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Großer Schritt für die private Raumfahrt: Virgin Galactic erhält die Lizenz, Kund:innen ins Weltall zu schicken. Wird Richard Branson noch vor Jeff Bezos ins All starten?
Frankfurt – Welches private Raumfahrtunternehmen wird die ersten Weltraumtourist:innen ins All schicken? Derzeit befinden sich Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und Virgin Galactic von Sir Richard Branson in einem inoffiziellen Rennen. Bezos hatte kürzlich offiziell bekannt gegeben, dass er am 20. Juli die Raumkapsel besteigen wird, die seine „New Shepard“-Rakete anschließend für wenige Minuten ins All befördern soll. Gerüchten zufolge plant Richard Branson, sich am Wochenende des 4. Juli ins All schicken zu lassen – an Bord des Raketenflugzeugs „VSS Unity“ (SpaceShipTwo) von Virgin Galactic.
Zwar wurde letzteres vom Unternehmen bisher nicht bestätigt, doch nun hat Virgin Galactic einen großen Schritt hin zum ersten Flug mit Tourist:innen an Bord gemacht: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat dem Unternehmen von Branson die Lizenz erteilt, Kund:innen ins Weltall zu befördern. Auch Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos, soll kurz davor stehen, diese Lizenz zu erhalten, berichtet die Washington Post (deren Eigentümer Bezos ist) unter Berufung auf „Personen, die mit dem Prozess vertraut sind“.
Virgin Galactic darf Tourist:innen ins Weltall transportieren – Fliegt Richard Branson mit?
Virgin Galactic erhält die Lizenz, nachdem ein Testflug aus dem Mai 2021 ausgewertet worden ist. Es war der dritte Testflug, bei dem sich Menschen an Bord befanden. Im Vergleich dazu hat Blue Origin bisher noch keine Menschen befördert – der geplante Flug am 20. Juli wird der erste Testflug, bei dem sich Menschen an Bord befinden werden. Neben Jeff Bezos sollen sein Bruder Mark und eine bisher noch nicht namentlich bekannte Person an Bord sein, die für ihr Ticket ins All 28 Millionen US-Dollar bezahlt hat.
Private Raumfahrt: Welcher Milliardär überquert als erster die Grenze zum Weltall?
Während Blue Origin einen konventionellen Ansatz wählt, um ins All zu kommen – eine Rakete befördert die Kapsel in die Höhe und landet anschließend wieder – hat Virgin Galactic einen vollkommen anderen Ansatz gewählt: Das Raumschiff, die „VSS Unity“ startet mit einem Flugzeug – dem sogenannten „Mothership“ namens „WhiteKnight“, das das Raumschiff auf eine bestimmte Höhe bringt. Dort klinkt sich die „VSS Unity“ aus und startet die Triebwerke, um sich weiter in die Höhe zu schrauben.
Doch die Höhe dürfte ein Knackpunkt werden in der Diskussion, welcher Milliardär zuerst mit seinem Unternehmen ins All geflogen ist: Virgin Galactic hat bei den drei Testflügen jeweils eine Höhe von 50 Meilen (ca. 80 Kilometer) überschritten, die von der FAA als Grenze zum Weltall anerkannt wird. International gilt jedoch die Kármán-Linie (100 Kilometer) als die Grenze zum Weltall – und diese Höhe soll die „VSS Unity“ Berichten zufolge nicht erreichen können. Blue Origin dagegen hat bei 12 von 15 Testflügen der „New Shepard“-Rakete die Kármán-Linie überflogen, bei drei weiteren Flügen ist die Rakete immerhin höher als 80 Kilometer gestiegen.
Virgin Galactic: Bei einem Testflug starb der Co-Pilot
Virgin Galactic ist bereits seit vielen Jahren im Raumfahrtgeschäft, hatte jedoch immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. 2007 starben drei Mitarbeiter bei einer Explosion während eines Triebwerkstests, 2014 stürzte der Prototyp „VSS Enterprise“ bei einem Testflug ab. Der Pilot rettete sich schwerverletzt mit dem Fallschirm, sein Co-Pilot kam ums Leben. Dass das Unternehmen nun von der FAA die Lizenz erhalten hat, Kunden ins Weltall zu transportieren, kommt bei den Anlegern gut an: Die Aktien des privaten Raumfahrtunternehmens stiegen nach der Bekanntgabe um bis zu 40 Prozent. „Wir machen weiter und starten diesen Sommer unseren ersten Testflug mit voller Besatzung“, betont Virgin Galactic-Chef Michael Colglazier in einer Mitteilung des Unternehmens. Ob Richard Branson, der als Abenteurer bekannt ist und mehrere Weltrekorde hält, an Bord sein wird, teilt auch Colglazier nicht mit.
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Milliardäre in der Raumfahrt: Elon Musk hält sich merklich zurück
Ein weiterer Milliardär hält sich im privaten Rennen ins Weltall merklich zurück: Elon Musk. Der Gründer des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX plant, in Zukunft ebenfalls Tourist:innen an Bord seiner „Crew Dragon“-Raumkapseln zu transportieren. Er selbst schließt wohl einen eigenen Raumflug nicht aus – von ihm ist die Aussage überliefert, er wolle eines Tages auf dem Mars sterben. Von Plänen, bald an Bord einer „Crew Dragon“ zu gehen, ist von Elon Musk jedoch nichts zu hören. Musk braucht sich an dem Wettlauf nicht zu beteiligen – schließlich hat er bereits mehrfach bewiesen, dass SpaceX Erfolg hat: Gerade erst hat das Unternehmen in weniger als einem Jahr zum dritten Mal Astronaut:innen im Auftrag der Nasa zur Internationalen Raumstation ISS befördert. (Tanja Banner)

