Luftverschmutzung

Wie Feinstaub zu Lungenkrebs führt – auch bei Nicht-Rauchenden

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Feinstaub fordert jährlich zahlreiche Tote. Eine aktuelle Studie deckt nun auf, wie die Luftverschmutzung zu Lungenkrebs führen kann.

Frankfurt – Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Jährlich erkranken bundesweit nach Angaben des Lungeninformationsdienstes etwa 57.000 Menschen daran. Tausende sterben jedes Jahr an den bösartigen Tumoren. Auch bestimmte Lebensmittel können das Krebs-Risiko erhöhen.

Zu den Ursachen gehört neben Zigarettenrauch auch die Schadstoffbelastung in der Luft. Sogenannter Feinstaub kann durch die winzigen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern besonders tief in die Lunge eindringen und diese schädigen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie wollen nun einen Mechanismus entdeckt haben, der das erhöhte Lungenkrebsrisiko durch Feinstaubbelastung erklären kann.

Lungenkrebs durch Feinstaub: Mutation begünstigt Risiko

Den Forschenden zufolge, die ihre Untersuchung im April im Fachjournal Nature veröffentlichten, sollen bereits bestehende genetische Mutationen in gesundem Lungengewebe das Krebs-Risiko begünstigen. Für die Studie wurden Daten von mehr als 32.000 Personen in England, Südkorea, Taiwan und Kanada analysiert.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Alle Teilnehmenden wiesen eine Treibermutation des EGFR-Rezeptors (ein Protein in der Zellmembranen) auf. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine erhöhte Feinstaubkonzentration in der Luft bei diesen Personen mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs einhergeht.

Studie zu Lungenkrebs: Feinstaub löst gefährliche Entzündungen aus

In Tierversuchen mit Mäusen und menschlichen Zellen zeigte sich, dass Feinstaubpartikel keine neuen Mutationen im Lungengewebe verursachen. Vielmehr lösen die winzigen Partikel Entzündungsprozesse aus, die die Entstehung bösartiger Tumore durch bestehende Mutationen (EGFR und KRAS) begünstigen.

Nebel und Smog bedecken den Horizont der pakistanischen Provinz Punjab. Die Feinstaubbelastung kann Lungenkrebs begünstigen.

Demzufolge könne bereits eine Feinstaubbelastung über drei Jahre ausreichen, um das Risiko der Entwicklung von EGFR-bedingtem Lungenkrebs zu erhöhen. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft lässt sich bei zehn Prozent aller Lungenkrebspatient:innen diese genetische Abweichung nachweisen. Diese trete besonders häufig bei Frauen und Nichtraucher:innen auf. Allerdings hätten Patient:innen mit dieser Mutationen vergleichsweise einen besseren Krankheitsverlauf als Patient:innen, die diese Abweichung nicht haben.

Neue Lungenkrebs-Studie: Wissenschaft fordert strengere Grenzwerte für Feinstaub

„Zusammenfassend liefert die aktuelle Studie starke Argumente dafür, dass die Belastung mit PM2.5 mit der normalen Atemluft die Entstehung von Lungenkarzinomen fördern kann – wenn auch in geringerem Ausmaß, als dies ein Teil der Bevölkerung durch Zigarettenkonsum für sich selbst in Kauf nimmt“, sagte Martin Göttlicher, Direktor des Instituts für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie am Helmholtz-Zentrum München.

Dieser Effekt könne durch strenge Richtwerte für Feinstaub minimiert werden, bilanzierte Petros Christopoulos, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Dadurch könnte man „jedes Jahr Tausende von Lungenkarzinomfällen weltweit verhindern, insbesondere in Regionen mit einer stärkeren Luftverschmutzung.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert seit Jahren schärfere Grenzwerte bei Stickoxiden und Feinstaub.

Dem Schweizer Unternehmen für Luftqualitätstechnologie IQAir zufolge weisen die Städte Northeim, Duisburg und Meppen die höchste Feinstaubbelastung in Deutschland auf. Auch der Betrieb des Flughafens Frankfurts belastet die Umgebung mit Feinstaub. (kas)

Rubriklistenbild: © Ppi/dpa

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