VonJulia Hanigkschließen
Das Unterwasserkabel, das Estland und Finnland miteinander verbindet, ist gestört. Die genaue Ursache ist noch unklar, aber es gibt Anzeichen für Sabotage.
Update vom 29. Dezember 2024, 20:26 Uhr: Nach dem Ausfall einer Unterwasserstromleitung in der Ostsee haben finnische Ermittler eine verdächtige Schleifspur am Meeresboden festgestellt. „Die Spur ist Dutzende Kilometer lang“, teilte Ermittler Sami Paila mit.
Es steht der Verdacht im Raum, dass der von den finnischen Behörden festgesetzte Öltanker „Eagle S“ seinen Anker am Boden hinter sich her gezogen hat, um das Kabel zu beschädigen. Das Schiff fährt unter der Flagge der Cookinseln und gehört nach Einschätzung der EU zur sogenannten russischen Schattenflotte. Damit sind Tanker und andere Frachtschiffe gemeint, die Russland benutzt, um Sanktionen etwa beim Öltransport zu umgehen. Laut Polizei führen Ermittler an Bord technische Untersuchungen durch und befragen die Besatzung. Schlechtes Wetter auf See habe die Ermittlungen behindert. Es wurde noch nicht lokalisiert, wo sich der Anker gelöst hat.
An Weihnachten war die Stromverbindung Estlink2 zwischen Finnland und Estland ausgefallen. Auch an mehreren Kommunikationskabeln in der Ostsee traten Störungen auf. Die Polizei betonte, die Ermittlungen seien noch in einem frühen Stadium.
Erst im November mehrere Probleme mit Ostsee-Kabel – Chinesisches Frachtschiff unter Verdacht
Erstmeldung vom 25. Dezember: Frankfurt – Erst im November wurden innerhalb von 48 Stunden Beschädigungen an einem Telekommunikationskabel zwischen Deutschland und Finnland sowie an einem ähnlichen Kabel zwischen Schweden und Litauen gemeldet. Nun berichtet Fingrid, der finnische Netzbetreiber, von einer weiteren Störung, diesmal auf der Verbindung zwischen Finnland und Estland.
Zu jener Zeit geriet das chinesische Frachtschiff „Yi Peng 3“, das sich in schwedischen Hoheitsgewässern befand, unter Verdacht, die Kabel beschädigt zu haben. China lehnte die Anschuldigungen ab und verweigerte der schwedischen Staatsanwaltschaft die Erlaubnis, an Bord zu ermitteln. Am 23. Dezember bestätigte Peking, dass das betroffene Schiff wieder in Betrieb genommen wurde. „Nach einer umfassenden Bewertung und Konsultation mit den relevanten Parteien wurde beschlossen, den Betrieb wieder aufzunehmen“, so Mao Ning, Sprecherin des Außenministeriums. China habe alle betroffenen Länder informiert und sei „bereit, die Kommunikation und Zusammenarbeit“ fortzusetzen, „um das weitere Vorgehen bei dem Vorfall voranzubringen“.
Die Beschädigungen an den beiden bedeutenden Unterwasserkabeln führten zu Spekulationen unter europäischen Politikern über eine mögliche „Sabotage“ durch Russland im Kontext des Ukraine-Kriegs. Finnland, Schweden und Deutschland leiteten Untersuchungen ein. Russland bezeichnete die Sabotagevorwürfe als „absurd“ und „lächerlich“.
Störung an Unterwasserkabel zwischen Finnland und Estland
Am 25. Dezember kam es erneut zu einer Unterbrechung, und auch hier kann offenbar eine „Sabotage nicht ausgeschlossen“ werden. Diesmal war ein Unterwasser-Stromkabel zwischen Finnland und Estland betroffen. Die Störung wurde um 12:26 Uhr gemeldet: „Die Stromverbindung auf dem Kabel EstLink 2 zwischen Finnland und Estland wurde am 25. Dezember 2024 um 12.26 Uhr unterbrochen“, so die Mitteilung des finnischen Netzbetreibers Fingrid auf seiner Website. Die Ursache der Unterbrechung war zunächst unklar und eine Untersuchung wurde eingeleitet.
Schon wieder Unterbrechung an Ostsee-Kabel – „Sabotage nicht ausgeschlossen“
Arto Pahkin, der Leiter von Fingrid, teilte dem finnischen Sender Yle mit, dass eine „Sabotage“ nicht ausgeschlossen werden könne. „Wir untersuchen den Vorfall und werden weitere Informationen bereitstellen, sobald die Ursache identifiziert ist“, betonte er. Petteri Orpo, der finnische Regierungschef, erklärte auf dem Onlinedienst X (Twitter): „Die Behörden bleiben auch an Weihnachten wachsam und untersuchen den Vorfall“. Er stellte klar, dass die Unterbrechung „keinen Einfluss auf die Stromversorgung der Finnen“ hatte.
Laut Sender ERR unter Berufung auf den estnischen Netzbetreiber Elering, sei auch die Energieversorgung Estlands sichergestellt. Dem Sender nach sei EstLink 2 im Januar 2024 ausgefallen und bis September 2024 repariert worden. Damals sei ein Kurzschluss der Hintergrund gewesen. (jh mit afp/dpa)
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