Es wird immer heißer

Globaler Hitzerekord gesprengt - Experte ist sicher: „Müssen mit neuen Rekorden rechnen“

  • schließen

Vergangene Woche wurde der Hitzerekord von 2016 mehrfach gesprengt. Die globale Temperatur lag bei bis zu 17,23 Grad Celsius.

Berlin - Während vielerorts mehrere Hitzewellen die Menschen bei Atem halten, wurde vergangene Woche der weltweite Hitzerekord gleich mehrfach gebrochen. Schon fünf Tage in Folge lag die durchschnittliche globale Temperatur über dem bisherigen Rekordwert von 2016, berichten US-Wissenschaftler unter Berufung auf vorläufige Daten. Dabei war der bisher heißeste Tag der Welt der Donnerstag (6. Juli) mit 17,23 Grad.

Helge Goessling, Klimaphysiker am Alfred-Wegener-Institut, spricht bei einer Veranstaltung zur neuen Ausstellung „Wetterextreme“

Auch am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag lag die durchschnittliche globale Temperatur der Plattform „Climate Reanalyzer“ zufolge jeweils über 17 Grad. Die „Climate Reanalyzer“-Daten der Universität Maine gehen bis 1979 zurück, ihnen zufolge verzeichnete man zuletzt am 13. und 14. August 2016 einen Rekord von 16,92 Grad Celisius. Nun wurde dieser Wert sogar noch übertroffen.

Hitzerekord geknackt: Globale Temperatur auf 17,23 Grad gestiegen

Damit könnte es aber nicht genug sein. Weitere Rekorde in den nächsten Wochen seien durchaus möglich, erklärte Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Im Jahresverlauf würden typischerweise etwa Ende Juli die höchsten Werte erreicht, da dann die großen Landmassen der nördlichen Hemisphäre besonders aufgeheizt seien. „Bis dahin könnten die Rekorde der letzten Tage noch übertroffen werden.“

Einfluss auf die aktuelle Entwicklung haben Experten zufolge anhaltend außergewöhnlich hohe Temperaturen an der Meeresoberfläche des Nordatlantik und anderen Meeresregionen. Das sorge dafür, dass die oberflächennahen Lufttemperaturen über Ozean und Kontinenten um ein erhöhtes Hintergrund-Niveau schwanken, erläuterte Gößling. Dadurch erhöhe sich wiederrum die Wahrscheinlichkeit für neue Temperaturrekorde, sowohl täglich und monatlich als auch jährlich. „Solange wir uns auf einem so hohen Hintergrund-Niveau befinden, müssen wir mit neuen Rekorden rechnen.“

Generell sei es tatsächlich wenig überraschend, wenn höhere Temperaturrekorde immer öfter geknackt würden. „Während die globale Erwärmung zunächst moderat von Jahrzehnt zu Jahrzehnt angestiegen ist, hat die Geschwindigkeit der Änderung allmählich zugenommen“, schilderte Gößling. Man müsse daher immer häufiger mit neuen Rekorden rechnen.

Hitzerekord: El Niño trägt zu hohen Temperaturen bei

Erst am Donnerstag hatte der EU-Klimawandeldienst Copernicus gemeldet, dass der Juni der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1979 war. Im tropischen Pazifik herrschen zudem erstmals seit mehreren Jahren wieder El-Niño-Bedingungen, wie die Weltwetterorganisation (WMO) kürzlich mitgeteilt hatte. Das natürliche Wetterphänomen kann die im Zuge der Klimakrise ohnehin stetig steigenden Temperaturen zusätzlich in die Höhe treiben - das Rekordjahr 2016 zum Beispiel war ein El-Niño-Jahr.

„El Niño dürfte bereits jetzt einen deutlichen Anteil an den global gemittelten Temperaturrekorden haben“, erklärte Gößling. „Da die Wärme des Ozeans ein längeres Gedächtnis hat und sich El Niño wahrscheinlich weiter ausbilden wird, können wir davon ausgehen, dass die zweite Jahreshälfte global gesehen warm bleibt.“

Typischerweise würden neue globale Wärmerekorde der jährlichen Oberflächentemperatur erst im zweiten Jahr eines El-Niño-Ereignisses erreicht. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen wird es jedoch immer wahrscheinlichlicher, dass der letzte Rekord von 2016 bereits 2023 eingestellt werden könnte - trotz der moderaten Bedingungen am Ende einer längeren La-Niña-Phase zu Beginn des Jahres.“#

Globaler Hitzerekord: Bereits im Juni Marke geknackt

Bereits im Juni verzeichnete das Copernicus Climate Change Service am Donnerstag (15. Juni) Rekordwerte. Die durchschnittlichen globalen Oberflächentemperaturen seien für die ersten Junitage 2023 „mit Abstand“ die höchsten Daten für diesen Monat. Demnach habe die weltweite Durchschnittstemperatur in der ersten Juniwoche die 1,5-Grad-Grenze überschritten. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 einigten sich beinahe alle Staaten der Welt darauf, das 1,5 bzw. 2-Grad-Ziel zu verfolgen. Die Erde darf sich demnach verglichen mit der Vorindustrialisierung (1850 bis 1900) im Schnitt nur um 1,5 Grad erwärmen. Viele Forscher halten dieses Ziel inzwischen für unerreichbar.

Bei den Auswertungen von „Climate Reanalyzer“ handelt es sich um sogenannte Reanalysen. „Reanalysen sind eine Kombination aus Beobachtungsdaten - Satellitendaten, Wetterballons, Wetterstationen und eine Reihe weiterer Messungen - und Wettermodellen“, erklärte AWI-Forscher Helge Gößling.

Der „Climate Reanalyzer“ sei eine von mehreren Reanalyse nutzenden Plattformen wie etwa „ERA5“ des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). Aufgrund von Unterschieden bei der Dateneinspeisung und der verwendeten Modelle könnten die Datensätze lokal und kurzfristig spürbar voneinander abweichen - je größer die betrachteten Gebiete seien, desto kleiner würden die Unterschiede aber typischerweise. „Bei der global gemittelten Temperatur-Anomalie sind Unterschiede meist sehr klein.“ (jv mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/Sina Schuldt

Kommentare