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Experten warnen: „Österreich brennt und ertrinkt zugleich“. Der Klimawandel gefährde die Umwelt und Versorgungssicherheit des Landes.
Wien – Die drastischen Wetterextreme, die Österreich 2024 heimsuchten – von Dürreperioden und Hitzewellen bis hin zu starken Überschwemmungen – führen uns die Bedrohung durch den Klimawandel unmittelbar vor Augen. Beim Nachhaltigkeitsfrühstück der Österreichischen Hagelversicherung in Wien schlugen Experten wie Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA), und Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, deutliche Worte an.
„Das Klimasystem hat begonnen zu ‚zappeln‘“, erklärte Schellnhuber und verwies auf die Temperaturrekorde der Jahre 2023 und 2024, die mit extremen Naturkatastrophen einhergingen. Die Dringlichkeit sei jetzt größer denn je, so der Klimaforscher. Die Ereignisse verdeutlichten, dass die Folgen des Klimawandels auch in Österreich nicht länger ignoriert werden könnten. Laut Schellnhuber gehe es nicht darum, den Klimaschutz als Bedrohung zu sehen, sondern vielmehr das Nicht-Handeln, das nachfolgende Generationen massiv einschränken könnte: „Uns steht im wahrsten Sinn des Wortes das Wasser bis zum Hals.“
Eine hausgemachte Krise: Österreichs Umweltpolitik als Ursache von Überschwemmungen?
Neben den globalen klimatischen Entwicklungen sei der Bodenverbrauch ein entscheidender Faktor, der die Krise verschärft. Die zunehmende Versiegelung von Böden behindere das natürliche Versickern von Wasser und verstärke so die Auswirkungen von Überschwemmungen, erklärt IIASA-Generaldirektor Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber.
Während Flächen in der Vergangenheit noch Wasser aufnehmen und speichern konnten, fluten heute Starkregenereignisse zunehmend Straßen und Gebäude, da natürliche Versickerungsflächen fehlen. „Die Natur kann ohne uns existieren, aber wir sind auf die Natur angewiesen“, so Schellnhuber.
Ohne ein Umdenken in der Flächennutzung und einen Stopp der Verbauung werde Österreich langfristig seine landwirtschaftlichen Kapazitäten verlieren und seine Versorgungssicherheit gefährden: „Wenn Österreich weiterhin Boden in diesem Tempo verbaut, gefährden wir die eigene Lebensmittelproduktion noch mehr“, so Dr. Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung. Er fordert eine sofortige Kehrtwende.
Österreichs alarmierende Rekorde: Mehr Hitze, mehr CO2, mehr Wetterextreme
Die dramatischen Rekorde der letzten beiden Jahre seien deutliche Warnsignale. 2023 erreichte die CO₂-Konzentration, laut wetter.at, mit 425 ppm (parts per million) einen historischen Höchststand. Zur Einordnung: Wien verzeichnete 52 Hitzetage, während der Durchschnitt in den 1980er Jahren bei lediglich dreizehn Tagen lag. Diese Zahlen sind nicht nur abstrakte Statistiken, sondern spiegeln den zunehmenden Einfluss des Klimawandels wider. „Österreich brennt und ertrinkt zugleich: Wir müssen endlich handeln“, so Weinberger. Die steigenden Temperaturen und CO2-Werte heizen nicht nur die Atmosphäre auf, sondern wirken sich unmittelbar auf die Lebensqualität und Sicherheit der Bevölkerung aus, heißt es auf wetter.at.
Extreme Hitzewellen und Dürreperioden erhöhen das Risiko von Bränden, während Starkregenereignisse zu schweren Überschwemmungen führten. Laut Dr. Weinberger sind diese Entwicklungen ein klarer Beweis für die Notwendigkeit rascher und entschlossener Klimaschutzmaßnahmen. „Der Klimawandel ist kein hysterisches Gerede, sondern eine nachweisbare Realität“, sagte er und betonte, dass das Land auf zukunftsweisende Maßnahmen angewiesen sei, um die Natur und damit die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu schützen.
Globaler Klimawandel als wichtigstes Problem: Nachhaltiges Wirtschaften als notwendiger Weg
Ein weiteres Thema, das die Experten betonten, ist die Notwendigkeit einer klugen und nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Wirtschaftliches Wachstum darf nicht auf Kosten der Umwelt gehen – das machte Weinberger deutlich. Er rief dazu auf, Natur, Umwelt und Böden stärker in wirtschaftliche Entscheidungen einzubeziehen und die Ressource Boden als unersetzlich zu betrachten.
Der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung verwies zudem auf die Pflicht, kommenden Generationen ein lebenswertes Österreich zu hinterlassen – ein „Land der Äcker, zukunftsreich“. Die Botschaft ist klar: Es brauche jetzt Maßnahmen, die Boden, Natur und Klima schützen und eine nachhaltige Zukunft sicherten. (ls)
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