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Übergewicht steigert Krebs-Risiko – Studie zeigt alarmierende Zahlen

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Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland ist zu dick. Die wenigsten sind sich wohl des Krebsrisikos bewusst, das damit einhergeht.

Berlin – Übergewicht wird seit 1948 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit eingestuft, aber dennoch oft auf die leichte Schulter genommen. Wie gefährlich das Zuviel auf der Waage wirklich ist, betonten die wichtigsten Krebsorganisationen in Deutschland anlässlich der nationalen Krebspräventionswoche in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Montag (25. September). Denn jährlich erkranken hierzulande 30.000 Menschen an Krebs, der durch Übergewicht verursacht wurde – und damit zumeist vermeidbar wäre.

Hälfte der Deutschen ist zu dick: Bereits leichtes Übergewicht erhöht Sterberisiko

Global gesehen ist es heutzutage wahrscheinlicher, an den Folgen von Fettleibigkeit zu sterben, als an Unterernährung. Bereits leichtes Übergewicht erhöht das Sterberisiko, wie eine im Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Studie ergab. 40 Prozent der Krebserkrankungen in Deutschland sind einer Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrums zufolge durch vermeidbare Faktoren verursacht. Rund ein Fünftel aller Krebsfälle gehen aufs Rauchen zurück. Sieben Prozent der Krebsneuerkrankungen sind eine Folge von Übergewicht.

Die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) setzen sich deshalb für bessere Rahmenbedingungen hierzulande ein, „die es Menschen leichter machen, ein gesundes Körpergewicht zu halten oder zu erlangen.“ Als Maßnahmen schlagen die Krebsexperten und -expertinnen vor, Werbung für übergewichtsfördernde Produkte einzuschränken und die Besteuerung von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln anzuheben.

Zu viel Gewicht ist schlecht für die Gesundheit. Offenbar erhöht Übergewicht auch die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, wie eine Studie nun zeigte (Symbolbild).

Höchste Zeit, wie es scheint. In Deutschland sind Angaben des Robert Koch-Instituts zufolge 46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer übergewichtig. Ein Fünftel der Menschen hierzulande leidet unter Fettleibigkeit.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach unterstützt Forderungen der Krebsgesellschaften

Gerd Nettekoven, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, forderte eine Prävention von Übergewicht vom Kindesalter an, „denn hier hat Übergewicht oftmals seinen Ursprung“. Auch DKG-Präsident Michael Ghadimi sieht in Deutschland „dringenden Handlungsbedarf“. Die Umsetzung des im Koalitionsvertrag beschlossenen Verbots von an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker- und Fettgehalt wäre ein wichtiger erster Schritt für die Krebsprävention, betonte er. Andere Länder sind Deutschland schon einen Schritt voraus: England und Frankreich besteuern stark gezuckerte Limonaden höher, Portugal verbietet an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unterstützte die Forderungen der Krebsgesellschaften. Die Bedeutung von Rauchen und Alkoholkonsum auf das Krebsrisiko sei weitgehend bekannt, meinte der Minister. Übergewicht und Adipositas als Risikofaktoren würden jedoch unterschätzt. „Durch die Beseitigung oder noch besser die Vermeidung dieser Risikofaktoren durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung reduzieren wir nicht nur das Risiko für eine Krebserkrankung, sondern auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Typ-2-Diabetes und Gelenkerkrankungen“, so Lauterbach.

Krebs-Risiko mit gesunden Lebensmitteln senken: Brokkoli, Knoblauch, Zwiebel und Lauch können schützen

