VonMichael Hesseschließen
Der Einsatz künstlicher Intelligenz soll künftig stärker reguliert werden.
So stark weht der Wind des Fortschritts: Vor drei Wochen hatte er noch vor tiefgreifenden Veränderungen für die Gesellschaft und Menschheit gewarnt, doch nun will Elon Musk selber groß in die Entwicklung künstlicher Intelligenz einsteigen. Musk habe Tausende hochwertige Computerchips gekauft und KI-Experten angestellt, berichtet die Nachrichtenagentur afp. Sie bezieht sich dabei auf das Fachmagazin „Insider“.
Andere Medien berichten, dass Musk nun einen Konkurrenten für den erfolgreichen Chatbot ChatGPT entwickeln wolle. Man weiß zwar nicht, welchen Zweck Musk mit seinen KI-Plänen genau verfolgt. Dem Bericht bei „Insider“ zufolge soll es sich um die automatisierte Erstellung schriftlicher Inhalte handeln. Eine andere Möglichkeit sei der Einsatz generativer KI als Such- oder Werbetool.
Wie auch immer: Musk scheint das große Geschäft zu wittern, fest steht: Er hat in Nevada eine Firma mit dem Namen X.AI gegründet. Der moralisch erhobene Zeigefinger wird zunächst einmal gesenkt. Und das Moratorium, ein Entwicklungsstopp für fortschrittliche KI für sechs Monate, der notfalls von Regierungen durchgesetzt werden sollte, will der Twitter- und Tesla-Chef offenbar dazu nutzen, selbst groß einzusteigen. Die größten Gegner der Elche werden früher oder später selber welche.
Dass die neue Technologie Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben wird, ist unstrittig. Die Frage ist, wie groß diese sein werden. Die SAP-Personalchefin Sabine Bendiek hat zumindest sehr konkrete Vorstellungen von den Veränderungen. Es werde enorme Auswirkungen auf den zukünftigen Arbeitsalltag geben, sagte die Vorständin des Softwarekonzerns der Nachrichtenagentur dpa. „Digitale Technologien werden Jobs an ganz vielen Stellen massiv verändern und künstliche Intelligenz ist da für mich zusätzlich ein echter Beschleuniger“.
Online Dossier: Künstliche Intelligenz
Chatbots wie ChatGPT schreiben zwar nur auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten, welches Wort auf ein anderes folgt. Dennoch sind die Ergebnisse beachtlich.
Fachleute sind sich einig: Die Technik, basierend auf künstlicher Intelligenz (KI), wird unser Leben sehr schnell massiv verändern - in der Freizeit genauso wie in der Schule und am Arbeitsplatz.
Die Frankfurter Rundschau beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven in vielen Ressorts - und bündelt ihre Berichterstattung in einem Online-Dossier.
Die Entwicklung künstlicher Intelligenz wird besonders in der Tech-Branche als eine der größten Revolutionen in der Menschheitsgeschichte gefeiert. Künstliche Intelligenz werde ebenso entscheidend für die Geschichte der Menschheit wie die Entdeckung des Feuers und der Elektrizität sein, glaubt Google-Chef Sundar Pichai. So wie Prometheus der Menschheit das Feuer gebracht hat, will die KI-Branche nun ein neues Zeitalter einläuten.
Wertekonzept für die KI
Doch der neue Prometheus muss sich auf einige Fesseln einstellen. Zumindest wenn es nach dem Willen der Politik geht. So hat sich in Deutschland Digitalminister Volker Wissing in die Debatte eingeschaltet. Der Politiker der FDP, die zumeist für geringe Eingriffe seitens des Staates einsteht, ist dafür, schnellstmöglich europäische Regeln für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz festzulegen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
„Wir müssen jetzt klug reagieren und künstliche Intelligenz vernünftig regulieren, bevor es dafür zu spät ist. Das darf nicht wieder Jahre dauern“, sagte Wissing der „Bild am Sonntag“. „Ich setze mich deshalb dafür ein, dass wir in Europa schnell einen gesetzlichen Rahmen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz schaffen, der sicherstellt, dass diese neue Technologie nur dann eingesetzt werden darf, wenn sie sich an europäische Werte wie Demokratie, Transparenz und Neutralität hält. KI-Systeme dürfen uns nicht manipulieren, sie müssen uns unterstützen.“
Wissing beunruhigt dabei wie andere auch die Beobachtung, dass KI-Programme äußerst schnell rassistische und frauenfeindliche Positionen übernehmen. Das wird allgemein als Problem beim Einsatz dieser Technologie gesehen. Für mehr Gelassenheit im Umgang mit der KI steht hingegen die SPD - die Partei tritt sonst eher für staatliche Eingriffe ein. So hat sich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken für einen „souveränen Umgang“ mit künstlicher Intelligenz und des darauf basierenden Chatbots ChatGPT an Schulen ausgesprochen, berichtet dpa.
„Gerade in den Bildungseinrichtungen brauchen wir einen souveränen Umgang mit Technologien wie der künstlichen Intelligenz“, sagte die Digital- und Bildungsexpertin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ein Verbot zur Nutzung solcher Software könne „nicht die Lösung“ sein. Der Unterricht an den Schulen solle sich der technologischen Entwicklung anpassen.
Bedürfnis nach Regulierung
Auch auf europäischer Ebene ist ein verstärktes Bedürfnis nach Regulierung der neuen Technologie zu spüren. Italien hatte den auf künstlicher Intelligenz basierenden Chatbot ChatGPT vorübergehend gesperrt. Nun hat der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) laut dpa angekündigt, eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit dem Programm zu bilden. Damit wolle sie die Zusammenarbeit fördern und „Informationen über mögliche Durchsetzungsmaßnahmen der Datenschutzbehörden austauschen“, hieß es.
Auch der Deutsche Ethikrat hatte sich mit der Frage des richtigen Umgangs mit künstlicher Intelligenz befasst. Dabei ging es auch darum, ob man der KI Rechte beimessen müsse, falls diese eigenständig denken könne. Die Debatte darüber dürfte bei entsprechenden technischen Fortschritten schnell wieder aufflammen.
