VonMaximilian Kettenbachschließen
Bange Momente in Hamburg. Ein Mann hat sich mit seinem Kind die ganze Nacht in einem Auto am Flughafen verschanzt. Was ist über ihn derzeit bekannt?
Update vom 5. November, 15 Uhr: Nach dem glücklichen Ende der Geiselnahme am Hamburger Flughafen hat die Polizei den Tatverdächtigen am Sonntagnachmittag festgenommen. „Der Mann hat mit seiner Tochter das Auto verlassen, ist auf Einsatzkräfte zugegangen, in dem Moment ist der Zugriff geglückt“, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün. Das Kind sei sicher und scheine auch unverletzt zu sein.
Update vom 5. November, 13.30 Uhr: Der Geiselnehmer auf dem Hamburger Flughafen ist nach Einschätzung der Polizei weiterhin bewaffnet. „Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass er im Besitz einer scharfen Schusswaffe ist und evtl. auch von Sprengsätzen unbekannter Art“, schrieb die Polizei am Sonntagmittag auf X, früher Twitter. Oberste Priorität sei der Schutz der vierjährigen Tochter des Mannes, die sich in dem Auto befindet.
Wie der Leiter des Kriseninterventionsteams des DRK Hamburg, Malte Stüben, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagmittag erklärt, befinde sich auch die Mutter des Mädchens am Hamburger Flughafen. Das DRK stehe in direktem Kontakt mit der Frau. Demnach möchte die Mutter des Mädchens, das am Hamburger Flughafen vom Vater als Geisel genommen wurde, so schnell wie möglich zu ihrer Tochter. „Die Mutter möchte natürlich so schnell es geht zu ihrem Kind“, so Stüben.
Update vom 5. November, 10 Uhr: Wie das Tagblatt unter Bezug auf Polizeisprecher Rainer Bohmbach berichtet, stammt der 37-jährige Mann offenbar aus Buxtehude. Tochter und Mutter würden in Stade leben.
Erstmeldung vom 5. November: Hamburg – Es war gegen 20 Uhr, als ein bewaffneter Mann mit seinem Audi das Tor durchbrach und auf das Vorfeld des Hamburger Flughafens vor dem Terminal 1 fuhr. Das berichtete Thomas Gerbert, Sprecher der Bundespolizei, am Samstagabend. Der Mann habe eine Waffe und damit bereits zwei Mal in die Luft geschossen, hieß es. Der Flugverkehr ist längst komplett eingestellt, die Flüge auf für Sonntag gestrichen. „Es wird weiter verhandelt“, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün am Sonntag um 6.15 Uhr der Deutschen Presse-Agentur.
SEK-Scharfschützen, Panzerfahrzeuge und der Moment der Festnahme: Bilder zur Geisellage am Flughafen Hamburg




Seit dem späten Abend ist klar, es handelt sich um eine „Geisellage“. Der Unbekannte ist 37 Jahre alt und steht mit seinem Audi seither auf dem Vorfeld und hat seine eigene Tochter (4) in seiner Gewalt. Zunächst war von zwei Kindern berichtet worden. Er soll sein Auto unter einer leeren Passagiermaschine von Turkish Airlines geparkt haben. „Dieses Flugzeug war besetzt mit Passagieren, ist inzwischen aber evakuiert und geräumt“, sagte die Polizei.
Mann hält Kind (4) am Hamburger Flughafen fest – was wir aktuell über den Täter wissen
Zuvor hatte sich die Ehefrau des Mannes wegen möglicher Kindesentziehung bei der Landespolizei gemeldet, wie Polizeisprecher Gerbert sagte. Ein Sorgerechtsstreit soll dem vorangegangen sein. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei das Kind seine Tochter und soll sich am Samstag bei der Mutter in Stade aufgehalten haben. Der Mann will offenbar mit der Tochter in die Türkei ausreisen, berichtet die Bild-Zeitung.
Man gehe davon aus, dass der Vater der Mutter das Kind „weggenommen“ und möglicherweise unter Gewalteinwirkung ins Auto gesetzt habe, bevor er nach Hamburg und dort auf das Rollfeld des Flughafens fuhr, sagte eine Sprecherin der Polizei. Beiden soll es den Umständen entsprechend gut gehen, wie IPPEN.MEDIA erfuhr. Verletzte gebe es keine.
Ein dpa-Reporter beobachtete, wie die ganze Nacht über und auch am frühen Sonntagmorgen immer wieder neue Einsatzwagen an den Flughafen kamen, andere Einsatzkräfte wieder wegfuhren. Auch Polizeihunde sind vor Ort. Eine Drohne kreist über dem Airport. Der Bereich des Flughafens ist weiträumig abgesperrt.
Neue Erkenntnis von vor Ort - bisher keine verletzten Personen, aber Geiselnahme auf dem Vorfeld pic.twitter.com/Rhgj8ssOwn
— Sebastian Peters (@PressePeters) November 4, 2023
Geiselnehmer wirft „eine Art Molotowcocktails“ in Hamburg
Die Polizei steht seit dem späten Abend „in gutem Kontakt“ zu dem Bewaffneten, wie es heißt. Der Mann habe zwei brennende Flaschen aus dem Auto geworfen, „eine Art Molotowcocktails“, teilt die Polizei mit. Es sei kein Schaden entstanden, die Flughafenfeuerwehr habe die Flaschen löschen können. Die Feuerwehr besprühte den Flieger Berichten zufolge zur Sicherheit mit Wasser, aus Furcht, der Mann könnte erneut Feuer legen.
Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei und Polizeipsychologe ist vor Ort. Starke Kräfte der Landes- und der Bundespolizei ebenso. Sie befänden sich in der Nähe des Fahrzeugs. Darunter sei auch die Beweis- und Festnahmeeinheit der Bundespolizei. „Die sind sehr robust ausgestattet“, sagte Gerbert. Wie IPPEN.MEDIA weiß, gehen Scharfschützen des SEK bereits in Stellung.
Flughafen Hamburg teilt mit: Keine Flüge mehr an diesem Samstag
Der Flughafen wurde unterdessen vollständig geräumt, ebenso wie mehrere Maschinen, sagte eine Flughafensprecherin am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Am späten Samstagabend teilte der Airport dann mit: „Aufgrund einer polizeilichen Maßnahme auf dem Vorfeld des Hamburger Flughafens finden am heutigen 4. November keine Starts und Landungen mehr statt.“ Alle betroffenen Passagiere sollten sich direkt an die Fluggesellschaft wenden.
Bereits im Oktober war der Hamburger Flughafen gesperrt worden, damals allerdings wegen einer Anschlagsdrohung auf eine Maschine von Teheran nach Hamburg. (dpa, mke)
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