Sieben Sachen

Darf ich von den Großeltern die Betreuung der Eltern erwarten?

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Wer kümmert sich?

Das ist hier die Frage.

Liebe Franka, meine Frau und ich haben drei Kinder, wir haben ein Haus und sind beide fast Vollzeit berufstätig. Das klingt nach einem anstrengenden Programm, und genau so ist es auch. Als wir uns entschieden, Kinder zu bekommen, sind wir eigentlich fest davon ausgegangen, dass die Großeltern auf beiden Seiten bei der Betreuung mithelfen. Sie wohnen alle vier in der Nähe, sind körperlich fit und auch finanziell gut aufgestellt. Bis in die Kleinkindzeit unserer großen Tochter waren sie auch sehr ins Familienleben involviert, sie war eben die erste Enkelin und ein sehr süßes Baby. Nun haben auch unsere Geschwister Kinder bekommen, und wir noch zwei weitere, aber die Großeltern sind nicht mehr so motiviert. Meine Mutter geht lieber zum Yoga als auf den Spielplatz, die Eltern meiner Frau unternehmen lange Reisen, Ich muss sagen, ich bin enttäuscht. Kann man Hilfe der Großeltern nicht erwarten, im Sinne des Generationenvertrags?

FR7-Leser Ralf (45)

Lieber Ralf, erwarten können Sie im Leben viel. Sie sind inzwischen 45 Jahre alt, und wissen es vermutlich selbst: Nichts ist planbar, das nächste Chaos wartet schon um die nächste Ecke, andere Menschen haben nicht die gleich Agenda wie Sie selbst. Das soll jetzt nicht so harsch und theoretisch rüberkommen, wie es sich vielleicht anhört. Ich verstehe Ihre Enttäuschung nämlich sehr gut. Denn eine schöne Beziehung zwischen Großeltern und ihren Enkel:innen ist, wenn sie von beiden Seiten gewünscht ist, etwas Wunderbares. Viele erwachsene Menschen haben sehr warme und herzliche Erinnerungen an die Momente, die sie mit Oma oder Opa verbracht haben – mit Brettspielen und besonderem Essen, speziellen Düften in der Küche und Geschichten von früher, aber vor allem mit ganz viel Zeit, die die Großeltern für Kinder hatten, jenseits der Hektik des Alltags zuhause. Dass vieles womöglich im Rückblick romantischer scheint als es war und nicht alle Großmütter- und -väter nicht lieber etwas anderes getan hätten, hätten Sie die Wahl gehabt: Man weiß es nicht immer.

Ich stimme Ihnen aber zu, dass es schade ist, dass Ihren Eltern und offenbar auch den Schwiegereltern eine Beziehung zur Enkelschar nicht so wichtig erscheint. Ich spreche bewusst von einer Beziehung, die so nicht entstehen kann, und nicht von einem „Recht auf Betreuung“, das haben Sie nämlich nicht, natürlich nicht. Ihr Lebensentwurf ist erst einmal genau das: Ihr eigener Lebensentwurf. Wie viele Kinder Sie als Paar haben und mit welcher Intensität Sie Ihren Berufen nachgehen, hat auch erst einmal nichts damit zu tun, ob es fitte Großeltern in der Nähe gibt oder nicht. Zugegeben, es ist auch nicht total utopisch, eine solche gelegentliche Betreuung durchaus zu wünschen, in vielen Familien ist das ja tatsächlich üblich.

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Mir scheint allerdings, dass Sie sehr hoch gesteckte Erwartungen haben oder hatten. Denn dass die Großeltern „körperlich fit“ sind, ist etwas Schönes, und das dürfen sie natürlich auch beim Yoga genießen. Wie anstrengend Kinder sind, merken Sie ja gerade selbst. Manche Menschen sagen sich dann: Ich habe mein Soll im Kleine-Menschen-Großziehen erfüllt, jetzt komme erst einmal ich selbst dran. Und dann kommt eben eins zum anderen: Mit Kindern, zu denen keine wirklich enge Bindung besteht, ist es anstrengend, Zeit zu verbringen. Auf Enkelkinder muss man sich einlassen (können), denn sie sind naturgemäß auch mal laut, nervig, haben Macken wie alle Menschen und wollen nicht immer das Gleiche wie man selbst. Aber wie auch immer, Sie werden sich ganz pragmatisch Ihrer Situation stellen müssen. Ein Generationenvertrag ist nichts, was Sie einklagen können. Versuchen Sie, sich ein soziales Netz rund um Nachbarschaft, Freundeskreis, Kindergarten und Schule zu knüpfen, in dem man sich gegenseitig aushilft. Schicken Sie Ihre Kinder in den Sportverein und auf Ferienfreizeiten, buchen Sie gelegentlich Babysitter:innen, vielleicht gibt es Patentanten- oder onkel, die sich eigentlich mehr Kontakt wünschen?

Werden Sie kreativ, Familiesein ist immer chaotisch, man muss auf Sicht fliegen und auch mal außerhalb der Box denken. Versuchen Sie, den Kontakt zu Ihren Eltern und Schwiegereltern so, wie er ist, wertzuschätzen. Etwas anderes bleibt Ihnen auch gar nicht übrig.

Es wird einfacher, je größer die Kinder werden. Und, mal ehrlich: Wer verbringt denn wirklich gern Zeit auf Spielplätzen?

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