VonDaniela Vatesschließen
Flugzeug-Unglück in Südfrankreich: Eine Maschine der deutschen Lufthansa-Tochter Germanwings stürzt in den südfranzösischen Alpen ab. 150 Menschen waren an Bord, darunter 67 Deutsche. Vermutlich gibt es keine Überlebenden, wie Frankreichs Präsident François Hollande sagt. Mittlerweile soll der Flugschreiber der Maschine gefunden worden sein.
Es war ein Vormittagsflug aus dem spanischen Barcelona – um 11.55 Uhr hätte die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings in Düsseldorf landen sollen, nach zwei Stunden Flugzeit. Um kurz vor elf setzte der Airbus A320 mit der Flugnummer 4U9525 nach Informationen der ARD einen Notruf ab, wenig später stürzte er offenbar ab. An Bord waren 150 Personen, darunter sechs Besatzungsmitglieder, wie der Germanwings-Manager Thomas Winkelmann am Dienstag auf einer Pressekonferenz am Flughafen Köln/Bonn sagte.
67 der Opfer sind Deutsche. „Es gibt wohl keinen Überlebenden“, sagte Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Das Auswärtige Amt richtete eine Krisen-Hotline für Angehörige unter der Nummer 030-5000 3000 ein. Nach Angaben der spanischen Regierung waren 42 der Passagiere Spanier. Vermutlich war auch eine Schulklasse an Bord der Unglücksmaschine.
Die Unglücksursache war zunächst noch offen. Im Bundesinnenministerium gab es zur Stunden keinen Hinweis auf einen Terroranschlag, berichtete die ARD. Die 24 Jahre alte Maschine war offenbar mit leichter Verspätung in Barcelona gestartet.
Die Maschine befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes am Rande der südfranzösischen Alpen, nahe der Stadt Digne im Département Alpes-de-Haute-Provence. Das Absturzgebiet ist bergig, es liegt auf einer Höhe von etwa 2000 Metern. Dies erschwert die Bergungsarbeiten erheblich. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, es seien Trümmerteile gefunden worden.
Neben französischen Rettungskräften sind Fachleute der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung auf dem Weg an die Unglücksstelle. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte für den Nachmittag mehrere Termine ab.
Frankreichs Präsident Hollande trat kurz nach den ersten Meldungen über das Unglück vor die Kameras und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. „Es ist eine Tragödie“, sagte Hollande. „Wir sind in Trauer.“ Bundesaußenminister Steinmeier sagte in Berlin: „In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei all denjenigen, die darum fürchten müssen, dass ihre Angehörigen unter den Passagieren oder den Besatzungsmitgliedern sind.“ Steinmeier und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt brachen nach Frankreich auf.
Der Vorstands-Chef der Lufthansa Carsten Spohr schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Wenn sich die Befürchtungen bestätigen sollten, ist dies ein schwarzer Tag für Lufthansa. Wir hoffen, Überlebende finden zu können.“
Gauck und Merkel drücken ihr Mitgefühl aus
Bundespräsident Joachim Gauck meldete sich aus Peru zu Wort und sprach den Trauernden sein Mitgefühl aus. Seine Südamerikareise werde das deutsche Staatsoberhaupt abbrechen und zurück nach Deutschland reisen, sagte eine Sprecherin des Präsidialamtes am Dienstag. Der ab Mittwoch im Rahmen der Reise geplante Staatsbesuch in Uruguay wird demnach nicht stattfinden.
Auch die Kanzlerin tritt einige Stunden nach der Unglücksnachricht vor die Kameras im Kanzleramt. „Erschütternde Nachrichten erreichen uns aus Frankreich“, sagt sie. „Es ist ein Schock, der uns in tiefe Trauer stürzt.“
So hält der politische Betrieb an diesem Tag die Luft an. Die Betroffenheit ist groß auf allen Seiten und die Tagesordnung verändert sich. Außenminister Steinmeier ist der erste, der sich nach dem Unglück äußert. Er hat den montenegrinischen Amtskollegen zu Gast und berichtet von der Einrichtung eines Krisenstabs. SPD-Chef Sigmar Gabriel drückt sein Mitgefühl aus, auch Linken-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi und seinen Grünen-Amtskollege Anton Hofreiter. Fassungslosigkeit spricht aus den Statements und gleich ist allen die Versicherung, dass den Angehörigen schnell und unbürokratisch geholfen werden soll.
16 Schüler aus Haltern an Bord
Auch andernorts gibt es Reaktionen. Von den Kirchen: „In Gebeten und Gedanken sind wir bei den Opfern und ihren Angehörigen“, sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Im Sport: Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw, bei dessen Pressekonferenz es eigentlich um das nächste Länderspiel gegen Australien gehen soll, zeigt sich „wahnsinnig betroffen“ über den Absturz: „Es gibt einem persönlich ein ganz schlechtes Gefühl, weil es keine Chance gibt, dass Menschen überleben“.
So verändern sich die Schwerpunkte. Bundespräsident Joachim Gauck bricht seine Südamerika-Reise ab und reist von Peru aus zurück nach Berlin. In Berlin ist das auch bei SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann zu merken. Eigentlich wollte Thomas Oppermann am Dienstagmittag ein bisschen Werbung für die SPD machen und sechs Projektgruppen vorgestellt werden, mit denen die Genossen die große Koalition in der zweiten Hälfe der Legislaturperiode auf Trab halten wollen. Doch die Katastrophennachricht aus Südfrankreich stellt die Innenpolitik schlagartig in den Schatten. Mit ernster Miene sitzt der SPD-Fraktionschef nun den Journalisten gegenüber und zeigt sich tief betroffen: „Das ist ein ganz schlimmer Tag für Deutschland.“ NRW-Ministerpräsidentin Kraft sagt die Kabinettssitzung der Landesregierung ab.
Beim Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich sind auch 16 Schüler und zwei Lehrer aus dem westfälischen Haltern verunglückt. „Wir wissen, dass die Schülergruppe an Bord der Maschine gegangen ist“, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Dienstag dem WDR.
Das Joseph-König-Gymnasiums wurde geschlossen, in der Schule wurde ein Krisenstab gebildet. Polizei und Feuerwehr fuhren am Nachmittag vor. Notfallseelsorger waren im Einsatz, Schüler legten Blumen nieder.
Im Internet schreibt die Schule, dass bis zu diesem Dienstag ein einwöchiger Gegenbesuch beim Institut Giola in Llinars del Vallès in der Nähe von Barcelona geplant gewesen sei. Im Dezember hatte es einen Besuch von zwölf Austauschschülern aus Spanien an der Schule gegeben.nisterin: 16 Schüler aus Haltern waren in Unglücksmaschine. (mit dpa/afp)