Brokkoli
Sekundären Pflanzenstoffen kommt eine besondere Bedeutung bei. Der in Brokkoli enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Sulphoraphan beispielsweise wehrt freie Radikale ab und hemmt somit den natürlichen Alterungsprozess der Zellen in der Haut. Doch Brokkoli kann noch mehr. Wie auch viele andere Arten aus der Familie der Brassicaceae, ist das grüne Gemüse aufgrund seiner bioaktiven Glucosinolate oder „Senfölglucoside“ so wertvoll. Vor allem das in jungen Sprossen und Samen in hoher Konzentration vorkommende Glucoraphanin sowie das enzymatische Abbauprodukt Sulforaphan sollen eine anti-kanzerogene Wirkung entfalten. Die in Brokkoli enthaltenen sekundären Inhaltsstoffe können die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen positiv beeinflussen, wie das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster veröffentlichte. ©  Alex9500/Imago
Radieschen
Öfters mal Radieschen zur Brotzeit verspeisen, das fördert ebenfalls die Gesundheit. Denn Radieschen enthalten wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Glu­co­si­no­la­te, die an­ti­ox­i­da­tiv sowie im­mun­mo­dul­ier­end wirken und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken können, laut „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“. © Gojaz Alkimson/Imago
weißer Rettich
Auch der insbesondere im Süden Deutschlands beliebte Rettich ist gut für die Gesundheit. Dank seiner sekundären Pflanzenstoffe Glu­co­si­no­la­tea kann er das Ri­si­ko für be­stim­mte Krebs­erkrankungen senken, so die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“. Die im Rettich enthaltenen Senföle haben zudem eine heilsame Wirkung auf Leber, Galle und Verdauung. © Cess /Imago
Kresse pflanzen säen ernten
Wer Schnittlauchbrot isst, sollte ruhig mal variieren und ein Kressebrot probieren. Denn auch Kresse, insbesondere die Wasserkresse, ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie den sekundären Pflanzenstoffen der Glu­co­si­no­la­te, die vorbeugend gegen Krebswachstum wirken sollen. © Roman Möbius/Imago
Senfsaat, gelb, in einem Esslöffel
Senf kennt man üblicherweise aus dem Glas oder der Tube und wird häufig als Geschmacksverstärker verwendet. Dabei kann Senf noch viel mehr, als nur schmecken. Das wussten auch schon die Römer, die gemahlene Senfsaat als Wickel und in Bädern gegen Migräne, Arthrose oder Bronchitis einsetzten. Prof. Dr. Volker Mersch-Sundermann, Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, weiß um die besondere Wirkung von Senf: „Der Konsum von scharfem Senf schützt beispielsweise vor den erbgutschädigenden Wirkungen der beim Grillen und Braten von Fleisch entstehenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.“ Er und seine Kollegin Dr. Evelyn Lamy konnten nachweisen, dass der handelsübliche scharfe Senf vor der Wirkung krebsauslösender Stoffe effektiv schützt. Verantwortlich für die krebshemmende Wirkung sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Glu­co­si­no­la­te und Senföle. Insbesondere letztere sind für die Schärfe verantwortlich. Je schärfer der Senf, desto höher ist der Anteil an Senfölen, umso besser ist die krebsvorbeugende Wirkung. © rezkrr/Imago
Knoblauch (Allium sativum), Knoblauchzwiebeln auf einem Teller common garlic (Allium sativum), garlic bulbs on a plate B
Knoblauch hat gemeinhin bei manchen noch einen schlechten Ruf, da es heißt, sein Verzehr würde zu einem schlechten Atem beitragen. Dabei ist die Knolle überaus gesundheitsfördernd und sollte aufgrund ihrer sekundären Pflanzenstoffe in der Küche nicht fehlen. Die enthaltenen Sul­fi­de entfalten laut „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“ nicht nur eine an­ti­bi­o­tische, an­ti­ox­i­da­tive, an­ti­throm­bo­tische, blut­druck­sen­kende sowie chol­esterinsen­kende Wirkung. Auch das Risiko für Krebserkrankungen sollen Sulfide positiv beeinflussen. Allizin, der in Knoblauch und anderen Laucharten enthaltene Aromastoff mit keimtötender Wirkung, soll zudem laut „Deutsche Apothekerzeitung“ gegen Krebszellen wirken. © McPHOTO/A. Schauhuber via www.imago-images.de
Geschnittene, rote Zwiebel
Zwiebeln zählen nicht nur zu den calciumreichsten Gemüsesorten und können somit bei regelmäßigem Verzehr den Knochenabbau hemmen. Zwiebeln enthalten wie Knoblauch Sulfide mit anti-kanzerogenem Effekt. Außerdem sind sie auch reich an dem sekundären Pflanzenstoff Quercetin, das besonders in roten Zwiebeln und den äußeren Schichten vorkommt und krebsvorbeugende Wirkung entfalten soll. © breitformat/Imago
Porree in einer Kiste
Porree, auch Lauch genannt, ist voll von gesunden Nährstoffen wie Carotin, Zink und Fluor. Zudem ist auch Lauch reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Sulfide, die eine Krebs-abwehrende Wirkung haben. © Norman Krauß/Imago
Olivenöl senkt Blutdruck und das schädliche LDL-Cholesterin im Blut, sodass das Risiko für Arteriosklerose reduziert wird.
Olivenöl wirkt nicht nur vorbeugend gegen Arterienverkalkung, Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch die darin enthaltene Ölsäure soll sogar Krebszellen abwehren. Die im Olivenöl enthaltene Omega-9-Fettsäure kann die Effizienz einer Krebstherapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab sogar deutlich erhöhen – dieser wirkte in Verbindung mit der Ölsäure stärker als ohne Ölsäure. © Panthermedia/Imago
Frau öffnet Walnüsse mit Hammer
Nicht nur bei hohem Blutdruck sollen gerade Walnüsse und Pistazien helfen. Wer regelmäßig Nüsse isst – tägliche Empfehlung nicht mehr als eine Handvoll – kann das Risiko für Darmkrebs senken, wie Forscher vom Lehrstuhl für Ernährungstoxikologie an der Universität Jena untersuchten, so die „Ärztezeitung“. Danach aktivieren Nüsse offenbar die körpereigene Abwehr zur Entgiftung von reaktiven Substanzen wie ultraviolette Strahlung oder verschiedene Chemikalien, welche die Zellschäden und in Folge Krebs begünstigen können. Nüsse enthalten zudem sekundäre Pflanzenstoffe wie Phe­nol­säur­en, die das Risiko für Krebs ebenfalls verringern können. © agefotostock/Imago

