„Das Leben ist mehr als Arbeit“

Schlagabtausch bei Lanz: CDU-Mann Amthor legt sich mit der Gen Z an

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Lanz untersucht in seiner Sendung, ob die Gen Z arbeitsscheu ist. Stolle und Amthor diskutieren mit. Ein Wandel des Verständnisses von Arbeit?

Hamburg – Faul sei die Gen Z, wollte lieber entspannt leben statt zu arbeiten, schließlich zerstört der Klimawandel sowieso alles. Ob an diesen Klischees etwas dran ist, wollte Markus Lanz von seinen Gästen wissen, vor allem der Chefin der Grünen Jugend. Bekanntermaßen hat Markus Lanz Lieblingsgäste, was zum Teil an besonders wichtigen Themen liegt – Karl Lauterbach während Corona oder Carlo Masala, wenn irgendwo wieder ein Krieg tobt oder auszubrechen droht – zum Teil daran, dass der Moderator sie schätzt, Robert Habeck oder Robin Alexander etwa. Aber manchmal darf man auch andere Gründe vermuten.

Erst vor knapp fünf Wochen war die Grünen-Politikerin Katharina Stolle zu Gast und offenbarte in einer geradezu legendären Sendung Ansichten, die nicht nur den Moderator aus der Fassung brachten: Die Chefin der grünen Jugend forderte einen radikalen Umbau der Gesellschaft, massive Besteuerung von Reichen und Erben, dazu eine vier Tage Woche und eine 20-Stunden-Woche, denn Arbeit mache krank.

Amthor vs. Stolle bei Markus Lanz: Politische Rivalität und Arbeitsmarktvisionen“

In den folgenden Tagen hatte Stolles Auftritt für viel Aufmerksamkeit gesorgt, nicht zuletzt auch für erwartbare Belustigung, um nicht zu sagen Hohngelächter bei manchen Kommentaren. Vermutlich auch bei Stolles heutigem Kontrahenten Philipp Amthor. Der CDU-Politiker war vor einigen Jahren ja dadurch bekannt geworden, dass er neben seiner Arbeit für die CDU parallel auch in diversen Nebenjobs aktiv war, die allerdings eher in den Bereich des Lobbyismus gingen.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Danach hatte sich Amthor ein wenig rar gemacht, doch diese Phase scheint inzwischen vorbei zu sein. Amthor ist wieder häufig zu Gast in Talkshows, die Anzüge sitzen, die Manschettenknöpfe blitzen. Und auch wenn er gleich als Erstes „Das Leben ist mehr als Arbeit“ voranschickte, ist Amthor natürlich kein Sozialist, sondern ein Kapitalist, dem die Vorstellung von weniger Arbeit geradezu als Teufelszeug gilt.

„Anstrengungslosen Wohlstand“ kann es nicht geben, betonte Amthor bei Markus Lanz im ZDF, gerade in der aktuell mehr als schwierigen wirtschaftlichen Lage können es sich das Land, könne es sich die Volkswirtschaft einfach nicht leisten, wenn Millionen Menschen viel weniger arbeiten. Doch auch Amthor sprach sich für größere Flexibilität am Arbeitsmarkt aus, etwa für die Möglichkeit, an einzelnen Tagen mehr zu arbeiten, um dafür einen Tag zusätzlich frei zu haben.

Die Vision der Grünen Stolle: Arbeitszeit, Produktivität und die Debatte um Work-Life-Balance

Von der „Work-Life-Balance“ ist oft die Rede, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Arbeit und Hobbys, was sich auf den ersten Blick erst mal gar nicht so schlecht anhört. Aber was sagen die Statistiken? Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten wird in Deutschland wenig gearbeitet, andererseits war die Gesamtarbeitszeit der Bevölkerung noch nie so hoch wie im letzten Jahr. Was allerdings auch damit zu tun hat, dass es noch nie so viele Menschen in Arbeit gegeben hat.

Das Entscheidende ist allerdings nicht unbedingt die Arbeitszeit, sondern die Produktivität. Stolle versuchte ihren Ansatz zu erläutern: Wenn die Arbeitszeit reduziert wird und damit bessere Arbeitsbedingungen geschafft werden, würde der Anreiz steigen, überhaupt in bestimmten Bereichen zu arbeiten, etwa in der Pflege. Ob damit allerdings der zunehmende Fachkräftemangel behoben werden kann? Laut Stolle gibt es ein riesiges Reservoir an potenziellen Arbeitskräften, gerade unter Frauen, das genutzt werden sollte.

Amthor verhöhnt Vorschlag - und erzählt vom sozialen Aufstieg

Wenig überraschend versuchte Amthor diese Vorschläge mit Plattitüden lächerlich zu machen, behauptete, dass Stolle Arbeit grundsätzlich als etwas betrachtet, dass der Freizeit im Wege steht. Was zwar nicht im Entferntesten stimmte, aber dazu passte, dass Amthor sich als Verteidiger des klassischen Kapitalismus gerierte, während Stolle betonte, dass es in ihrer Generation einen anderen Blick auf das Leben gibt.

Mit großen Gesten und viel Pathos in der immer noch leicht brüchigen Stimme, versuchte sich Amthor als Beispiel für erfolgreichen sozialen Aufstieg darzustellen, für einen Aufstieg, den in Deutschland angeblich jeder erreichen kann, solange er sich nur bemüht.

Philipp Amthor und Katharina Stolle diskutierten bei Lanz zum Thema Arbeit.

Dieses Aufstiegsversprechen existiert nicht für sehr viele Menschen, hielt Stolle dagegen, was Amthor nicht gelten lassen wollte und versuchte, bis zur Nachkriegszeit zurückzugehen. Bevor er jedoch ein Loblied auf das Wirtschaftswunder singen konnte, wurde er dankenswerterweise von Markus Lanz gestoppt. Der wies darauf hin, dass alle drei Teilnehmer der heutigen Diskussion Beispiele für Menschen sind, die sich aus teilweise sehr schlechten Ausgangsbedingungen hochgearbeitet haben.

Perspektiven auf Arbeit und Aufstieg: Zwischen Glück, Tradition und Zukunftsvisionen

Widersprechen konnte Stolle dem nicht, dennoch wollte sie betonen, dass ein Aufstieg zwar möglich sei, aber immer viel mit Glück zu tun habe. „Woran machen sie fest, dass das Aufstiegsversprechen nicht stimmt?“, wollte Markus Lanz von Stolle wissen und konnte offenbar nicht verstehen, dass junge Menschen mehr Rechte einfordern und nicht mehr so viel arbeiten wollen wie ihre Eltern oder gar Großeltern.

Vielleicht kann man Verständnis für den Wunsch, weniger zu arbeiten, auch nicht unbedingt von einem als Workaholic bekannten Moderator erwarten, der gerne zwischen den werktäglichen Aufzeichnungen seiner Sendung übers Wochenende um die Welt fliegt, um Reportagen zu drehen.

Nun haben nicht alle Menschen das Glück, einen Beruf auszuüben, der praktisch gleichzeitig ein Hobby ist, so wie es bei Lanz der Fall ist. Empathie für die breite Masse der arbeitenden Bevölkerung kann man aus dieser Position heraus vielleicht ebenso wenig erwarten, wie von einem Politiker wie Philip Amthor, der ein Weltbild vertrat, das vielleicht vor 40 oder 60 Jahren einmal modern war. Ob die Positionen und Forderungen von Katharina Stolle die Zukunft sind, das wird sich zeigen, vernünftiger und durchdachter als einfach nur zu so weiterzumachen wie bisher, wirkten sie in jedem Fall.

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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