Heuschnupfen-Saison

„Bis zum Sommer aggressiver“: Experte nennt entscheidende Wetter-Faktoren für Menschen mit Allergien

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Allergie oder Erkältung? Die Frage stellen sich einige Menschen ab dem Frühjahr. Für Allergiker könnte der Sommer mitunter sehr unangenehm werden.

Frankfurt – Volle Nase, tränende Augen, ein kratzender Hals: Jahr für Jahr macht die Pollenallergie vielen Menschen zu schaffen. Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte einen Blick auf das Wetter und den Klimawandel nicht vernachlässigen. Der Einfluss ist groß. Welche Rolle die beiden Aspekte genau spielen, erklärt Professor Heinrich Worth im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga (DAL). 

„Bis zum Sommer aggressiver“: Wetter für Pollenallergie ausschlaggebend  

„In diesem Jahr habe ich bisher keine stärkere Ausprägung der Pollen erlebt – wahrscheinlich bedingt auch durch die sehr feuchte Witterung“, sagt Worth. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Pollengeschehen in Deutschland bis Anfang Mai aus Sicht des Experten nicht schlimmer. Dennoch gibt es Landkreise, die eine außergewöhnliche Pollensaison erleben.

„Es kann durchaus sein, dass bis zum Sommer die Pollenallergie nochmal zeitweise aggressiver wird.“ Das sei je nach Wetter durchaus vorstellbar. Wer unter Heuschnupfen leidet und ihn dieses Jahr besonders ausgeprägt bei sich persönlich wahrnimmt, dürfte somit eher nicht auf einen echten Hitze-Sommer hoffen. „Sonne und Trockenheit begünstigen den Pollenflug“, erklärt der Experte für Atemwegserkrankungen. Auch die Aggressivität der Pollensaison wird durch steigende Temperaturen eher begünstigt. „Bäume und Gräser blühen früher, der Pollenflug hält länger an.“ 

Wind verschlimmert die Pollen-Exposition dann nur noch. Er „führt gegenüber Windstille zu einer weiteren und rascheren Verbreitung der Pollen und zu einer stärkeren Verteilung“, so Worth. Dass Allergikerinnen und Allergiker im Sommer oftmals Niederschlag herbeisehnen, lässt sich ebenfalls einfach erklären. Da der Regen die „Pollen aus der Luft wäscht“, wie der Mediziner erklärt, ist die Intensität geringer. 

DWD gibt Auskunft über Belastungsintensität der Pollen

Nicht umsonst informiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die zu erwartenden Pollenkonzentrationen. Für den Pollenflug-Gefahrenindex berücksichtigen die Fachteams aus Offenbach insgesamt acht Pollen: 

  • Hasel
  • Erle
  • Esche
  • Birke
  • Süßgräser
  • Roggen
  • Beifuß
  • Ambrosia

Auch die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst gibt eine wöchentliche Prognose für Betroffene ab. Das sei wichtig, so Worth. Allergikerinnen und Allergiker könnten so einschätzen, wie schlimm die Pollenbelastung ist. 

Heuschnupfen-Experte: Klimawandel begünstigt „Aggressivität der Pollen”

Mit Hinblick auf die langfristige Entwicklung des Pollenflugs hierzulande spricht Professor Worth von einem Problem mit Bezug auf das Klima. „Mit zunehmender Klimaerwärmung kommt es natürlich auch zu einer Veränderung der Vegetation. Erhöhte Schadstoffkonzentrationen und die Klimaerwärmung führen zu einer höheren Aggressivität der Pollen und zum Auftreten neuer Arten als Auslöser von Pollenallergien“, führt er aus. „Die Klimaerwärmung führt in der Regel dazu, dass der Kontakt mit Pollen früher, länger und intensiver im Jahr ist.“

Professor Heinrich Worth ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga (DAL).

Dass das nicht mehr nur Zukunftsmusik ist, wissen Heuschnupfen-Geplagte selbst. Schon zu Beginn des Jahres kämpften einige mit der Allergie. „Frühblüher – also Birke, Hasel, Erle –, die wir in früheren Zeiten im Februar, März gesehen haben, finden jetzt schon im Januar statt“, bestätigt auch der Experte.

Hilfe gegen die Pollenallergie: Welche Maßnahme können Betroffene ergreifen

Komplett hilflos sind Betroffene den Pollen aber nicht ausgesetzt. „Es gibt medizinische Möglichkeiten“, erklärt Professor Worth. Er spricht die Hyposensibilisierung an, die auch als Desensibilisierung bekannt ist. „Dabei versucht man die allergische Reaktion dadurch loszuwerden, in dem man in niedrigen, aber langsam ansteigenden Dosierungen das Allergen dem Körper zuführt, bis er praktisch nicht mehr stark darauf reagiert.“

Die Behandlung dauere jedoch drei Jahre und ein hundertprozentiger Erfolg könne nicht versprochen werden. „Aber es gibt durchaus die Chance, dass dann die allergische Reaktion vollständig beseitigt wird“, so der Experte. Für die eigene Gesundheit lohnt es sich wohl allemal.

Ein Forschungsprojekt aus den USA zeigte indes: der Pollenflug beeinflusst auch das Wetter. (mbr)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Shotshop / Dr. Ulrich Kümmel

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