VonNadja Orthschließen
In der Nacht auf Dienstag musste Venedig das Abwehrsystem „Mose“ aktivieren. Ein außergewöhnliches Hochwasser suchte die Küstenregion heim.
Venedig – Dank einem speziell installierten Mechanismus für Flutschutz ist die berühmte Touristen-Stadt Venedig im Norden Italiens nur knapp einem Hochwasser entkommen. Wie aus offiziellen Daten der Stadt hervorging, erreichte der Wasserpegel am Süddamm der Barriereinsel „Lido di Venezia“ südlich der Lagunenstadt bereits in der Nacht auf Dienstag einen Stand von 1,54 Metern über dem Normalstand. Ohne das Schutzsystem wäre das historische Zentrum von Venedig deutlich überschwemmt worden. Demnach würde es bereits ab 80 Zentimetern über dem Normalwert zu Hochwasser am berühmten Markusplatz kommen.
Historisches Stadtzentrum fast überschwemmt: Venedig fährt Flutschutztore hoch
Die Stadt hatte bereits am frühen Montagabend die Flutschutztore gegen Hochwasser ausgefahren. Das System wird „Mose“ (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) genannt und besteht aus 78 gelben, an vier Zugängen zur Lagune installierten Stahlkappen. Bei drohendem Hochwasser werden sie mit Druckluft gefüllt und richte sich auf, um das Meerwasser abzuhalten. Das milliardenschwere Projekt wurde 2020 erstmals in Betrieb genommen. Der Nutzen scheint dabei den hohen Preis wert zu sein: Seit der Installierung konnte Venedig große Hochwasser in der Unesco-Weltkulturerbe-Stadt vermeiden. Das System in Venedig ist aber durchaus umstritten, denn es bringt parallel den Frachtverkehr zum Erliegen.
Eine Gefahr besteht vor allem im Herbst, wenn Regen und Stürme die Wasserstände in der Region steigen lassen. Das größte Problem für die Lagunenstadt ist dabei das Salzwasser des Meeres, das die historischen Gebäude stark beschädigen kann. Der letzte extreme Pegel wurde im November 2022 gemessen. Damals erreichte er einen Stand von rund 1,70 Metern über dem Normalstand. Das historische Jahrhunderthochwasser in Venedig ist auf das Jahr 1966 datiert, damals schwoll das Wasser auf 194 Zentimeter an.
Venedig kämpft gegen Hochwasser: Wird die Stadt in Zukunft überschwemmt werden?
Der hohe Pegelstand in der Nacht zum Dienstag sei auf den am Montagabend immer stärker gewordenen Schirokko-Wind zurückzuführen. Am Dienstagmorgen waren auf Live-Bildern aus der bei Touristen beliebten Stadt Menschen zu sehen, die über den Markusplatz laufen – unter Wasser stand der Platz allerdings nicht. Neben Hochwasser kämpft die Stadt ebenfalls mit Massenanstürmen von Touristen, sodass Venedig ab 2024 für Tages-Touristen Eintritt verlangen wird.
Experten warnen, dass die weltberühmte Touristen-Stadt in Zukunft immer häufiger mit stärkeren Überschwemmungen kämpfen könnte. Das sei möglicherweise auf den Klimawandel zurückzuführen, müsste aber erst wissenschaftlich bestätigt werden. „Je wärmer wir den Planeten machen, desto mächtiger werden Starkregenereignisse und desto höher steigt der Meeresspiegel. All das kann das Hochwasser in Venedig verstärkt haben“, sagte der Klimaforscher Anders Levermann bereits 2019 in einem Interview mit der Zeit. Vor allem der steigende Meeresspiegel wird Venedig langfristig vermutlich zum Verhängnis werden. Experten rechnen mit einem stetig steigenden Meeresspiegel weltweit. Das könnte zwar hunderte von Jahre dauern, aber: „Venedig wird definitiv untergehen“, so Levermann. (nz/dpa)
Rubriklistenbild: © Domenico Stinellis/AP/dpa

