Kanada

Tausende fliehen vor den Flammen in Kanada

+
Nur eine Straße führt aus dem Brandgebiet bei Jasper heraus.
  • schließen

Waldbrände bedrohen den weltberühmten kanadischen Jasper-Nationalpark.

Jasper ist einer der berühmtesten Nationalparks Kanadas. Waldbrände bedrohen nun den in den Rocky Mountains liegenden Park und die gleichnamige Stadt. Tausende Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste mussten nach Evakuierungsanordnungen fliehen. In der Nacht auf Donnerstag verschlimmerte sich die Lage dramatisch, mehrere Gebäude innerhalb der Stadtgrenze brannten ab, berichtet Bürgermeister Richard Ireland. Er hatte Mühe, seine Emotionen zu kontrollieren.

Das Ausmaß des Schadens ließ sich am Donnerstag noch nicht abschätzen. „Das ist der schlimmste Albtraum unserer Gemeinde“, sagte Ireland. Aber er konnte berichten, dass die frühzeitigen Evakuierungsanordnungen wohl vielen Menschen das Leben retteten. „Die Menschen wurden gerettet, und das ist das Wichtigste. Wir werden einen Weg finden, um die Gemeinde wieder aufzubauen.“ Die Nationalparkbehörde Parks Canada sprach von „erheblichen Verlusten“ innerhalb des Stadtgebiets.

Die dort liegenden Hotels Maligne Lodge und Fairmont Jasper Park Lodge waren bereits in den vergangenen Tagen geräumt worden. In der Nacht zum Donnerstag ging die Maligne Lodge in Flammen auf und das Feuer erreichte das Gelände des Fairmont Hotel. „Es ist tragisch. Es ist vernichtend“, sagte Karyn Decore, deren Familie seit gut 60 Jahren die Maligne Lodge besitzt, zum Verlust des Anwesens und der Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter:innen, dem kanadischen Rundfunk „CBC“. Jasper sei ein „nationaler Schatz“ und einer der kostbarsten Parks Kanadas. „Zu erleben, wie das Feuer die Stadt verzehrt, ist entsetzlich.“

„Asche fällt vom Himmel“, schilderte ein Café-Besitzer die Lage in Jasper. „Noch vor wenigen Tagen haben wir gesagt, wie spektakulär und märchenhaft dieser Ort im Sommer ist.“ Premierminister Justin Trudeau teilte auf X mit, die Regierung sende Einheiten der Streitkräfte, um bei Evakuierungen und der Feuerbekämpfung zu helfen. „Alberta, wir stehen an deiner Seite“ schrieb Trudeau.

Zwei Feuer, die sich über insgesamt 11 000 Hektar erstrecken, bedrohen die Stadt von Süden und Norden. Am Mittwochabend hatte eines der Feuer den Stadtrand erreicht. Die etwa 5000 ständigen Einwohnerinnen und Einwohner sowie rund 15 000 Urlaubsgäste in Hotels, Ferienunterkünften und Campingplätzen mussten Stadt und Nationalpark verlassen. Ein großes Problem für die Einsatzkräfte: Wandernde und Campinggäste auf entlegenen Campingplätzen und Wanderwegen mussten aufgespürt und in Sicherheit gebracht werden.

Nach den frühen Warnungen begaben sich Tausende auf den Weg in Sicherheit. Jasper und der Nationalpark – mit 11 000 Quadratkilometern Fläche der größte Nationalpark der Rocky Mountains und der kanadischen Provinz Alberta – sind durch den Icefields Parkway mit dem südlicheren Banff Nationalpark und Lake Louise verbunden. Er führt an den Athabasca Wasserfällen, den Sunwapta Fällen und dem Columbia Icefield mit dem durch Temperaturanstieg abschmelzenden Columbia-Gletscher vorbei.

Jasper wurde 1930 zum Nationalpark erklärt und 1984 zum Unesco-Welterbe. Der Nationalpark liegt auf dem traditionellen Land mehrere indigener Völker, darunter Anishnabe, Dene, Nakota und Metis. Jährlich besuchen 2,5 Millionen Menschen Jasper und den Nationalpark, der auch für seine Berge, Pflanzen und Tiere, darunter Schwarz- und Grizzlybären, bekannt ist.

Am Mittwochabend mussten Feuerwehrleute, die nicht mit geschlossenen Atemschutzsystemen ausgerüstet waren, wegen der sich verschlechternden Luftqualität abgezogen werden. Ein Teil der Schutzmaßnahmen unter Einsatz schwerer Räumgeräte, die Schneisen zwischen Feuer und Stadt schaffen sollten, musste eingestellt werden. Auch die Möglichkeiten, die Brände von der Luft aus per Hubschrauber mit riesigen Wasserkübeln zu löschen, wurden durch Wind und Hitze beeinträchtigt und mussten reduziert oder gar eingestellt werden. Trockenheit, Wind und Blitze schaffen immer wieder Brandherde und erschweren die Arbeit.

In Kanada sind in diesem Jahr bisher rund 1,5 Millionen Hektar Wald- und Buschland abgebrannt. Dies ist zwar weniger als im Rekordjahr 2023, als über das gesamte Jahr annähernd 18 Millionen Hektar verbrannten, aber die Feuer sind in 2024 wieder extrem gefährlich. Vor zehn Tagen bedrohten im Osten Kanadas Waldbrände die Städte Labrador City und Wabush. Tausende Menschen flohen, am Ende half ein Wetterumschwung mit Regen der Feuerwehr und verhinderte das Schlimmste.

Kommentare