U-Boot-Experten auf eine Zertifizierung der „Titan“ verzichtet zu haben. Jetzt teilt eine enthusiastische Anhängerin der Titanic ihre Erfahrungen mit, die sie bei einem Tauchgang zum Wrack des Schiffs mit OceanGate gemacht hat.

Mit U-Boot zum Titanic-Wrack: Passagierin war bereits 2022 mit OceanGate unterwegs

Seit dem Jahr 2021 bietet das Unternehmen OceanGate zahlenden Kunden die Möglichkeit an, sie bei der Erforschung des Wracks der Titanic mitzunehmen. Im Juli 2022 begab sich Renata Rojas, eine 50-jährige Frau, zusammen mit vier weiteren Personen – einem Piloten, einem Wissenschaftler und zwei Zivilisten – auf diese Expedition. Für Rojas ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung, wie sie gegenüber der britischen Zeitung The Independent enthüllte: „Als ich 12 Jahre alt war, wollte ich die Titanic finden.“

Vor der verunglückten „Titan“ gab es bereits mehrere U-Boot-Tauchgänge zum Titanic-Wrack.

Der Abstieg in dem U-Boot von OceanGate verlief nach Aussage der Titanic-Enthusiastin ziemlich zügig und problemlos. Sie berichtet: „Alles fliegt irgendwie am Fenster vorbei. Aber wir haben ein wenig experimentiert – wir haben das Licht aus – und wieder eingeschaltet, um zu sehen, wie das Leben außerhalb des U-Boots reagiert“ Dies erzählt Rojas während des Interviews.

Tauchgang mit U-Boot von OceanGate zum Titanic-Wrack alles andere als touristisch

Obwohl sie selbst keine Expertin im U-Boot-Bereich war, mussten alle Personen an Bord während des Abstiegs mithelfen. „Je tiefer wir kamen, desto mehr Hilfe benötigte der Kapitän.“ Dies war erforderlich, da während des Sinkflugs bestimmte Geräte aktiviert werden mussten, um die Geschwindigkeit zu verringern und eine Kollision mit dem Meeresboden zu vermeiden.

Als sie das Wrack erreichten, erlebte Rojas eine Szene wie aus einem Film: Plötzlich tauchte der geheimnisvolle Bug aus der Tiefe auf. Trotz der erschwerten Sicht durch den Meeresnebel war es für sie überwältigend. Der Tauchgang war jedoch alles andere als eine touristische Unternehmung. Bereits auf dem Weg nach unten sammelte die Crew Wasserproben aus verschiedenen Tiefen, um Daten über die verschiedenen Arten zu erfassen. Am Wrack selbst hatten sie die Aufgabe, Sediment von mehreren Seiten der Titanic zu sammeln.

Deutscher Passagier bezeichnet Tauchgang zum Titanic-Wrack als „Himmelfahrtskommando“

Der Tauchgang war anspruchsvoll und erforderte viel Arbeit, erinnert sich die 50-jährige Frau. Es scheint jedoch, dass sie sich weder vor noch während der Reise im U-Boot von OceanGate unsicher fühlte – zumindest äußerte sie nichts Derartiges in ihrem Interview mit The Independent.

Hingegen berichtet der 60-jährige Deutsche Arthur Loibl im Gespräch mit dem Bayrischen Rundfunk weniger positiv. Er war ebenfalls Teil einer Titanic-Expedition mit einem Tauchboot von OceanGate. Loibl investierte über 100.000 Euro für diesen Tauchgang und hatte im Voraus vertraglich sämtliche Haftungsansprüche gegenüber OceanGate im Falle eines Unfalls ausgeschlossen.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Aus heutiger Perspektive würde er sich nicht noch einmal für den Tauchgang entscheiden. Rückblickend betrachtet bezeichnet er ihn als „absolut verrückt“ und ein „Himmelfahrtskommando“. Bereits beim Abstieg traten Probleme auf: Ein Stabilisationsrohr wurde beschädigt und musste von außen geschweißt werden, während sich die Passagiere bereits im U-Boot befanden.

Technischer Defekt vermutlich verantwortlich für Implosion der „Titan“

Auch im Hinblick auf die „Titan“ könnte ein möglicher technischer Defekt für die verheerende Implosion verantwortlich sein. Selbst ein winziger Mangel am Rumpf eines U-Bootes kann dazu führen, dass das Boot innerhalb von Sekundenbruchteilen unter dem immensen Wasserdruck zerquetscht wird, der in der Tiefe herrscht.

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung vom Redakteur Jakob von Sass sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © OceanGate/imago

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