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Der Historiker Timothy Snyder sieht in Trumps Vorgehen gefährliche Parallelen zu Putin.
Der US-Historiker Timothy Snyder hat das Vorgehen der USA gegen Venezuela analysiert. Er glaubt, dass Trump und seine Berater die politischen Vorteile eines Krieges nutzen wollen, ohne tatsächlich einen führen zu müssen. In seinem Newsletter „Thinking about...” schreibt er: „Sie wollen den schnellen Weg zum Faschismus, indem sie sofort einen großen Sieg verkünden und gleichzeitig über die Feinde im eigenen Land twittern. Aber Faschismus erfordert keine schnellen Operationen, sondern echte Kämpfe, die Zivilisten gefährden und somit in Mitleidenschaft ziehen.“
Putin sei bereit gewesen, den Faschisten der 1930er Jahre in einen umfassenden Krieg gegen die Ukraine zu folgen, kombiniert mit Faschismus im eigenen Land. „Trump würde dieses Ergebnis zweifellos gefallen, aber es ist unwahrscheinlich, dass er bereit oder in der Lage ist, so weit zu gehen“, schrieb Snyder.
Er verwies auf historische Beispiele für das Vorgehen Trumps. Dabei betonte der Faschismus-Experte, dass sich Geschichte niemals einfach wiederhole, sie könne aber lehrreich sein. Amerikanische Interventionen in Lateinamerika habe es oft gegeben. „Während des Kalten Krieges wurden solche Operationen mit dem Mantel der prodemokratischen Propaganda bedeckt, wobei die dahinterstehende Logik war, dass alles, was die Vereinigten Staaten taten, dazu diente, den Kommunismus zu stoppen, und der Kommunismus war antidemokratisch.“ Snyder erinnerte auch an den zweiten Irak-Krieg. „Die Invasion des Irak im Jahr 2003 war ein Wendepunkt für die Macht und die Prinzipien der USA. Sie basierte auf Lügen, die die Glaubwürdigkeit der USA untergruben und ihren Einfluss schwächten.“
In seinem Text zog Snyder aber noch eine andere bemerkenswerte Parallele. „Es war auffällig, dass Donald Trump die Absetzung Maduros als ‚außergewöhnliche Militäroperation‘ bezeichnete. Dies ist im Wesentlichen die gleiche Sprache, die Wladimir Putin in seiner Rede zur Ankündigung der vollständigen Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 verwendet hat. Man fragt sich, welchen Begriff die Übersetzer in all den langen Telefonaten zwischen Trump und Putin verwendet haben.“
Bei der Invasion der Ukraine habe Putin bewusst die Sprache des Rechts ausgenutzt und behauptet, seine Aggression sei durch die UN-Charta gerechtfertigt. „Dabei ging es nicht darum, die Grundsätze des Völkerrechts zu bekräftigen, sondern sie lächerlich zu machen.“ Snyder warnte: Weniger offensichtlich, aber umso tiefgreifender sei ein Sieg für China, wenn die Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht zunehme. Bislang waren es die Russen, die die Drecksarbeit für China geleistet haben, um die internationale Ordnung neu zu gestalten, als wäre es lediglich eine Frage der Machtpolitik, die von Diktatoren im Dienste persönlicher Prioritäten betrieben wird. Jetzt tragen auch die Amerikaner dazu bei, eine chinesische Weltordnung zu schaffen.“
Snyder vermutet, dass die eigentlichen Intentionen Trumps auf einem anderen Feld als der Außenpolitik gelegen hätten. „Niemand kann mit Sicherheit sagen, was Trump denkt, aber es ist eine vernünftige Vermutung, dass seine Absichten, Maduro aus Venezuela zu entfernen, innenpolitischer Natur waren.“
Es gehe in Wahrheit um einen Regimewechsel in den USA. Seinen Landsleuten machte Snyder Mut: „Was wir sehen, können wir stoppen, und was wir verstehen, können wir ändern.“
