Symptome nach Corona und Erkältungen: Neue Studie zeigt Parallelen - und entscheidende Unterschiede
VonAnna Laura Müller
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Laut einer Studie sind anhaltende Symptome wie bei Long Covid auch nach anderen Atemwegserkrankungen möglich. Es gibt aber auch große Kontraste.
Frankfurt – Wenn man den Husten einfach nicht los wird und noch wochenlang das Gefühl hat, die letzte Erkältung mit sich herumzuschleppen. Dann könnte das ein Symptom für „Long Cold“ (dt. „Lange Erkältung) sein. So lauten die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Forschenden an der Queen Mary University of London.
Sie verglichen die Symptome von Personen nach einer Corona-Erkrankung mit denen von Personen nach anderen Atemwegserkrankungen. Dabei fanden sie heraus, dass ähnlich wie bei Long Covid, auch bei Erkältungen Symptome noch länger als vier Wochen nach der Infektion andauern können.
Long-Covid-Symptome auch nach anderen Atemwegserkrankungen
Insgesamt wurden Daten von 10.171 Menschen in Großbritannien analysiert. Diese sind Teil der sogenannten Covidence UK Studie, die 2020 entwickelt wurde, um das Coronavirus besser zu verstehen. Man müsse die Gelegenheit nutzen, auch die Auswirkungen anderer Atemwegserkrankungen besser zu untersuchen, heißt es in der Studie. Die Forschenden befürchten, dass die längerfristigen Auswirkungen von Atemwegserkrankungen unterschätzt werden könnten. Grund dafür ist auch die große Bandbreite an Symptomen, die ähnlich wie bei Long Covid auftreten können und eine Diagnose erschweren.
In einer Studie an der University of Birmingham wurden letztes Jahr die 62 häufigsten Symptome von Long Covid zusammengestellt. Insgesamt geht man in der Forschung mittlerweile von mehr als 200 Symptomen aus, die mit Long Covid verknüpft werden konnten. 16 häufige Long-Covid-Symptome nahmen die Forschenden der Queen Mary University in der aktuellen Studie auf, um das jeweilige Vorkommen auch nach anderen Atemwegserkrankungen zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden Anfang Oktober im Fachmagazin eClinicalMedicine veröffentlicht.
Schwere und Dauer noch unklar
Neben Husten, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen, wurde beispielsweise auch das Vorkommen von Schwindel und Erschöpfung überprüft. Bei ähnlich vielen Menschen, die eine Coronainfektion hatten, als auch bei denen, die eine andere Atemwegserkrankung hinter sich hatten, zeigten sich nach mehr als vier Wochen immer noch Symptome. Es gibt aber dennoch Unterschiede: So traten nach einer Erkältung vor allem Husten, Magenschmerzen und Durchfall als länger andauernde Symptome auf. Bei Patientinnen und Patienten mit Long Covid sind häufiger Benommenheit, Schwindel und Geschmacks- und Geruchsprobleme zu verzeichnen.
Wie lange die Symptome nach einer Atemwegserkrankung im Vergleich zu Long Covid anhalten können, ist aber noch unklar. Forschende konnten zudem noch keine Anhaltspunkte finden, die beweisen, dass die Schwere der Symptome vergleichbar ist mit denen von Long-Covid-Erkrankten. Diese offenen Fragen sollen weiter untersucht werden, um nicht nur Long-Covid-Patientinnen und -Patienten besser behandeln zu können, sondern auch solche, die von nachhaltigen Symptomen nach anderen Atemwegserkrankungen betroffen sind.
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Es wird geschätzt, dass etwa zehn Prozent der Corona-Infizierten weltweit an Long Covid erkranken. In Deutschland geht das Gesundheitsministerium von einer Anzahl zwischen sechs und 15 Prozent aus. Laut Robert Koch Institut (RKI) könne die genaue Häufigkeit von Long Covid weiterhin nicht verlässlich geschätzt werden. „Insbesondere fehlt es an bevölkerungsrepräsentativen, kontrollierten Studien mit ausreichender Nachbeobachtungszeit, die einen Vergleich von Personen mit und ohne durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion ermöglichen“, heißt es auf der Webseite des RKI. Gesundheitsminister Lauterbach hat in den vergangenen Wochen mehrmals betont weiter in Long-Covid-Forschung investieren zu wollen. (alm)