VonTanja Bannerschließen
„2024 YR4“ wird unserem Planeten im Dezember 2032 zumindest ziemlich nahekommen.
Ein kürzlich entdeckter Asteroid namens „2024 YR4“ könnte im Dezember 2032 der Erde gefährlich werden. Laut Richard Moissl, dem Leiter der Esa-Asteroidenabwehr, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der 40 bis 100 Meter große Himmelskörper die Erde trifft, derzeit bei 1 zu 81. „Gegenwärtig liegt die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags bei 1,2 Prozent, allerdings verändert sich die Zahl jeden Tag leicht“, sagt der Experte auf Anfrage. Aktuell befindet sich der Asteroid noch in einer Entfernung von etwa 27 Millionen Kilometern zur Erde.
Doch nach aktuellen Berechnungen soll der Asteroid der Erde am 22. Dezember 2032 sehr nahekommen und könnte sie sogar treffen. Deshalb ist der Asteroid derzeit auf der Turiner Skala auf 3 eingestuft. Die Skala reicht von 0 (keine Gefahr) bis 10 (sichere Kollision, die die Zivilisation bedroht). Stufe 3 bedeutet laut Definition: „Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen erfordert. Weitere Beobachtungen werden sehr wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen. Falls die Begegnung weniger als ein Jahrzehnt entfernt ist, verdient sie Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von offizieller Seite.“
Moissl betont: „Wir sind uns alle einig, Nasa, Esa und unabhängige Institutionen, dass die Wahrscheinlichkeit bei knapp über einem Prozent liegt.“ Das hat laut dem Fachmann internationale Folgen: „Ab einem Prozent treten internationale Protokolle in Kraft.“ Dann schaltet sich das Internationale Asteroiden-Warnnetzwerk (IAWN) ein, „konsolidiert Daten aus aller Welt und wird dann ein offizielles Statement geben“, so der Fachmann.
Erst einmal besteht also kein Grund zur Besorgnis, sagt Moissl. Der Asteroid wurde erst vor gut einem Monat entdeckt – daher gibt es nur wenige Beobachtungen, die in die Berechnung seiner Umlaufbahn einfließen. Weitere Beobachtungen werden folgen – vor allem da der Asteroid als potenzielle Bedrohung nun bekannt ist. David Rankin vom Teleskopsystem Catalina Sky Survey betont auf Blue Sky: „Dies ist eine der höchsten Wahrscheinlichkeiten, die es je gegeben hat.“ Dennoch beruhigt er: „Das wahrscheinlichste Ergebnis ist immer noch ein knappes Verfehlen der Erde.“
Gefahr aus dem All?
Was würde passieren, wenn ein Asteroid wie „2024 YR4“ die Erde trifft? Es gibt zwei Szenarien, abhängig von der Beschaffenheit des Asteroiden. Er könnte in großer Höhe explodieren – ein sogenannter Airburst. Die Druckwelle und Hitze könnten für Schäden sorgen. Ein 50 bis 80 Meter großer Asteroid, der 1908 über Sibirien explodierte, sorgte dafür, dass auf 2000 Quadratkilometern Bäume umknickten und Wälder brannten.
Wenn der Asteroid aber etwa aus Eisen besteht und nicht in der Atmosphäre explodiert, kann er einen Krater mit gut einem Kilometer Durchmesser schlagen. Die weitere Umgebung würde in Mitleidenschaft gezogen. Das Leben auf der Erde auslöschen kann„2024 YR4“ nicht. tab
Moissl stimmt zu: „Es ist kein Grund zur Beunruhigung. Wir gehen davon aus, dass es ein naher oder auch sehr erdnaher Vorbeiflug wird. Noch können wir nicht abschließend klären, ob die Prozentzahl auf 0 zurückgeht.“ Die Hoffnung ist, dass sich – wie üblich – herausstellt, dass der Asteroid die Erde knapp verfehlen wird.
Ein bekanntes Beispiel für einen Asteroiden, bei dem die anfängliche Gefahr größer erschien, ist Apophis. Bei seiner Entdeckung konnte ein Einschlag nicht ausgeschlossen werden, er wurde vorübergehend auf der Turiner Skala auf Stufe 4 gesetzt. Inzwischen wurde ein Einschlag von Apophis für die kommenden 100 Jahre ausgeschlossen, Esa und Nasa strichen den Asteroiden von ihren Risikolisten. Auf der Turiner Skala ist er auf Stufe 0.
Im April 2029 wird er der Erde jedoch sehr nahekommen, auf eine Entfernung von etwa 33 000 Kilometern, was näher ist als der Ring der geostationären Satelliten. Die Wissenschaft ist unbesorgt und bereitet sich darauf vor, den Asteroiden bei seinem Vorbeiflug zu erforschen. Apophis hat einen Durchmesser von 350 Metern und ist deutlich größer als „2024 YR4“. Und dieser bleibt im Fokus: „Wir – die Esa und ihre internationalen Partner – sind dran mit allem, was wir haben“, verspricht Moissl.
