Anhaltende Hitzewelle

Rekord-Temperaturen in Indien: Dutzende Todesfälle gemeldet – Regierung spricht Warnung aus

  • schließen

In Indien leiden die Menschen unter der andauernden Hitzewelle. Die Entwicklung ist besorgniserregend – einige Bewohner zahlen den höchsten Preis.

Kassel/Neu-Delhi – Infolge des Klimawandels bekommen es Menschen aus aller Welt im jeweiligen Sommer mit Hitzewellen zu tun. Nicht nur in Deutschland, wo Gesundheitsminister Karl Lauterbach einen Hitzeschutzplan angekündigt hat, erwarten Fachleute drückend heiße Sommermonate. Insbesondere im Norden Indiens ist die Situation bereits jetzt schon dramatisch. Hier haben die hohen Temperaturen die ersten Todesopfer gefordert – die Behörden reagierten umgehend.

Hitze-Tote in Nordindien:mindestens 100 (Stand: 19. Juni 2023)
Betroffene Regionen:Bundesstaaten Uttar Pradesh und Bihar
Gemessene Höchsttemperatur:44,7 Grad Celsius (in Bihar)
(Quelle: AP)

Extremes Wetter in Indien: Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 45 Grad fordert mindestens 100 Todesopfer

Die Wetteraussichten in Indien sind düster. Denn während das Land die erste Hitzewelle schon im Februar durchleben musste, entwickelt sich die Lage in den beiden nördlichen Bundesstaaten Uttar Pradesh und Bihar nach Informationen der Nachrichtenagentur AP in eine besorgniserregende Richtung.

Ganze 96 Bewohner dieser beiden Regionen seien demnach infolge der drückenden Hitze mit Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius gestorben. Die Zahl der Todesopfer beziffert sich mittlerweile auf mindestens 100, berichtet die ARD.

Die Hitzewelle setzt insbesondere im Norden Indiens, wie hier in Neu-Delhi, der Bevölkerung massiv zu.

Menschen in Nordindien leiden unter der sengenden Hitze – 300 Bewohner im Krankenhaus

Wie dramatisch die Lage ist, dokumentieren die 300 Menschen aus dem Bezirk Ballia in Uttar Pradesh, die laut einem Sprecher infolge der sengenden Hitze innerhalb von drei Tagen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Dass die Temperaturen in Nordindien aktuell ihren Höhepunkt erreichen, ist nichts Ungewöhnliches. Während der indischen Sommerzeit in den Monaten April, Mai und Juni können sie je nach Region auf über 40 Grad Celsius klettern, erklärt der Onlinedienst visumantrag.de in seiner Länderinformation.

Rekord-Hitzewelle 2022 brachte Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius

Doch wie bereits 2022 kommt die Hitzewelle auch in diesem Jahr deutlich früher auf die Menschen zu. Bereits im Februar 2023 herrschten vereinzelt Temperaturen um die 40 Grad. Im vergangenen Jahr war der März nach Angaben des indischen Wetterdienstes „India Meteorological Department“ der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901.

In Indien und im benachbarten Pakistan litten die Menschen unter einer kaum vorstellbaren Hitze mit Temperaturen von bis zu knapp 50 Grad. Nun bewegen sich die Temperaturen in den nördlichen Provinzen auf die 45 Grad-Marke zu.

„Hitze-Aktionsplan“: Indische Behörden bitten die Bevölkerung, sich vor der Hitze zu schützen

Im Rahmen von Hitze-Aktionsplänen fordert die indische Regierung Menschen mit Vorerkrankungen und im Alter von über 60 Jahren dazu auf, tagsüber zu Hause zu bleiben, berichtet die ARD.

Auch die Kleinsten spüren die Auswirkungen der Hitzewelle. In einigen Bundesstaaten blieben die Schulen für eine Woche geschlossen.

Stromausfälle infolge der Hitzewelle machen Menschen in Nordindien das Leben schwer

Kein Wunder: Im Bundesstaat Uttar Paradesh verursachte die Hitze teilweise Stromausfälle. Demzufolge seien laut weather.com Ventilatoren, Klimaanlagen sowie die überlebenswichtige Wasserversorgung ausgefallen.

Auch wenn auf die brütend heißen Sommermonate in Indien zwischen Juni und Oktober meist die Regenzeit folgt, müssen sich die Menschen vor Ort wohl an die kaum auszuhaltenden Temperaturen gewöhnen. Laut einer Studie des britischen Met Office sind derartige Hitzewellen in Nordwest-Indien und in Pakistan mittlerweile über hundertmal wahrscheinlicher. Am Ende des Jahrhunderts könnten die Temperaturen demzufolge jedes Jahr um die 50 Grad Celsius betragen.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Wetterphänomen „El Niño“ sorgt für zusätzliche Hitze auf der Südhalbkugel

Ein alter Bekannter hat daran einen maßgeblichen Anteil: Das im Schnitt alle drei bis sieben Jahre wiederkehrende Wetterphänomen „El Niño“. Zu ihm kommt es, wenn Passatwinde auf dem Pazifik nachlassen. Dann wird es auf dem südlichen Teil der Erde deutlich heißer.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass das Hitze-Rekordjahr 2022 laut weather.com eigentlich ein „La Niña“-Jahr war. Dieses Gegenstück zum Wetterphänomen „El Niño“ beschreibt eine Zeitspanne, in der es laut dem deutschen Wetterdienst eine „periodische Abkühlung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlich-zentralen äquatorialen Pazifik“ gibt.

Als die Menschen in Indien und Pakistan im Jahr 2022 unter Temperaturen von bis zu 50 Grad litten, wirkte „La Niña“ also noch mildernd auf das Klima. Fakt ist: Wird das im Pariser Klimaabkommen anvisierte 1,5-Grad Ziel wie zu erwarten verfehlt, ist die aktuelle Hitzewelle in Indien wohl nur ein Vorgeschmack dessen, was auf Millionen von Menschen auf der ganzen Welt in den kommenden Jahrzehnten zukommt. Deshalb fordern Aktivisten, dass der Klimaschutz wieder auf die Agenda der Klimakonferenz kommt.

Rubriklistenbild: © Hindustan Times/Imago

Kommentare