Tatort „Königinnen“

München-Tatort „Königinnen“ – Der Weißwurst schönes Gesicht

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Kalli, Leitmayr und Batic suchen nach Aschenputtel ... ach nein, einer Mörderin. BR/Odeon Fiction GmbH/Luis Zeno Kuhn
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Im München-Tatort landen die Kommissare unter lauter „Königinnen“ – und lassen sich gern ein wenig bezirzen.

Wie aus der Zeit gefallen sind Schauplatz und Ereignis des jüngsten Tatorts: Es gibt sie aber tatsächlich, die Treffen von „Königinnen“, junge und selbstverständlich hübsche Werberinnen für ein bestimmtes Lebensmittel, vom Sekt über die Kartoffel bis zum Kürbis. Gleichzeitig tut sich auch dort, im Wettbewerb um das lieblichste Gesicht für die Wurst, etwas in Sachen Widerstand gegen Sexismus, Belästigung, Missbrauch – Robert Löhr, Buch, und Rudi Gaul, Regie, finden ihren Krimi-Stoff in den gesellschaftlichen Veränderungen in einem Umfeld, für das bisher galt: „Nachnamen haben hier bloß die Männer“. Und diese Männer handelten unter dem Motto (und blieben lange Jahre straffrei): „Fördern, vögeln, krönen“.

In einem fiktiven Allgäuer Ort namens Gmeining landen Batic und Leitmayr sowie der frischgebackene Oberkommissar Kalli also in einem Nest von lauter Königinnen. In dem just ein Organisator und Juror des Spektakels, einer, der erwachsene Frauen „Mädchen“ nennt, tot aufgefunden wurde; es könnte Selbstmord gewesen sein, aber auch Mord. Denn eine junge Frau wird (von hinten) gesehen, als sie aus dem Hotelzimmer flieht, auf der Treppe verliert sie wie Cinderella einen silberfunkelnden Schuh.

Allerdings tragen hier alle so ähnliche Stöckelschuhe, dazu ein festliches Dirndl und alle haben auch ein Krönchen auf dem sorgsam frisierten Haar. Kalli, Ferdinand Hofer, gibt durchaus willig den Prinzen, der bei den jungen Frauen den Schuh ausprobiert. Nebenbei sammelt er Autogramme ein. Nebenbei ist er auch einem winzigen Flirt nicht abgeneigt.

Indessen die älteren Kollegen – die inzwischen vollends weißhaarigen, gelegentlich übers Aufhören redenden Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl – nur staunen können über Kürbis-, Meerrettich- und Milchkönigin, über eine Honigkönigin, die allergisch ist gegen Bienenstiche und eine Spargelkönigin, die trans ist (und sie haben es nicht gemerkt). Dazu über Organisatorin Sylvia, eine zünftige Veronica Ferres, die einst das Begrapscht-Werden als selbstverständlich nahm und sich Haare auf den Zähnen zulegte. Aber ist sie darum gleich jemand wie die Freundin Jeffrey Epsteins, die ihm die Minderjährigen zuführte?

Falls Batic und Leitmayr innerlich den Kopf schütteln über so viel, nun ja, Abgebrühtheit und Geschäftssinn im Königinnen-Land, dann lassen sie es sich jedenfalls nicht anmerken.

Aber es gibt ein Grüppchen, das die Zustände ändern will – oder wenigstens ordentlich kassieren. Die Kemptener Honigkönigin Toni, Lilly Wiedemann, führt die Revolutionärinnen an wie eine Jeanne d’Arc, die Spargelkönigin, Phenix Kühnert, und „das schöne Gesicht der Weißwurst“, Bernadette Leopold, an ihrer Seite. Und es gibt eine Art Informantin: Zwiebelkönigin Annelie, Daria Vivien Wolf, denn im bürgerlichen Leben ist sie Polizeischülerin.

„Königinnen“ ist ein eher leichtgewichtiger München-Tatort, einerseits. Andererseits gefällt der nüchterne, flapsige Ton, sowohl auf Seiten der Ermittler, als auch der jungen Frauen, die sich zwar geschmeichelt fühlen, sich aber auch keine Illusionen machen. Und wenn im Kalender – denn es geht auch um die Wahl von zwölf Kalender-Schönheiten – die Kirschkönigin mindestens ihre feschen Schenkel zeigen muss, dann sei’s drum.

„Tatort: Königinnen“ ,

ARD, So., 20.15 Uhr.

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