Netzbetreiber reagiert

Stromausfall in Spanien wegen „atmosphärischem Phänomen“ – Wirbel um Ursachentheorie

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Ein schwerwiegender Stromausfall legte am Montag die Iberische Halbinsel lahm. Die Ursache ist weiterhin nicht geklärt. Falschberichte sind im Umlauf.

Madrid – Am 28. April 2025 kam es in weiten Teilen Spaniens, Portugals und Südfrankreichs zu einem großflächigen Stromausfall. Millionen Menschen waren betroffen, zahlreiche Infrastrukturen wie Bahnverkehr, Ampelanlagen und Telekommunikationssysteme fielen zeitweise aus. Die genaue Ursache bleibt bisher unklar. Unter Berufung auf den portugiesischen Netzbetreiber REN führten mehrere Quellen ein „seltenes atmosphärisches Phänomen“ als Ursache an. Diese Annahme stellte sich nun als falsch heraus und konnte nicht bestätigt werden.

Ein massiver Stromausfall legt Spanien und Portugal lahm. Eine Theorie zur Ursache spricht von einem „seltenem atmosphärisches Phänomen”, wurde aber inzwischen bestritten.

Faktencheck um Theorie belegt: Ursachentheorie um „atmosphärisches Phänomen“ ist falsch

„Aufgrund extremer Temperaturschwankungen im Landesinneren Spaniens kam es zu anomalen Schwingungen in Hochspannungsleitungen (400 kV), ein Phänomen, das als atmosphärisch induzierte Vibration bekannt ist. Diese Schwingungen verursachten Synchronisationsstörungen zwischen den Stromsystemen, die zu aufeinanderfolgenden Unterbrechungen im gesamten europäischen Verbundnetz führten“. Dieses angebliche Statement von dem Netzwerkbetreiber REN stammte von der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Vielzahl von Medien übernahmen die Zitate.

Das spanische Faktencheck-Medium Verificat meldet diese Informationen nun als falsch. REN hat demnach Verificat versichert, dass solche Aussagen nicht getätigt wurden. Das Faktencheck-Medium wandte sich auch an die Nachrichtenagentur Reuters, die antwortete, dass „die Warnungen und ein Nachrichtenbericht, der sich auf Informationen des portugiesischen Netzbetreibers REN beruft, zurückgezogen wurden“.

Stromausfall legt komplett Spanien lahm – Cyberangriff wird weitestgehend ausgeschlossen

Auch andere Theorien zur Ursache konnte bisher nicht bestätigt werden. Neben einem atmosphärischen Phänomen stand auch die Möglichkeit eines Cyberangriffs im Raum. Wie spanische und portugiesischen Behörden zunächst berichteten, gebe es dafür jedoch keine Anzeichen. „Nichts ist ausgeschlossen, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine Cyberattacke handelt“, äußerte sich Portugals Ministerpräsident Luís Montenegro. Auch der aus Portugal stammende EU-Ratspräsident António Costa erklärte, es gebe im Moment „keine Hinweise für einen Hackerangriff.“

In Spanien wird ein Angriff von außen allerdings nicht abgestritten. Die spanische Justiz geht dem Verdacht einer „Computer-Sabotage“ als Ursache nach. Ein Richter der Audiencia Nacional, Spaniens für die Verfolgung schwerer Straftaten zuständiges Gericht, habe eine Voruntersuchung dazu eingeleitet, teilte die Justiz am Dienstag mit. Wenn der landesweite Stromausfall auf „einen Akt der Computer-Sabotage“ in der strategischen Infrastruktur zurückgehe, könnte dies als „Terrorismus“ eingestuft werden, hieß es weiter.

Derzeit ist die Stromversorgung in Spanien und Portugal nach dem massiven Ausfall weitgehend wiederhergestellt. Nach Angaben der Netzbetreiber sind mittlerweile fast alle Regionen wieder ans Netz angeschlossen, wobei in Spanien laut Red Eléctrica 99,16 Prozent der Versorgung gesichert sind. Auch in Portugal haben der Großteil der Haushalte zufolge REN wieder Strom. Während Millionen Menschen noch mit den Auswirkungen des Blackouts zu kämpfen haben, rückt die Diskussion um die Stromausfallvorsorge auch in Deutschland wieder in den Fokus. (pk)

Rubriklistenbild: © Armando Franca/dpa

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