Forschende alarmiert: Urlaubsziel in Italien drohen „extreme Überschwemmungen“
VonMartina Lippl
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Unaufhaltsam steigt der Meeresspiegel an. Das hat Folgen auf bekannte Küstenstädte in Italien. Eine dunkle Prognose zeichnet sich für Venedig ab.
Rom – Venedig ist dem Untergang geweiht – es ist offenbar nur eine Frage der Zeit. Nun scheint die nahe oder ferne Zukunft immer konkreter. Der Meeresspiegel steigt und das Bodenniveau unter der Stadt sinkt. Venedig und seine Lagune könnten bereits im Jahr 2150 unter Wasser stehen. Darauf weisen Hochwasser-Szenarien hin, die ein internationales Forschungsteam im Rahmen einer Studie entwickelten.
Folgen des Klimawandels: Meeresspiegel steigt weiter an und Venedig versinkt
Um Venedig vor Hochwasser, dem sogenannten „Acqua Alta“ zu schützen, ist seit 2020 das Flutschutzsystem MOSE aktiv. Doch die mobile Barriere wird nicht mehr zu gebrauchen sein, heißt es in der im Fachmagazin Remote Sensing veröffentlichten Studie vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV). MOSE ist auf einen Gezeitenunterschied von drei Metern zwischen dem offenen Meer und der Lagune ausgelegt. Zu niedrig, um Venedig und seine Lagune vor Hochwasser und Überflutungen gegen Ende dieses Jahrhunderts zu schützen.
Der Meeresspiegel in der Lagune steigt bereits aufgrund des Klimawandels an, schreiben die INGV-Wissenschaftler in ihrer Studie. Zudem gibt es ein weiteres Phänomen: Der Boden in der Lagune senkt sich bis zu sieben Millimeter pro Jahr und diese Bodensenkung verstärkt sich weiter. Wenn es mit dem Tempo so weitergeht, dauert es den Forschenden zufolge nicht mehr lang.
Düstere Prognose für Venedig – Extreme Hochwasserereignisse in 125 Jahren
Nach dem Worst-Case-Szenario könnte der Meeresspiegel im Jahr 2150 „bei extremen Hochwasserereignissen, wie sie 1966 und zuletzt 2019 aufgetreten sind, bis zu 3,47 Meter über den Referenzwert der Pegelmesstation Punta della Salute im Giudecca-Kanal steigen“, erklären Tommaso Alberti und Daniele Trippanera, beide vom INGV und Autoren der Studie. Bei diesem „Extremszenario“ wäre 64 Prozent des Landes von Überschwemmungen betroffen. Bei einem Hochwasser wäre eine Fläche von 139 Quadratkilometer überflutet, mit einer möglichen Ausdehnung von bis zu 226 Quadratkilometern.
„Die Daten zeigen, dass Venedig ohne weitere gezielte Maßnahmen stärker Überschwemmungen ausgesetzt sein wird, mit erheblichen Auswirkungen auf die Bevölkerung und das historische Erbe“, so die beiden Forscher.
Hochwasser-Alarm in der Lagunge
Acqua Alta in Venedig
12. November 2019
187 Zentimeter
Jahrhunderthochwasser am 5. November 1966
194 Zentimeter
Acqua Alta in Venedig
über 80 Zentimeter
Quelle: comune.venezia.de
Dramatische Sturmflut „Acqua Alta“ in Venedig
Bei einer katastrophalen Flutwelle wurde Venedig in der Nacht auf den 13. November 2019 überschwemmt. Der gefürchtete Scirocco-Wind aus dem Süden peitschte das Wasser während einer Sturmflut in die Lagune. Der Pegel stieg damals auf 1,87 Meter. Das Hochwasser richtete in der UNESCO-Welterbestadt enorme Schäden an. Bei der historischen Sturmflut im Jahr 1966 stieg der Wasserstand auf 1,94 Meter, den bisher höchsten aufgezeichneten Wert.
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Seit 2020 schützt MOSE die Stadt Venedig und die Lagune vor Hochwasserwellen – wohl eine vorübergehende Lösung. Auch wenn dadurch schon eine neue Insel entstanden ist.
„Die Untersuchung wurde mit dem Ziel durchgeführt, Informationen über die weitere Entwicklung des Meeresspiegelanstiegs in der Lagune von Venedig zu liefern, um zu verstehen, welche Auswirkungen dies auf eine der berühmtesten Städte der Welt haben könnte“, sagte der INGV-Forschungskoordinator Marco Anzidei. In der Studie wurden geodätische und topografische Daten sowie Klimaprojektionen kombiniert, um die Auswirkungen der Meeresspiegeländerungen auf die Küsten und Inseln der Lagune in den kommenden Jahrzehnten zu bewerten.
Jährlich strömen etwa 30 Millionen Touristen nach Venedig. Während die historische Lagunenstadt eigentlich nur 50.000 Einwohner hat. Um den Massentourismus weiter einzugrenzen, plant die Regierung von Venedig eine Verdopplung der Eintrittsgebühren. Die soll schon bald greifen.(ml)