Italienischer Kardinal ist Top-Favorit für das Papst-Amt – Vatikan-Experte nennt „seinen großen Vorteil“
VonMichelle Brey
schließen
Wer wird der nächste Papst nach Franziskus? Es gibt viele Spekulationen. Der Name, der am meisten genannt wird, ist Pietro Parolin aus Italien.
Rom – Die Welt blickt ab dem 7. Mai ein zweites Mal nach Rom. Nach der Beisetzung von Papst Franziskus steht die Wahl des Nachfolgers im Fokus. Schon zu Lebzeiten des verstorbenen Pontifex gab es Spekulationen. Fünf Bedingungen müssen die Anwärter für das Papst-Amt erfüllen. Einzelne Kardinäle scheinen aus plausiblen Gründen favorisiert – große Chancen, für die drei aus Deutschland, sieht Vatikan-Experte Dr. Nino Galetti von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Gespräch mit IPPEN.MEDIA nicht. Seine Einschätzung: „Null. Aber wir hatten ja auch mit Benedikt gerade erst einen Papst aus Deutschland.“ Anders betrachtet er die Chancen von Kardinal Pietro Parolin aus Italien.
Vatikan-Experte erklärt den Vorteil von Pietro Parolin aus Italien für das Papst-Amt
„Pietro Parolin hat einen großen Vorteil“, sagt Dr. Galetti zu unserer Redaktion. „Wir haben bei dem bevorstehenden Konklave eine Situation, die wir in früheren Zeiten nicht hatten. Es gibt Kardinäle aus Regionen, in denen es zuvor nie Kardinäle gegeben hat: auf Tonga im Pazifik etwa, in der Mongolei oder in Schweden. Papst Franziskus wollte in diese Peripherien gehen, um zu zeigen, dass die Weltkirche viel mehr ist als nur das katholische Europa“, erklärt der Experte. In der Folge würden viele Kardinäle sich nicht gut kennen.
Somit hat natürlich der eine den Vorteil, den sie alle kennen. Das ist der Kardinalstaatssekretär.
Der 70 Jahre alte Parolin ist der am häufigsten genannte Favorit. Das Szenario erinnert an die Nachfolge von Johannes Paul II. durch seinen engsten Mitarbeiter Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Der bisherige Chefdiplomat des Vatikans Parolin war fast während der gesamten Amtszeit von Franziskus die Nummer zwei im Vatikan. Er arbeitete an dessen Reformprojekten mit. Darüber hinaus ist er nicht nur den Kardinälen, sondern auch vielen Staatsoberhäuptern der Welt bekannt, weil er seit Jahrzehnten im diplomatischen Dienst der Kirche um den Globus gereist ist.
Im Gespräch mit IPPEN.MEDIA: Dr. Nino Galetti. geb. 1972, studierte Politische Wissenschaften, Völkerrecht und Romanistik in Bonn. Schon während des Studiums arbeitete er im Deutschen Bundestag. 2006 wechselte er zur Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete dort zunächst im Bereich Internationale Zusammenarbeit, später als Leiter des Vorstandsbüros. Von 2015 bis 2020 leitete er das Auslandsbüro in Paris. Seit 2020 ist er Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rom mit der Zuständigkeit für Italien, Malta und den Heiligen Stuhl. 2008 erhielt er den Wissenschaftspreis des Deutschen Bundestages.
„Ein Italiener passt immer“: Wird Pietro Parolin der nächste Papst?
Pietro Parolin gilt aus ausgezeichneter Diplomat und Manager. Das würde für ihn sprechen, wenn sich das mittlere von drei derzeit viel diskutierten Szenarien durchsetzt: dass jemand gebraucht wird, der wieder Ruhe in die Kirche bringt. Zudem spielt eine andere These eine Rolle, die auch Dr. Galetti im Gespräch mit IPPEN.MEDIA erwähnt: „Abgesehen von den letzten drei Päpsten, die aus Argentinien, Deutschland und Polen stammten, besetzten seit über 500 Jahren ausschließlich Italiener das Amt. Ein Italiener passt also immer.“
Die letzten fünf Päpste in der Übersicht:
Papst und Herkunftsland
Amtszeit
Papst Franziskus aus Argentinien
2013–2025
Papst Benedikt XVI. aus Deutschland
2005–2013
Papst Johannes Paul II. aus Polen
1978–2005
Papst Johannes Paul I. aus Italien
1978\t (starb 33 Tage nach seiner Wahl zum Papst)
Papst Paul VI. aus Italien
1963–1978
„Aber“, so Galetti weiter, „in der heutigen Zeit wird es keine Überraschung sein, wenn der nächste Papst aus einem anderen Land oder einer ganz anderen Weltregion kommt.“ Neben Parolin (und weiteren Italienern) werden unter anderem auch den folgenden Kandidaten gute Chancen zugerechnet:
Luis Antonio Tagle von den Philippinen: derfrühere Erzbischof von Manila, war schon 2013 für das Papst-Amt im Gespräch.
Jean-Marc Aveline aus Frankreich: der Erzbischof von Marseille gilt als volksnah. Das ist ein Charakterzug, den er mit dem verstorbenen Papst teilt.
José Tolentino de Mendonça aus Portugal: der Kardinal wird zum progressiven Flügel der katholischen Kirche gerechnet. Er machte unter Papst Franziskus einen steilen Aufstieg.
Peter Erdö aus Ungarn: der Erzbischof von Esztergom-Budapest wurde als einer der wenigen noch von Johannes Paul II. ernannt. Sein Name spielte schon im Jahr 2013 eine Rolle.
Vatikan-Experte erklärt, worauf es bei der Papst-Wahl noch ankommen könnte
„Die Kirche wird natürlich einen Blick darauf haben: Wo sind eigentlich unsere Wachstumsregionen? Wo sind wir jung und frisch – wo haben wir großen Zuspruch?“, so Dr. Galetti. Das sei in Afrika und Asien der Fall – „in Lateinamerika bedingt auch“. Nicht aber in Europa oder in Nordamerika, wie der Vatikan-Experte erklärt. „Das wäre ein Argument, das für einen Papst aus Asien – beispielsweise von den Philippinen – sprechen würde.“ (mbr)