Antarktika

Antarktis: Eisschmelze am Südpol

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Eisfeld in der Antarktis in der Nähe des Südpols.
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Die geringere Eisfläche zum Ende des Winters in der Antarktis hat Folgen für die Tierwelt.

Lange galt Antarktika als relativ stabil – vor allem im Vergleich mit seinem Gegenstück, dem Nordpol, der unter den erhöhten Temperaturen des Klimawandels wie ein Eiswürfel in warmem Wasser schmilzt. Inzwischen gehört auch die Stabilität des Südpols der Vergangenheit an. Das ökologische Gleichgewicht des fünftgrößten Kontinents gerät ins Wanken. Die Eisfläche dort ist auf einem Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 44 Jahren angelangt.

Derzeit geht in der Antarktis der Winter zu Ende – trotzdem dehnt sich die Eisfläche auf dem Südpolarmeer laut des „National Ice and Snow Data Centers“ (NISDC) der Universität des US-Staats Colorado lediglich über knapp 17 Millionen Quadratkilometer aus, so wenig wie noch nie seit Beginn der Satellitenmessungen 1979. Im bisherigen Minus-Rekordjahr 1986 war die Eisfläche eine Million Quadratkilometer größer. Schon zum Ende des Südpol-Sommers im Februar wurde ein Negativ-Rekord gemessen: Damals erstreckte sich die Eisfläche über knapp 1,8 Millionen Quadratkilometer, gut ein Drittel unter dem Durchschnittswert.

Bis 2016 sah es so aus, als ob die Antarktika von der Klimaerwärmung wie durch ein Wunder verschont bliebe. Die Eisdecke war stabil auf hohem Niveau, bis sich 2015 dann der Ozean stark erwärmte. „Wir hatten schon eine Veränderung erwartet“, so Caroline Holmes vom britischen Institut zur Erforschung der Antarktika (BAS): „Doch dass sich der Wandel dermaßen schnell vollziehen würde, damit hatten wir nicht gerechnet.“ Die dramatischste Veränderung ergab sich in der Bellingshausensee im Westen: Sie taute im vergangenen Sommer vollkommen auf.

Pinguin-Küken ertrinken

Für die Kaiserpinguine wirkte sich die Schmelze verhängnisvoll aus. Die Eisdecke auf dem Bellingshausensee gehört zu ihren bevorzugten Brutstätten. Dort finden sie sich im April ein, um Eier zu legen und diese über den Winter auszubrüten. Schlüpfen die Küken zu Beginn des Sommers aus, braucht ihr Federkleid bis Dezember oder Januar, um wasserdicht zu werden. Müssen sie vorher ins Wasser, ertrinken oder erfrieren sie.

Wissenschaftler des britischen Forschungsinstituts BAS mussten bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen des vergangenen Jahres feststellen, dass sich vier der fünf von ihnen untersuchten Brutstätten auf der Bellingshausensee vom Land abgetrennt hatten. Die Eisdecke schmolz weg, bevor die Küken schwimmtauglich waren – mindestens 10 000 Küken seien so umgekommen, schätzt BAS-Wissenschaftler Peter Fretwell. Da sich das Eis nur unzureichend zurückgebildet habe, konnten die Pinguine auch in diesem Jahr nicht brüten, heißt es in dem jüngst im Wissenschaftsmagazin „Communications Earth & Environment“ veröffentlichten Bericht der Forschungsgruppe. Die Folgen für den Fortbestand der Vögel seien verheerend. Die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) stuft Kaiserpinguine noch als „beinahe gefährdet“ ein. Wissenschaftler:innen gehen angesichts der jüngsten Entwicklungen aber davon aus, dass bis Ende dieses Jahrhunderts 90 Prozent der knapp 300 000 Kaiserpinguin-Paare verschwunden sein könnten.

Auswirkungen hat die Erwärmung des Südpolarmeeres auch auf die Südlichen Glattwale, die sich von in kaltem Wasser lebenden Leuchtkrebsen, den Krill, ernähren. Wal-Mütter fressen sich im Sommer im Südpolarmeer voll, um dann zur Geburt ihrer Kälber im Winter in wärmere Gewässer vor Südafrika zu migrieren. Dort wurden in den vergangenen Jahren immer weniger Glattwale gesichtet. Auch seien sie oft abgemagert, sagt Els Vermeulen vom Forschungsinstitut für Säugetiere der Universität Pretoria. Durchschnittlich hätten Walmütter in den vergangenen drei Jahrzehnten ein Viertel ihres Gewichts verloren.

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