VonBaha Kirlidokmeschließen
Mark Zuckerbergs Twitter-Klon Threads bricht Rekorde und wird für Elon Musk zum Ärgernis. Die App hat durchaus Potenzial, wie ein ausführlicher Test zeigt.
Frankfurt – Die Fresse polieren werden sie sich wohl gegenseitig erst einmal doch nicht. Elon Musk und Mark Zuckerberg wollten sich eigentlich im MMA-Ring gegenüberstehen. Den Zweikampf liefern sie sich nun auf dem Markt. Vorerst.
Twitter-Klon Threads: Was Zuckerberg erreichen will
Seit vergangenem Mittwoch ist der Twitter-Klon Threads draußen, mit dem Zuckerberg Musk die Marktanteile wegnehmen will. Zumindest in allen Ländern, deren Daten nicht vom vergleichsweise umfangreichen EU-Recht geschützt werden. Wer sich die App also hierzulande holen will, muss sich entweder gedulden, oder sie über Umwege herunterladen.
Offensichtlich ist der Release-Zeitpunkt ein Frühstart. Zuckerberg und seine Leute hätten ihn aber dennoch kaum besser timen können. Während Musk Twitter seit seiner Übernahme mehr und mehr zur rechten Echokammer voller Bugs umbaut, sehnen sich immer mehr Menschen, die die App mit dem blauen Vogel früher gerne benutzt haben, nach einer Alternative. Die Frage ist also nicht nur, „was kann Threads“, sondern: „Kann Threads Twitter ersetzen?“
So viel vorweg: Threads ist noch lange kein fertiges Produkt. Auf Twitter machen sich deshalb die sogenannten Blauhaken über die App lustig. Das sind die Nutzer und Nutzerinnen, die für den früher noch schwer zu erhaltenden und kostenfreien blauen Verifizierungshaken bezahlen, nicht selten rechtslibertäre Tech-Bros und andere Musk-Fans. Währenddessen herrscht auf Threads Ruhe und Harmonie.
Elon Musk fühlt sich bedroht
Zugegeben, die Ruhe mag daher kommen, dass Threads noch nicht so voll ist wie Twitter. Das macht den Aufenthalt auf der App etwas kurzweilig, was aber für die Bildschirmzeit ganz gut ist. Ein Run aber ist definitiv da. Kein anderes Soziales Netzwerk hat es geschafft, innerhalb von fünf Tagen auf 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzer zu kommen. Wer ein Instagram-Konto hat, erhält allerdings beim Öffnen der Foto-App eine Meldung, von der aus ein einziger Klick auf Threads führt. Zudem kann ein Thread-Account nicht gelöscht werden, nur deaktiviert. Es wird sich also zeigen, wie viele Mitglieder die Plattform am Ende auch wirklich aktiv nutzen. Ein erstaunlicher Erfolg sind die Zahlen für den Moment dennoch. Für Musk stellt das eine Bedrohung dar – er erwägt, Zuckerberg aufgrund der Ähnlichkeiten beider Apps zu verklagen.
Threads kommt als Twitter im schicken Insta-Gewand daher
Threads hat ein sehr cleanes und benutzerfreundliches Design, kommt als Twitter im schicken Insta-Gewand rüber. Doch einige Kernfunktionen der Vogelapp fehlen beim neuen Konkurrenten noch, wie etwa das Speichern von Beiträgen. So gehen Posts, die einem gefallen oder die man als wichtig einordnet, verloren – die geliketen Posts werden noch nirgendwo gesammelt. Auf Twitter oder anderen Apps lässt sich ein Beitrag entweder speichern oder ein Reiter mit den Posts öffnen, die man geliket hat.
Auch lassen sich Bilder vor dem Posten nicht in der App bearbeiten. Wer Screenshots zuschneiden will, macht das also lieber einen Schritt früher.
Nun ist Mark Zuckerberg zumindest in der Außenwahrnehmung der eindeutig sympathischere der beiden Milliardäre. Auch hat er angedeutet, Threads eventuell erst bei einer Milliarde Nutzer und Nutzerinnen zu monetarisieren. Dennoch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Threads mehr als Produkt gedacht ist und weniger als Kurznachrichtendienst. Es gibt moralisch einwandfreiere Alternativen, wie Mastodon. Doch das ist weniger benutzerfreundlich, unter anderem auch durch die dezentralisierten Server, die gleichzeitig die Bubble-Bildung verstärken. Und generell hat Mastodon keine große Öffentlichkeit und wird diese nie haben.
Threads fühlt sich noch nicht wie ein eigenes Soziales Netzwerk an, sondern wie eine rudimentäre Erweiterung Instagrams. Das Potenzial lässt sich aber erahnen. Vor allem, wenn Musk Twitter tatsächlich unfreiwillig zerstörte, wäre Threads konkurrenzlos.
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