„Dies ist die Zeit für uns“

Milliardär fordert, dass junge Menschen 70 Stunden pro Woche arbeiten

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Eine 70-Stunden-Woche? Für die meisten jungen Menschen in Deutschland sicherlich unvorstellbar.
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Diszipliniert und fleißig sollen sie sein: Ein Milliardär will eine 70-Stunden-Woche für junge Menschen. In Deutschland soll es das schon gegeben haben.

Neu-Delhi – Indien soll eine Wirtschaftsmacht werden und junge Menschen dafür 70 Stunden pro Woche arbeiten. Das wünscht sich Milliardär N. R. Narayana Murthy.

Milliardär N. R. Narayana Murthy fordert 70-Stunden-Woche für junge Menschen

„Irgendwie hat unsere Jugend die Angewohnheit, nicht so wünschenswerte Gewohnheiten aus dem Westen zu übernehmen und dem Land damit nicht zu helfen“, schimpft der Tech-Tycoon in einem Interview mit „3one4 Capital“. Indien brauche „sehr zielstrebige, äußerst disziplinierte und fleißige“ junge Leute.

Der Bill Gates von Indien: Wer ist N. R. Narayana Murthy?

Nagavaro Ramarao Narayan Murthy wurde am 20. August 1946 in der indischen Stadt Mysore geboren. 1981 gründete er das Unternehmen Infosys Technologies, ein mittlerweile weltweit tätiges IT-Unternehmen. Nach eigener Aussage der weltweit führender Anbieter von digitalen Beratungsdienstleistungen.

2014 ging Murthy in Rente, Infosys hatte ihn zum reichsten Mann des Landes gemacht. 2023 schätzt Forbes sein Vermögen auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Er wird auch der „Bill Gates von Indien“ genannt. Außerdem ist Murthy der Stiefvater des britischen Premierministers Rishi Sunak.

„Ich fordere, dass unserer jungen Leute sagen: Das ist mein Land. Ich will 70 Stunden pro Woche arbeiten“, führt Murthy aus. Unternehmen müssten sie dazu motivieren. Denn Indien bekomme aktuell zum ersten Mal weltweit „einen gewissen Respekt“, sagt der 77-Jährige: „Dies ist die Zeit für uns, den Fortschritt zu konsolidieren und zu beschleunigen.“

Indien besitzt derzeit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Und erlebt gerade einen Wandel in der Auseinandersetzung mit Arbeitsweisen.

70 Stunden pro Woche arbeiten? Murthy sagt: „Genau das haben die Deutschen und Japaner getan“

Aber wie kommt Murthy auf eine 70-Stunden-Woche? Das soll es angeblich schon gegeben haben. „Wissen Sie, genau das haben die Deutschen und Japaner nach dem Zweiten Weltkrieg getan“, erklärt er. Außerdem könne es nicht schaden, wenn sich Indien etwas von der chinesischen Arbeitspolitik abschaue, zumal der Wettstreit mit China bereits eröffnet ist.

Macht sich bei jungen Menschen in Indien gerade sicherlich nicht beliebt: Software-Milliardär N. R. Narayana Murthy.

Indien habe laut dem Milliardär vor allem ein Problem: „Indiens Arbeitsproduktivität ist eine der niedrigsten auf der Welt.“

Forderung nach 70-Stunden-Woche erregt Aufschrei in Indien

Viele Freunde wird Murthy mit seiner 70-Stunden-Idee aber wohl nicht finden. Umfragen zeigen, dass sich ein Großteil der Menschen in Indien am Arbeitsplatz unterbezahlt und überfordert fühlen, berichtet unter anderem „Times of India“. Und auch in Europa ist eine 40-Stunden-Woche für einige zu viel.

Die Kritik folgt prompt. Dass Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg reich geworden seien, weil ihre Bürger so viele Stunden gearbeitet hätte, sei ein Mythos, schreibt „The Hindu“. Indien könne reich werden, aber erst, wenn ausreichend Kapital im Land sei. Und mit Fremdkapital kennt sich N. R. Narayana Murthy aus, das Startkapital für Infosys (10.000 Rupien) bekam er damals angeblich von seiner Frau. (moe)

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