VonJulian Mayrschließen
Eine Preprint-Studie aus Großbritannien zeigt, dass zahlreiche Long-Covid-Betroffene unter Gehirnschäden leiden. Diese entsprechen einer Alterung des Hirns um 20 Jahre.
Frankfurt – Corona ist auch nach dem Ende des Gesundheitsnotstands weiter ein Thema. Es erkranken nicht nur weiterhin Menschen an Covid-19. Bereits Erkrankte leiden in manchen Fällen auch längere Zeit nach der Infektion mit dem Coronavirus noch an den Auswirkungen. Studien-Ergebnisse deuten etwa darauf hin, dass Covid-19 stumme Organschädigungen nach sich ziehen könnte.
Vor allem auch die Auswirkungen von Corona auf das Gehirn sind Gegenstand zahlreicher Forschungsarbeiten, klagten doch viele Betroffene von Long Covid über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme. Das als Brain Fog (Gehirnnebel) bekannte Symptom könnte sogar von langfristigen Gehirnschäden zeugen und Einfluss auf die frühzeitige Entwicklung von Formen von Demenz haben, legen Ergebnisse einer Preprint-Studie nahe.
Neue Forschungsergebnisse aus UK: Covid-19 verantwortlich für Schäden am Gehirn
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die Corona-Pandemie mit einem erhöhten Demenzrisiko im Zusammenhang steht. Dies aber vor allem deshalb, weil körperliche Aktivitäten und eine gesunde Ernährungsweise in der Hochzeit der Pandemie von vielen Menschen vernachlässigt wurde. Andere Forschungen nährten allerdings auch Vermutungen, wonach es beispielsweise einen genetischen Zusammenhang zwischen Demenzerkrankungen und schweren Covid-19-Verläufen geben könnte.
Nun hat ein Forschungsteam aus Großbritannien neueste Studienergebnisse zum Einfluss einer Covid-19-Erkrankung auf das Gehirn veröffentlicht. In einer nationalen Längsschnittstudie untersuchte die Gruppe um den Neurowissenschaftler Benedict Michael kognitive Leistungsfähigkeit von 351 Covid-19-Patient:innen, die hospitalisiert werden mussten. Mittels kognitiven Tests, Blutproben zur Ermittlung bestimmter Biomarker, die auf Hirnschädigungen hinweisen, sowie Hirnscans, stellten die Forschenden tatsächlich auch Schäden am Gehirn fest.
Preprint-Studie mit beunruhigenden Ergebnissen: Schäden am Gehirn entsprechen Alterung um 20 Jahre
Bei der Forschungsarbeit handelt es sich aktuell noch um eine sogenannte Preprint-Studie. Die Arbeit des britischen Forschungsteams befindet sich derzeit also noch im Peer-review-Verfahren in Prüfung. Sofern bestätigt, liefert die Studie jedoch möglicherweise besorgniserregende Erkenntnisse.
Die bei Covid-19-Patienten festgestellten Schäden am Gehirn entsprechen laut den Forschenden einer Alterung des Gehirns um 20 Jahre: „Im Vergleich zu normativen altersgleichen Daten entsprachen diese Defizite in ihrer Größenordnung der Alterung im Alter von 50 bis 70 Jahren“, schreiben die Autor:innen in der Vorabfassung der Studie.
Biomarker als möglicher Beweis für Hirnschäden aufgrund Covid-19
Kognitive Einschränkungen waren bei allen Patienten zu beobachten. Unklar bleibt aber, ob die Hirnschäden zu einem dauerhaften kognitiven Abbau führen, fasst das medizinische Fachportal MedScape die Erkenntnisse der Studie zusammen.
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Die Ergebnisse würden aber laut der Neuropsychologin Karla L. Thompson Betroffenen von Long Covid helfen. „Obwohl die Pandemie schon einige Jahre andauert, gibt es immer noch viele Ärzte, die nicht glauben, dass ihre Patienten diese Symptome noch haben“, erklärt die Fachfrau gegenüber MedScape. Mithilfe der Biomarker gebe es nun handfeste Indikatoren, „dass das Gehirn in irgendeiner Weise geschädigt wurde.“
Langfristige Covid-Folgeschäden könnten verfrühtes Auftreten von Demenz begünstigen
Unklarheit besteht allerdings noch hinsichtlich der Frage, wie lange Long-Covid-Schäden am Gehirn andauern. Es wird zumindest befürchtet, dass die infolge einer Covid-Erkrankung verursachte Alterung des Hirns selbst bei Behandlung langfristige Auswirkungen auf die Betroffenen haben könnte. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass die anhaltende Schädigung des Gehirns bei bereits anfälligen Patienten das verfrühte Auftreten von Demenz-Erkrankungen begünstigen könnte, heißt es im Fachportal MedScape.
Nicht zweifelsfrei geklärt ist dagegen auch, was genau diese Schädigungen verursacht. Diese könnten unter anderem auf mangelnden Sauerstoff, insbesondere bei intubierten und an Beatmungsgeräte angeschlossenen Patienten, zurückzuführen sein. Die Erkenntnisse des britischen Forschungsteams deuten hingegen darauf hin, dass die Hirnschäden auf Entzündungen infolge einer verstärkten Immunantwort zurückzuführen, und somit immunvermittelt und nicht durch das Virus selbst verursacht worden sind.
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