Burn-On-Syndrom

Die Vorstufe zum Burnout oder längst Alltag? Das steckt hinter dem Burn-On-Syndrom

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Erschöpft arbeiten sie immer weiter und gehen an ihre Grenzen. Burn-on-Betroffene leiden oft Jahre unter dem Dauerstress mit gesundheitlichen Folgen.

Frankfurt – Berufstätige, die sich ausgebrannt fühlen, leiden häufig unter einem Burnout. Sie fühlen sich erschöpft und antriebslos und können meist ihre Arbeit nicht mehr ausführen. Doch was ist mit den Personen, die trotz Erschöpfung immer weiter arbeiten? Der Psychotherapeut Timo Schiele hat nun gemeinsam mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Prof. Bert te Wildt in ihrem Buch „Burn On: Immer kurz vorm Burn Out“ den Begriff des Burn-ons definiert. Es bezeichnet eine Vorstufe des Burnout-Syndroms, die für Betroffene gefährlich werden kann.

Bereits 1970 entstand der Begriff Burnout durch den Psychotherapeuten Herbert Freudenberger. Erkrankte Personen sind oft in ihrem Berufsalltag überlastet und überfordert. Sie fühlen sich zunehmend erschöpft und schließlich „ausgebrannt“. So entwickeln sie mit der Zeit eine innere Ablehnung gegen die Arbeit und können diese nicht mehr ausführen. Auch die Umstellung auf Homeoffice birgt eine Gefahr an Burn-out zu erkranken, da Pausenzeiten häufig nicht eingehalten werden. Aber nicht nur die Arbeit, auch andere überfordernde Lebensumstände können laut gesundheitsinformationen.de zu einem Burnout führen.

Beim Burn-on-Syndrom werden anders als beim Burn-out-Syndrom erste Anzeichen übersehen, da Betroffene im Alltag weiterhin funktionieren. (Symbolbild)

So unterscheidet sich Burnout vom Burn-on-Syndrom

Eine langanhaltende Burn-on-Phase stellt eine Vorstufe des Burnouts dar, ohne dass die Betroffenen zwingen an Burnout erkranken. In beiden Fällen leiden die Patent:innen unter permanent Stress- und Erschöpfungszuständen. Doch im Fall dies Burn-on-Syndroms brennen die Menschen nicht aus, sondern einfach weiter. Diese Merkmale sind daher charakteristisch:

Burn-on-SyndromBurnout-Syndrom
Kopfschmerzen, Verspannungen, Funktionieren auf der ArbeitKraft- und Antriebslosigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit
Geringe Abgrenzung zur Arbeit Abneigung gegen die Arbeit
Quelle: Barmer

Laut gesundheitsinformationen.de wird in Fachkreisen noch immer darüber diskutiert, wie genau ein Burnout festgestellt werden und durch welche Symptome es definiert werden kann. Das macht die Einordnung des Krankheitsbildes für Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen sehr schwierig, da ein Burnout nicht als eigenständige Erkrankung anerkannt ist. Es soll sich vielmehr um einen Faktor handeln, der die Gesundheit negativ beeinflusst und in einigen Fällen mit anderen psychosomatischen Erkrankungen, wie Angsterkrankungen oder Depressionen einhergeht.

So wirkt sich das Burn-On-Syndrom auf die Psyche aus

Doch Bert te Wildt definiert das Burn-on als ein Erschöpfungszustand und eine Depressivität, die hinter einem Lächeln versteckt wird. Häufig befinden sich die Betroffen kurz vor einem Zusammenbruch, doch anders als Burnout-Patient:innen, die sich krankschreiben lassen, machen sie einfach weiter. Das führt zu einem langjährigen Leidensdruck, der auch das Privatleben beeinflussen kann. So können laut Barmer Beziehungen, Freundschaften oder das Ausüben von Hobbys durch den Stress vernachlässigt werden. Betroffene leiden häufig an folgenden psychosomatischen Symptomen:

  • Gefühl, nie zu genügen
  • Innere Leere, Sinnlosigkeit
  • Verzweiflung
  • Freudlosigkeit
  • Müdigkeit und gleichzeitiger innerer Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Quelle: Deutsche Presse Agentur

So kann das Burn-On-Syndroms behandelt werden

Ein Ansatz, um dem Dauerstress entgegenzuwirken, ist die 4-Tage-Woche, die gerade viel in den Medien diskutiert wird. Doch oft liegt die Ursache an der inneren Einstellung zur Arbeit. Häufig geht es laut der Barmer Krankenkasse um das Gefühl des Erfolgs, Anerkennung und den Druck der heutigen Arbeitswelt gerecht zu werden. Daher kann das sogenannte Hamsterrad nur durch eine langfristige Änderung der Arbeitseinstellung gestoppt werden. Häufig werden die Anzeichen auf ein Burn-on übersehen, doch eine Psychotherapie kann helfen Muster zu erkennen und diese zu ändern.

