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Elon Musk bricht bewusst ein Tabu und öffnet mit seiner Geste das Tor zu einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.
Hat er oder hat er nicht? Der Tech-Milliardär Elon Musk ist für Albernheiten und Rumgehopse bei seinen öffentlichen Auftritten im Zuge des US-Wahlkampfes bekannt. Nun soll er den Arm sogar zum sogenannten Hitler-Gruß ausgestreckt haben. Und das gleich mehrmals. Die einen erkennen darin einen Machtrausch, andere sehen hingegen kühles Kalkül des Tesla-Chefs. So warnt die Amadeu-Antonio-Stiftung vor einer reaktionären Wende im Jahr 2025. „Demokratie und Universalismus stehen vor einer beispiellosen Bedrohung“, heißt es auf der Webseite der Stiftung. Die zweite Amtszeit von Donald Trump und der zunehmende Einfluss von Tech-Milliardären wie Elon Musk und Peter Thiel gefährdeten die Fundamente demokratischer Systeme. Man warnt vor Desinformation, Verschwörungserzählungen und antidemokratischen Narrativen.
In dem Mix von politischer und wirtschaftlicher Macht erkennt man eine immense Gefahr für die westlichen Demokratien. In einem Interview mit dem „Spiegel“ war sich Kira Ayyadi von der Stiftung, welche die rechte Szene intensiv beobachtet, sicher: „Das war definitiv ein Hitlergruß.“ Von einer merkwürdigen Geste könne keine Rede sein, die einige gesehen haben wollen. „Die Form der Geste ist eindeutig. Der ausgestreckte, lange Arm, die flache Hand, die aneinanderliegenden Finger. In seinem Gesicht ist kein Lächeln zu sehen, es wirkt ganz starr“, auch das passe zu einer zackigen Nazi-Geste, sagte sie.
Die Verbindung schwerreicher Menschen mit politischer Macht beschäftigt den Historiker Timothy Snyder bereits seit Jahren. In seinem Buch „Über Tyrannei“ warnte er vor russischen Verhältnissen in den Vereinigten Staaten. Russland stellt für ihn den Prototypen dar, in dem Oligarchen das Sagen haben – unter dem Diktator Wladimir Putin. Auch die USA sieht er auf dem Weg dorthin.
Nun äußerte er sich in einem Interview zu dem speziellen Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Elon Musk: „Trump ist ein Meister im ‚Fake it till you make it‘. Er tut ja nur so, als sei er ein reicher Mann, obwohl er es sicher irgendwann sein wird“, so Snyder. „Musk hingegen verfügt über reale finanzielle Ressourcen, die ihm beispiellose Macht verleihen. Mit seinen enormen Ressourcen, die er mit Technologie verdient hat, kann er Klagen finanzieren und Kritiker zum Schweigen bringen, Narrative über Plattformen wie Twitter beeinflussen und die Politik auf eine Weise gestalten, wie es kein traditioneller Politiker könnte. Viele erwarten ja, dass sich Trump und Musk irgendwann zerstreiten. Ich glaube das nicht, weil sich ihre Ziele ergänzen. Trump will endlich reich werden. Und Musk will die Weltherrschaft.“
Der Hitlergruß war das Zeichen für die Gefolgschaft und die Treue zum sogenannten Führer. Wer ihn nicht ausführte, wurde bestraft. Hitler hat ähnlich wie Trump äußerst viel aus der Geschichte kopiert. Denn die Ursprünge des Grußes liegen im Römischen Reich. Der Saluto Romano war ein militärischer Gruß bei den Römern, bei dem der Arm ausgestreckt wurde. Diese Art des Grüßens war nicht allein den Cäsaren vorbehalten, auch die Bürger Roms grüßten sich mit ausgestreckten Arm und gespreizten Fingern. Aufgegriffen wurde diese Geste dann zunächst von Benito Mussolini, der sich für solche antiken Muster begeistern konnte. Hitler wiederum schaute es sich bei Mussolini ab, seinem späteren Bündnispartner. Bei den Nazis wirkte dies alles ähnlich theatralisch wie bei den italienischen Faschisten, bis sie schließlich die Macht in den Händen hielten. Von da an wurde es bitterer, mitunter tödlicher Ernst aus der Grußform. Dafür bedurfte es keines eigenen Gesetzes. Die Aussicht auf Bestrafung sorgte für die von den Nazis erhoffte Konformität.
Wenn Elon Musk nun den Arm so ausstreckt, wie Hitler es früher getan hat, ist das ein bewusster Bruch mit wohlbegründeten Tabus. Hitler steht nicht allein für die Errichtung einer Diktatur, der Verfolgung der Opposition, sondern der Entfesselung eines Krieges, der das Ziel hatte, möglichst viele sowjetische Menschen zu töten und die europäischen Juden zu vernichten.
Auch wenn Trump von vielen Politik-Experten nicht als ein Faschist angesehen wird, weil ihm eine konsistente politische Position hierzu fehlt, heißt das nicht, dass hinter ihm keine faschistische Welle folgen könnte. Musk trägt seine Radikalisierung auf „X“ offen zur Schau. Er bedient deutlich sichtbar rechtsextremes Gedankengut, wenn er erklärt, nur die AfD könne Deutschland retten.
US-Historiker Snyder mahnt in seinem Buch, es gelte, den Anfängen jedweder Tyrannei zu wehren. Er warnte, dass man das ernst nehmen sollte, was autoritäre Politiker vor der Wahl sagen. Sie würden in ihrer Amtszeit stets versuchen, ihre Versprechen umzusetzen. Wie wir wissen, hat Hitler sein Programm vor 1933 offengelegt, schrieb Snyder. Die Welt hätte wissen können, was auf sie zukommt. Aber viele hielten Hitler zunächst für einen komischen Typen, den man nicht ernst nehmen müsse.
In 20 Lektionen definiert Snyder, wie Demokratien überleben können. Nämlich indem die Bürger und Bürgerinnen für Prinzipien wie Meinungs- und Pressefreiheit, Gewaltenteilung, Menschenwürde, Wahrhaftigkeit und Toleranz eintreten. Eine Alternative gibt es nicht.
