Weltweite Notlage ausgerufen

WHO ruft Mpox-Notlage aus: Brauche ich eine Impfung?

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Allein 2024 sind in Afrika 500 Todesfälle wegen Mpox zu verzeichnen. Impfungen werden empfohlen, aber nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Frankfurt – Wegen einer neuen Variante der Mpox-Viren in Afrika, auch als Affenpocken bekannt, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre höchste Alarmstufe ausgerufen. Die Behörde der Vereinten Nationen erklärte eine „gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“, weil die Ausbreitung von Mpox in mehreren Ländern zu einem Gesundheitsrisiko werden könnte. Eine Impfung könnte effektiv entgegenwirken.

Mpox (vormals Affenpocken) in Afrika auf dem Vormarsch: Wer sollte sich impfen lassen?

Konkrete Folgen hat die Erklärung der WHO nicht. Vielmehr geht es darum, dass sich Behörden weltweit auf mögliche Ausbrüche des Mpox-Virus vorbereiten. Zudem hofft die WHO auf mehr finanzielle Unterstützung von Eindämmungsmaßnahmen in Afrika. Hintergrund ist die Ende 2023 entdeckte, stark ansteckende Variante in der Demokratischen Republik Kongo, die in den vergangenen Wochen auch in Uganda, Ruanda, Burundi und Kenia nachgewiesen wurde.

Warum wurde Mpox als Affenpocken bezeichnet?

Mpox wurde ursprünglich als Affenpocken bezeichnet, weil das Virus erstmals 1958 in Laboraffen entdeckt wurde. Diese Bezeichnung ist jedoch veraltet, da das Virus nicht speziell von Affen stammt, sondern auch andere Tiere wie Nagetiere als Wirt haben kann. Zudem wollte man mit der Umbenennung den irreführenden und potenziell stigmatisierenden Eindruck vermeiden, dass die Krankheit direkt von Affen auf Menschen übertragen wird.

Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Zum Schutz vor Mpox wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) der Pockenimpfstoff Imvanex empfohlen. Allerdings gilt das laut Robert Koch-Institut nur für bestimmte Personengruppen. Basierend auf der Risiko-Nutzen-Bewertung sei eine Impfung anderer Bevölkerungsgruppen aktuell nicht notwendig. Demnach sollten sich diejenigen impfen lassen, die körperlichen oder engen Kontakt ohne ausreichende Schutzausrüstung mit einer an Mpox erkrankten Person hatten.

Mpox-Impfung laut RKI für diese Personengruppen empfohlen

Vorbeugende Impfung nach Kontakt (Postexpositionsprophylaxe):

  • Personen mit engen körperliche Kontakten über nicht intakte Haut oder über Schleimhäute oder längerem ungeschützten face-to-face-Kontakt mit einer an Mpox erkrankten Person.
  • Nach engem Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung zu einer Person mit einer bestätigten Mpox-Erkrankung.
  • Personal in Laboratorien mit akzidentiell ungeschütztem Kontakt zu Laborproben, die nichtinaktiviertes Mpox-Material enthalten.

Indikationsimpfung von Personen mit erhöhtem Expositions- und Infektionsrisiko:

  • Männer über 18 Jahre, die Sex mit Männern haben und dabei häufig die Partner wechseln.
  • Personal in Speziallaboren, das gezielte Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben ausübt.

Erneut Notlage: Mpox konnten 2022 mit Impfungen eingedämmt werden

Tim Nguyen, Leiter der Abteilung für „High Impact Events Preparedness“ (auf Deutsch: Vorbereitung auf schwerwiegende Ereignisse) bei der WHO berichtete, es stünden 500.000 Impfdosen zur Verfügung. Weitere 2,4 Millionen könnten bis Ende des Jahres produziert werden, falls es feste Aufträge gebe. Die WHO appelliert an Ländern mit Lagerbeständen, Impfdosen abzugeben. Die EU hat bereits angekündigt, rund 175.000 Dosen des MVA-BN-Impfstoffs bereitzustellen.

Die WHO hat wegen einer Mpox-Variante eine weltweite Notlage ausgerufen. Impfungen könnten die Ausbreitung eindämmen. (Symbolbild)

Bereits im Juli 2022 hatte die WHO eine Notlage wegen Mpox ausgerufen. Damals gab es Fälle in mehr als 60 Ländern, auch in Deutschland. Die Ansteckungen gingen auf Klade II zurück – eine Variante, die weniger starke Krankheitsverläufe verursacht. Die Notlage wurde im Mai 2023 aufgehoben, weil die Ausbrüche in den meisten Ländern auch mit Impfstoffen unter Kontrolle gebracht worden waren. In Afrika und anderen südlichen Ländern hakt es aber mit der Versorgung.

500 Todesfälle wegen Mpox gemeldet: Möglicherweise nur „Spitze des Eisbergs“

Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC hat das Risiko einer Ausbreitung der neuen Variante in Europa Ende Juli als „sehr gering“ eingeschätzt. Nach Angaben des RKI gibt es bislang keine bekannten Fälle der Klade I in Deutschland. „Mpox ist nicht so leicht übertragbar“, so Virenforscherin Marion Koopmans von der Erasmus-Universität Rotterdam gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Es werde durch direkten Kontakt verbreitet und sei daher relativ leicht zu stoppen.

Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Kopf- und Muskelschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hautausschläge (Flecken und Blasen)

Allein in 2024 wurden schon mehr als 14.000 Verdachtsfälle und mehr als 500 Todesfälle, darunter auch Kinder, aus der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern gemeldet – mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Dimie Ogoina, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Niger Delta-Universität, warnte, das sei womöglich nur die Spitze des Eisbergs, weil nicht genügend getestet werde und nicht alle Infizierten sich ärztliche Hilfe suchen. (cln/dpa)

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