VonStefan Brändleschließen
Die französisch-malische Sängerin Aya Nakamura soll für die Olympiade singen, doch Rechtsextreme protestieren.
Der 26. Juli soll zu einer grandiosen olympischen Ouvertüre werden, der ersten, die nicht in einem Stadion stattfindet, sondern entlang der Seine im Herzen von Paris. Der französische Präsident Emmanuel Macron bemüht sich, Frankreich von der besten Seite zu zeigen. Im Februar kontaktierte er, wie das Wochenmagazin L’Express berichtete, die derzeit meistgehörte frankophone Sängerin, Aya Nakamura, um sie zu bitten, bei der Gelegenheit ein Chanson von Edith Piaf (1915 bis 1963) zu vertonen.
Es wäre das Treffen des nostalgischen mit dem jungen Frankreich. Aya Nakamura ist vor allem bei Teenagern ein Star. Die 28-jährige Französin malischer Herkunft, die sich wegen der TV-Serie Heroes einen japanischen Künstlernamen zulegte, kommt auf vier Millionen Instagram-Follower, ihr Hit „Djadja“ wurde 950 Millionen mal aufgerufen.
Nakamura: Von „Patrioten“ angefeindet
Frankreich erinnert sich an die 200-Jahr-Revolutionsfeier von 1989, als die schwarze US-Opernsängerin Jessye Norman in die Frankreich-Fahne gehüllt die Marseillaise intonierte. Doch die Zeiten haben sich offenbar geändert. Nakamura wird gerade von Patrioten angefeindet. Die ultrarechte Splittergruppe Les Natifs fotografierte sich hinter einem Spruchband mit der Inschrift: „Es geht nicht, Aya. Hier ist Paris, nicht der Markt von Bamako.“ Der Rechtsextremist Eric Zemmour ließ den Namen Nakamura an einem Wahlauftritt ausbuhen, und seine politische Partnerin Mario Maréchal erklärte im Fernsehen, Nakamura könne nicht Frankreich vertreten, da sie ja nicht mal auf französisch singe.
„Ihr könnt Rassisten sein“, twitterte Nakamura als Reaktion. „Aber was schulde ich euch eigentlich? Kedal!“ Dieser Ausdruck stammt von dem französischen „que dalle“ und besagt so viel wie „gar nichts.“ Auf allen französischen Pausenplätzen wird heute so gesprochen oder via Tiktok kommuniziert.
Nakamura sagte kürzlich selbst: „Ich kann verstehen, dass sich einzelne sagen: Für wen hält sich die eigentlich, wenn sie unsere schöne Sprache foppt. Aber man muss die Kultur der anderen akzeptieren, und ich habe nun einmal eine doppelte Kultur.“ Macron will mit dem Engagement Nakamuras an den olympischen Spielen zweifellos auch die jüngsten Bürger:innen ansprechen. Die Reaktion auf die Verbalangriffe überließ er anderen.
Das olympische Komitee für „Paris 2024“ bezeichnete sich als „äußerst schockiert über die rassistischen Attacken, die Aya Nakamura in den letzten Tagen treffen.“ Frankreichs Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra fügte über X, ehemals Twitter, an: „Ob Sie geliebt werden oder nicht, liebe Aya Nakamura, kümmern Sie sich nicht um die Welt. Wir sind mit Ihnen.“ Der Olympia-Auftritt der Sängerin ist noch nicht bestätigt. Viele Stimmen meinen nun aber, Nakamura müsse am 26. Juli erst recht singen, damit nicht der Eindruck entstehe, dass sich die Rassist:innen durchgesetzt hätten. Sicher ist, dass „Paris 2024“ zu sehr politisierten Spielen wird.
Die Zulassung russischer Sportler:innen hatte nicht nur in Paris – wo sich Macron dagegen aussprach – für Unmut gesorgt. Im Januar musste die französische Ex-Basketballspielerin Émilie Gomis ihren Posten als „Olympia-Botschafterin“ abgeben. Sie hatte zwei Tage nach dem Hamasangriff auf Israel am 7. Oktober eine Karte von Frankreich gepostet, die schrittweise von der israelischen Flagge bedeckt wird. Dazu die Frage: „Was würdet Ihr in dieser Situation tun?“