Stress nachhaltig reduzieren – mit bewährten Entspannungstechniken

Frau macht Yoga-Pose
Meditation ist eine Technik, mit deren Hilfe man in den Moment findet, statt sich in Gedanken zu verlieren. Wie die Techniker Krankenkasse weiter informiert, lernen Sie im Rahmen der Mediation, Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne diese festzuhalten oder zu bewerten. Das Ziel: Abstand zum alltäglichen Stress gewinnen. Krankenkassen, Yoga-Studios und auch viele Fitnessstudios bieten Kurse an. Auch mithilfe von Apps kann man ausprobieren, ob Meditation etwas für einen ist.  © Marcos Castillo/Imago
Frau macht Yoga-Übung
Yoga kräftigt und dehnt auch die tiefliegenden Muskelgruppen. Doch die fernöstliche Lehre, die viele körperliche, aber auch geistige Übungen umfasst, kann mehr. Denn die Entspannungsübungen im Yoga verlangsamen die Atmung, was beruhigende Wirkung auf den gesamten Organismus hat. Wer sich ausprobieren möchte, sieht sich mit einer Fülle von Angeboten konfrontiert. Yoga- und Fitnessstudios, aber auch Krankenkassen und Volkshochschulen bieten Kurse an.  © svyatoslav lipinskiy/Imago
Junge Frau liegt in Sportklamotten auf einer Yoga-Matte.
Viele Menschen schwören auf progressive Muskelentspannung, wenn sie zur Ruhe kommen wollen. Das Prinzip dahinter: Durch gezielte An- und Entspannung der Muskeln verringert sich die Aktivität der Nerven und die psychische Anspannung nimmt ab. Wie die AOK weiter informiert, kann man nach vorheriger Anleitung durch einen entsprechend ausgebildeten Therapeuten die Übungen auch selbstständig durchführen. © Ivan Gener/Imago
Frau liegt mit geschlossenen Augen im Gras
Autogenes Training ist ein Entspannungsverfahren, das über gedankliche Konzentration zur Ruhe finden lassen soll. Hier werden nicht, wie bei der progressiven Muskelentspannung, Muskeln bewusst angespannt und entspannt. Wie die Neurologen und Psychiater im Netz weiter informieren, ist es viel mehr eine Art Selbsthypnose, die beim autogenen Training stattfindet. Mithilfe von Mantra-artigen Übungsformeln (z. B. „Der rechte Arm ist ganz schwer“ oder „Der rechte Arm ist ganz warm“) soll erreicht werden, dass der gesamte Organismus zur Ruhe kommt. Kurse finden Sie unter anderem bei Ihrer Krankenkasse und der Volkshochschule.  © Olga Pankova/Imago
Frau atmet tief durch an der frischen Luft.
Atemtechniken helfen dabei, starken Stress zu reduzieren. Bei Anspannung flacht die Atmung in der Regel ab, die Luft wird nicht weiter als in den Brustraum eingeatmet. Eine ruhige, regelmäßige Bauchatmung führt aber dazu, dass sich Muskeln entspannen und der Körper besser durchblutet wird. Auch der Blutdruck kann so gesenkt werden. Und so sieht eine gesunde und tiefe Bauchatmung nach der 4/7/11-Regel aus: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen und das ganze 11 Minuten durchhalten. © Imago
Fröhliche, in eine Decke gehüllte junge Frau sitzt mit einer Tasse heißer Schokolade auf der Terrasse eines Bungalows
Achtsamkeit hat sich der Techniker Krankenkasse zufolge in vielen Studien als wirksam zur Stressreduktion erwiesen. In anerkannten Kursen zur „Mindfulness Based Stress Reduction“ würden Techniken erlernt werden, die helfen, im Hier und Jetzt statt in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu sein – und das nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ein wichtiger Aspekt: Achtsam sein bedeutet, jegliche Bewertung aus den Gedanken zu verbannen. Der Moment, die Atmung, die Geräusche im außen werden also ausschließlich wahrgenommen, man denkt an nichts.  © Aleksei Isachenko/Imago
Frau wandert auf den Heimgarten
Viele Menschen machen intuitiv das Richtige, wenn sie sich gestresst fühlen. Sport empfinden viele als sehr gutes Ventil, um Druck abzulassen. Der Techniker Krankenkasse zufolge zählt Sport zwar nicht zu den typischen Entspannungstechniken, man spricht vielmehr von einer sogenannten passiven Methode.  © Imago
Frau liegt in der Badewanne
Zu den sogenannten passiven Methoden zählt nicht nur der Sport. Auch eine entspannte Auszeit in der Badewanne, ein Spaziergang oder Zeit mit einem guten Buch können den Stresslevel enorm senken, indem sie Zufriedenheitserlebnisse schaffen, so die Techniker Krankenkasse.  © Imago

Andernfalls kann der Dauerstress auch schwere körperliche Folgen haben. Nach dem Bundesministerium für Gesundheit ist der Körper durch Stress in ständiger Alarmbereitschaft und dies kann zu Bluthochdruck, Magen-Darm-Beschwerden und einem geschwächten Immunsystem führen. Auch Atemnot, Kopfschmerzen, Zähneknirschen und Hautprobleme können die Folge sein. Daher sollten Betroffene auch in der Burn-on-Phase auf erste Anzeichen reagieren.

Hinweis der Redaktion

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

Richtiges Entspannen muss erst wieder erlernt werden, sowie die Abgrenzung zur Arbeit. „Man muss sich fragen: Was bin ich bereit zu geben, zu leisten und was übersteigt ganz klar meine Grenzen und das dann auch zu markieren“, sagt Bert te Wildt und rät dazu, dies in einer Psychotherapie zu erarbeiten. Zudem fördern viele Krankenkassen Präventionsprogramme zur Stressbewertung durch Entspannungstechniken. (mima)

Rubriklistenbild: © Westend61/IMAGO

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