„Niedergang nicht mehr zu stoppen“

Bodensee leidet unter Fischsterben: Immer mehr Fischer geben ihren Beruf auf

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Am Bodensee kapitulieren immer mehr Fischer: Die Fischpopulationen schwinden, es fehlen Zukunftsaussichten. Das Berufsfeld steht vor dem Aus.

Langenargen – Mit einer Fläche von 536 Quadratkilometern gilt der Bodensee als zweitgrößter Alpensee in Europa. Angesichts der immensen Größe würde man vermuten, dass es genug Fische für alle gibt. Doch in der Fischerei zeichnet sich seit Jahren eine gegenteilige Entwicklung ab: Innerhalb eines Jahrzehnts sank der Ertrag von 460 Tonnen Fisch im Jahr 2013 auf knapp 133 Tonnen im Jahr 2023.

Mit der Entwicklung geht ein gesamter Berufsstand am Bodensee zugrunde: „Der Niedergang ist nicht mehr zu stoppen“, sagt Roland Rösch, Vorsitzender des Landesverbandes der Berufsfischer und Teichwirte gegenüber dpa. Die Zahl der Berufsfischer sank demnach von 112 im Jahre 2013 auf nur noch etwa 50 zum Ende vergangenen Jahres.

Für viele Berufsfischer am Bodensee lohnt sich die Arbeit nicht mehr, die Erträge sind zu gering. (Archivfoto)

Rückgang der Fischbestände im Bodensee liegt mehreren Problemen zugrunde

Ein Drittel der Fischer und Fischerinnen war am baden-württembergischen Ufer vorzufinden – auch hier seien es laut Rösch jetzt nur noch halb so viele wie vor zehn Jahren. Nachwuchs fehlt, jedes Jahr hören mehrere Berufsfischer:innen mangels Perspektive auf.

Um eine Existenz zu sichern, müsse ein Berufsfischer eigentlich mindestens fünf Tonnen Fisch jährlich fangen, es sei aber oft nur eine Tonne. „Man kann davon nicht mehr leben“, ergänzt Berufsfischer Martin Boesenecker. Früher habe er drei Stunden gebraucht und 20 Euro an Materialkosten gehabt, um 10 Kilo Fisch zu fangen. Heute sei es bei gleichem Zeit- und Kostenaufwand nur noch ein Kilo.

Fischerei am Bodensee - welche Fische werden überhaupt gefangen?

Die wirtschaftlich wichtigsten Fischarten im Bodensee sind Felchen, Barsche, Seeforellen, Hechte, Saiblinge und Aale, informiert unter anderem der Verband Badischer Berufsfischer am Bodensee. Der sogenannte „Brotfisch“, also wichtigste Fisch für die Berufsfischerei, sei dabei der Felchen gewesen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es jedoch ein dreijähriges Fangverbot für die Art. Der Zander stehe in der Region wiederum auf fast jeder Speisekarte, habe aber im See nur einen sehr geringen Fanganteil.

Die sinkenden Fischbestände haben mehrere Ursachen: Die heimischen Kormorane fangen unter anderem große Mengen Fisch. Zudem kommt es durch den niedrigen Phosphatgehalt im Bodensee zu weniger Plankton als Nahrung etwa für die Felchen, dem einstigen Brotfisch der Berufsfischer. Zuletzt zieht die Quagga-Muschel immer mehr Nährstoffe aus dem Wasser. 

Kormorane gelten als hervorragende Taucher und ernähren sich überwiegend von Fisch. (Symbolfoto)

Fischerei gegen Umweltministerium: Maßnahmen am Bodensee könnten ökologisches Gleichgewicht stören

Seit vielen Jahren setzen sich Fischer:innen dafür ein, den Phosphatgehalt im Bodensee zu erhöhen, um durch eine gesteigerte Nährstoffkonzentration die Anzahl der Felchen zu steigern. Boesenecker äußert, dass sich seit einer Kampagne vor etwa einem Jahrzehnt aber nichts verändert habe. Das Thema gelte als Tabu. Zudem fehle es ihm und seinen Kollegen an Entschädigungen für die Verluste, die durch das Fangverbot für Felchen entstehen. Dieses Verbot trat Anfang 2024 in Kraft und bleibt für drei Jahre bestehen.