Deshalb ist Übergewicht krebsfördernd: Vor allem viszerales Bauchfett erhöht Risiko

Bei Fettleibigen treten verschiedene Krebsarten wie Brustkrebs nach den Wechseljahren, Darmkrebs, Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs und Nierenzellkrebs häufiger auf als bei Normalgewichtigen. Außerdem erkranken adipöse Menschen häufiger an Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Eierstockkrebs oder an einem Multiplen Myelom, wie die Krebsgesellschaften ausführen. Studiendaten weisen darauf hin, dass das Krebsrisiko steigt, je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit ist. Chirurgische Maßnahmen zur Reduktion der Fettleibigkeit konnten einer jüngst im Fachmagazin The Lancet veröffentlichten Studie zufolge das Gesamtkrebsrisiko reduzieren.

Problematisch ist den Krebsexperten und -expertinnen zufolge vor allem das viszerale Bauchfett, das die inneren Organe umgibt. Dieses produziert entzündungsfördernde Botenstoffe, die bei dauerhafter Erhöhung chronische Entzündungen verursachen können, die wiederum krebsfördernd wirken. Die Fettzellen im Körper produzieren zudem das wachstumsfördernde Sexualhormon Östrogen. Auch Krebszellen können dadurch zum Wachstum angeregt werden. Insulin, das übergewichtige Menschen mehr produzieren, dient für viele Krebszellen ebenfalls als Wachstumsfaktor.

Die guten Nachrichten: Ihr Gewicht haben Menschen selbst in der Hand – von wenigen Ausnahmen wie etwa Hormonstörungen abgesehen. Anders sieht es bei einer unsichtbaren Gefahr aus: Eine Studie ergab kürzlich, dass fast jeder Mensch in Europa schlechte Luft atmet. (bme mit afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich

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