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Familienmitglieder der nach Gaza entführten Menschen hoffen auf deutsche Hilfe.
Die Verzweiflung ist groß - und zugleich ist die Hoffnung ein wenig gewachsen. Nach der Freilassung von zwei US-Angehörigen durch die Hamas sowie zwei weiterer Menschen, deren Freilassung am Montagabend das Internationale Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) vermeldete, steigt der Druck auf die israelische Regierung, auch für die anderen durch Verhandlungen den Weg zurück freizumachen. 210 Geiseln sollen noch in den Händen der Hamas sein. Durch den bevorstehenden militärischen Bodeneinsatz könnte das Leben der Menschen stark gefährdet werden, fürchten die Angehörigen.
Die Freilassung einer Mutter und ihrer Tochter aus den USA sei ein kleiner Funken Hoffnung auch für andere, sagte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nach Abschluss des Treffens in der ägyptischen Hauptstadt. Da es auch Deutsche unter den von der Hamas Verschleppten gibt, steht auch die deutsche Diplomatin unter Druck, sie freizubekommen.
Eine Betroffene ist Shaked Haran. Ihre Wurzeln liegen in Stuttgart. Sie ist eine Bewohnerin des Kibbuz Beeri an der Grenze zum Gazastreifen, erklärt sie in einem bewegenden Video. Elf Mitglieder ihrer Familie seien von der Hamas mit vorgehaltener Waffe entführt worden , darunter ihre Eltern, ihre Schwester, ihr Schwager und ihre drei kleinen Kinder (das jüngste gerade einmal fünf Jahre alt), zwei Tanten, ein älterer Onkel und sein Hausmeister. Ihr Haus sei bis auf die Grundmauern niedergebrannt worden, sagt sie. Die gesamte Familie werde vermisst. Nach stundenlangen Versuchen, sie telefonisch zu erreichen, habe sich ein Hamas-Mitglied gemeldet und in gebrochenem Hebräisch gesagt, sie seien entführt und nach Gaza gebracht worden. Shaked Haran hat sich auch an die „Frankfurter Rundschau“ gewandt, um auf das Schicksal ihrer Familie aufmerksam zu machen. Auch sie hoffe auf eine erfolgreiche deutsche Vermittlertätigkeit. Ihre Mutter Shoshan Haran sei eine Agrar-Expertin, die sich zeit ihres Lebens für innovative Anbaumethoden eingesetzt habe. Ihr Ziel sei es, dass kein Mensch auf der Welt hungern solle. Sie habe einen ausgeprägten kosmopolitischen Ansatz und sei das Gegenteil einer nationalistisch orientierten Wissenschaftlerin.
Baerbock betonte in Kairo, sie habe mit Partnern erneut darüber gesprochen, wie man gemeinsam weitere Geiseln befreien könne. Viele hoffen, dass auch Deutschland einen ähnlichen Einfluss wie bislang Katar nehmen kann.
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