Das sind 25 der beliebtesten Ausflugsziele am Bodensee

Montage Stein am Rhein, Walfahrtskirche Birnau und Autofähre Konstanz Meersburg
Die Bodenseeregion bietet den perfekten Mix aus Kultur und Natur. Selbst Einheimische werden immer wieder von kleinen, bisher ungesehenen Schmankerln überrascht. Sie bestimmt auch! © IMAGO
Pfahlbauten-Museum
Pfahlbauten Museum Unteruhldingen: Hier kann man hautnah erleben, wie die ersten Siedler am Bodensee in der Jungstein- und Bronzezeit gelebt haben. © Felix Kästle/dpa/Archivbild
Luftbild von der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell, rechts am Horizont die Insel Reichenau
Mettnau: Die idyllische Halbinsel bietet mit ihren weitläufigen Parks viel Ruhe und Entspannung in der Natur für ihre Besucher. © IMAGO/imageBROKER/Markus Keller
Wallfahrtskirche Birnau umgeben von Weinbergen
Kirche St. Marien: Die als „Basilika Birnau“ bekannte Kirche lädt mit ihren Rebstöcken zu romantischen Spaziergängen und Picknicks mit traumhaftem Blick auf den Bodensee ein. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Napoleonmuseum
Napoleonmuseum: An einem der schönsten Aussichtspunkte der Bodenseeregion liegt Schloss Arenenberg, in dem man alles zur napoleonischen Geschichte erfährt. © IMAGO/imageBROKER/R. Kiedrowski
Klosterinsel Reichenau
Insel Reichenau: Die größte Insel im Bodensee ist UNESCO-Weltkulturerbe und bekannt für das Kloster Reichenau. © Felix Kästle/dpa/Archivbild
Autofähre Konstanz vor Meersburg
Meersburg: Das idyllische Städtchen am Bodensee begeistert mit historischen Gassen, der mittelalterlichen Burg und einer atemberaubenden Seepromenade. © IMAGO/bodenseebilder.de
Die Burg Meersburg, liegt in Meersburg am Bodensee auf einer Anhöhe.
Die Meersburg: Der Namensgeber für den gleichnamigen Ort bietet interessante Führungen für Architekturbegeisterte und Geschichtsliebhaber. © Felix Kästle/dpa
kube mine salzbergwerk bad friedrichshall
Salzbergwerk Bad Friedrichshall: Tauchen Sie ein in die Welt des „weißen Goldes“ und erleben Sie spannende Multimedia-Installationen tief unter der Erde. © friedrichshall-tourismus.de
Bodensee Therme Überlingen Vogelperspektive Das einzige Kneipp-Heilbad Baden-Württembergs bietet mit seinen verschiedenen Thermalbecken und Saunen wohltuende Erholung.
Bodensee-Therme Überlingen: Das einzige Kneipp-Heilbad Baden-Württembergs bietet mit seinen verschiedenen Thermalbecken und Saunen wohltuende Erholung. © IMAGO/Westend61
Zeppelinmuseum in Friedrichshafen
Zeppelinmuseum Friedrichshafen: Das Museum beherbergt die weltweit bedeutendste Sammlung zur Luftschifffahrt. Wer schwindelfrei ist, kann auf 300 Metern Höhe einen Zeppelinflug über den Bodensee wagen. © IMAGO/Manngold
Karussell, Spieleland Ravensburg, Baden-Württemberg
Ravensburger Spieleland: Etwas nördlich von Friedrichshafen liegt das Kinderparadies. Der Freizeitpark eignet sich zwar vor allem für die kleinen Bodensee-Touristen, aber auch Erwachsene haben offensichtlich ihren Spaß auf den Attraktionen. © IMAGO/R. Kiedrowski
Nachwuchs auf dem Affenberg bei Salem
Affenberg Salem: So nah wie hier bekommt man die drolligen Tiere selten zu Gesicht – ein Spaß für Jung und Alt. © Felix Kästle/dpa
Reichsabtei Salem: Wer Geschichte und aufwendig verzierte Architektur mag, der wird die Reichsabtei Salem lieben. Das Klostergelände blickt auf eine fast 900 Jahre alte Geschichte zurück, zu der die Gründung der ersten Sparkasse Deutschlands gehört.
Reichsabtei Salem: Wer Geschichte und aufwendig verzierte Architektur mag, der wird die Reichsabtei Salem lieben. Das Klostergelände blickt auf eine fast 900 Jahre alte Geschichte zurück, zu der die Gründung der ersten Sparkasse Deutschlands gehört. © IMAGO/Bassi
Schloss Salem, ehemalige Reichsabtei, ehemaliges Kloster des Zisterziense Der zweistöckige Saal wurde in den Jahren 1786 bis 1796 zur finanziellen Hochphase der Reichsabtei erbaut und ist ein Schmuckstück klassizistischer Baukunst.
Ein besonderes Schmankerl der Reichsabtei Salem: Der zweistöckige Saal wurde in den Jahren 1786 bis 1796 zur finanziellen Hochphase der Reichsabtei erbaut und ist ein Schmuckstück klassizistischer Baukunst. © IMAGO/Markus Keller
