- VonBettina Menzelschließen
Nach dem schweren Unwetter in Spanien versuchen Hunderte von Einsatzkräften Überlebende zu finden. Satellitenbilder zeigen ganze Landstriche unter Wasser.
Valencia – Die verheerenden Unwetter in Spanien kosteten mindestens 158 Menschen das Leben (Stand: 31. Oktober, 21 Uhr). Die Wassermassen zerstörten Häuser und rissen Autos, Bäume sowie Teile der Infrastruktur mit. Am Dienstag (29. Oktober) fiel mancherorts in nur acht Stunden so viel Regen wie sonst in einem Jahr, wie die spanische Wetterbehörde Aemet mitteilte. Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Überschwemmungen.
Dutzende vermisster Menschen: Satellitenbilder sollen Suche unterstützen
Zahlreiche Menschen in der Region Valencia gelten noch als vermisst. Feuerwehrleute, Polizistinnen und Polizisten, Rettungshelferinnen und Rettungshelfer, sowie über 1200 Soldatinnen und Soldaten suchen nach Überlebenden – teilweise mit der Hilfe von Drohnen. Um die Rettungs- und Bergungsmaßnahmen zu unterstützen, aktivierte die Europäische Union ihr Copernicus-Satellitensystem. Damit wolle man bei der „Koordinierung der Rettungsteams“ helfen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel mitteilte.
Die europäische Weltraumorganisation Esa teilte nun zwei im Rahmen des Copernicus-Programms aufgenommenen Satellitenbilder auf ihrer Homepage und auf der Plattform X. Die Aufnahmen des US-Satelliten Landsat-8 zeigen die von den Überschwemmungen betroffene Region Valencia, einmal am 8. Oktober und dann am 30. Oktober. Der Unterschied der Bilder ist frappierend. In der zweiten Aufnahme stehen weite Teile der Region so stark unter Wasser, dass sie einem großen See gleichen.
Spain is suffering its worst flood in decades after torrential rains struck the eastern province of Valencia. The death toll is climbing and people remain missing.
— ESA Earth Observation (@ESA_EO) October 31, 2024
📸These images from Landsat-8 satellite illustrate the scale of the disaster, with images from October 8 and… pic.twitter.com/0KSxEQ55d7
Was die Satellitenbilder noch enthüllen: Deshalb wurde die Innenstadt Valencias weitgehend verschont
Die Satellitenbilder verdeutlichen auch die Bedeutung von effektivem Hochwasserschutz. Denn während die Region Valencia stark von Überschwemmungen betroffen ist, wurde die Innenstadt Valencias weitgehend verschont. Das ist kein Zufall: Früher floss der Fluss Turia direkt durch die Stadt. Doch nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 1957 lenkte man das Wasser um – das alte Flussbett ist heute ein riesiger Park, der sich durch die ganze Stadt zieht. Der neue Kanal verläuft nun südlich der Stadt.
Im Satellitenbild vom 8. Oktober ist er scheinbar ausgetrocknet, am 30. Oktober führt er Wasser – im Satellitenbild der Esa hellblau zu sehen – und mündet im Hafen der Stadt. Zumindest im Stadtzentrum Valencias konnte so Schlimmeres verhindert werden. Nach der Flutkatastrophe wurde allerdings auch Kritik an den Behörden laut, die Bevölkerung zu spät gewarnt zu haben. Viele Menschen in der Region Valencia konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen.
„Der meteorologische Notstand ist nicht beendet“, warnte indes der spanische Wetterdienst am Donnerstag (31. Oktober). Es komme weiter zu heftigen Stürmen „gestern in Andalusien, heute in Castellón. So wird es den größten Teil der Woche weitergehen“, schrieb der Dienst auf der Plattform X. Auslöser für die Überschwemmungen war das wiederkehrende Wetterphänomen „gota fría“ („Kalter Tropfen“), ein isoliertes Tiefdruckgebiet, das mit plötzlichen und heftigen Regenfällen einhergeht. Meteorologinnen und Meteorologen gehen davon aus, dass die Region auch in Zukunft mit weiteren Unwetterereignissen dieser Größenordnung rechnen muss.
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