Der neue elektrobetriebene Katamaran liegt am Landesteg vor der Insel Mainau im Bodensee, um dort feierlich auf den Namen „Insel Mainau“ getauft zu werden.
Insel Mainau: Die Blumeninsel empfängt ihre Besucher mit einem blühenden Paradies. Mit ihrem Schmetterlingshaus ist sie der perfekte Ausflugsort für Naturliebhaber und Romantiker. © Felix Kästle/dpa
Luftbild vom Vulkankegel Hohentwiel mit der Burgruine
Burgruine Hohenkrähen: Auf einem Vulkankegel gelegen, lädt die über 800 Jahre alte Burg auf 600 Meter Höhe zur Wanderung in vergangene Zeiten ein. © IMAGO/Markus Keller
Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau Konstanz am Bodensee
Konstanzer Münster: Aus der Altstadt in Konstanz ragt das Münster stolz hervor. Der Bau blickt auf über ein Millennium Geschichte zurück und zählt zu den größten romanischen Kirchen Südwestdeutschlands. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Münster und Kulturzentrum am Münsterplatz, Konstanz, Bodensee
Kulturzentrum am Münster: In Konstanz vereint das Haus mit seiner knallig roten Fassade gleich sechs Kulturvereine unter einem Dach. Zahlreiche Ausstellungen und Events warten hier auf die Besucher. © IMAGO/Wilfried Wirth
Uferpromenade See Konstanz
Spritztour gefällig? Die endlos langen Promenaden am Bodensee eignen sich hervorragend für entdeckerische Fahrradtouren – wie zum Beispiel hier an der Seepromenade in Konstanz. Zahlreiche Fahrradverleihe ersparen Besuchern die Fahrradmitnahme. © IMAGO/Westend61
Der Stadtgarten im ehemaligen Wehrgraben der historischen Altstadt von Radolfzell am Bodensee
Stadtgarten Radolfzell: Das „grüne Band“ um die Altstadt von Radolfzell gilt mit seiner bunten Vegetation und kleinen Bächlein als „der schönste Wartesaal Deutschlands“, so der Schriftsteller Ludwig Finckh – perfekt für eine Fahrradtour von der Konstanzer Seepromenade aus geeignet! © IMAGO/Markus Keller
Lack- und Lederschiff Torture Ship
Torture Ship: Nichts für Kinder und schwache Nerven! Die weltweit größte SM-Party auf einem Binnenschiff zieht neben mehr als 500 Gästen an Bord auch zahlreiche Schaulustige an die Häfen in Konstanz und Friedrichshafen. © picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Stein am Rhein Blick vom Bodensee
Stein am Rhein: Wer sich bei seinem Bodenseebesuch traut, die Grenzen der EU zu verlassen, der wird von der verträumten Kleinstadt im Schweizer Kanton Schaffhausen verzaubert. © IMAGO/ConnyPokorny
Kanton Thurgau, Schweiz Napoleonturm Wäldi-Hohenrain
Auch auf Schweizer Seite: Diesmal geht es in den Kanton Thurgau, wo der Napoleonturm nach mehr als 200 erklommenen Treppenstufen einen atemberaubenden Blick über den Bodensee bietet. © IMAGO/Falke
Blick auf den Rheinfall von Schaffhausen
Rheinfall von Schaffhausen: Nur einen Katzensprung hinter Stein am Rhein liegt der bekannte Wasserfall – ein grandioses Naturschauspiel. © IMAGO/Andreas Haas/dieBildmanufaktur
Salzgrotte Solezimmer in der SalzOase am Bodensee
Kleiner Geheimtipp: salt‘z – die SalzOase am Bodensee in Konstanz bietet Erholung und Entspannung in den Salzgrotten und auf den Massageliegen in der Erholungsoase. Für kleine Besucher gibt es eine liebevoll eingerichtete Spielecke in der Salzgrotte, damit die Eltern ungestört entspannen können. © privat

Das Umweltministerium argumentiert, dass die niedrigen Phosphatwerte im Bodensee notwendig seien, um das ökologische Gleichgewicht des Sees zu bewahren. Ein Ministeriumssprecher hebt hervor, dass es Grenzwerte gebe, die eingehalten werden müssten und sogar noch verschärft würden. Die Problematik der sinkenden Fangerträge und deren vielfältige Ursachen sei zudem ausführlich mit den Berufsfischern- und Fischerinnen besprochen worden.

Beängstigende Szenen spielten sich im vergangenen Jahr auch in Griechenland ab: Unzählige tote Fische trieben an der Küste einer griechischen Hafenstadt. Ein düsteres Zeichen für die Situation in der Region? (nz/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO / bodenseebilder.de

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