1955 bis heute: Die Geschichte der deutschen Bundeswehr
VonNils Thomas Hinsberger
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10 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bundeswehr gegründet. Auslandseinsätze, Geldmangel und die Armee der Einheit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der begangenen Verbrechen verboten, eine eigene Armee zu betreiben. 1955 änderte sich dieser Umstand mit dem Eintritt Deutschlands in das Nato-Bündnis, und die Bundeswehr wurde gegründet.
Gründung
12. November 1955
Personal
über 260.000 Personen
Wehretat (2023)
Über 50 Milliarden plus 8,4 Milliarden aus dem Sondervermögen
Generalinspekteur
General Carsten Breuer
Verteidigungsminister
Boris Pistorius (SPD)
Die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Verbrechen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg veranlassten eine umfassende Entmilitarisierung des Landes. Beiden, durch die Alliierten besetzten Teile Deutschlands, wurde die Gründung einer eigenen Armee untersagt.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses
Am 5. Mai 1955 trat die westliche Bundesrepublik Deutschland, nach dem Scheitern des europäischen Verteidigungsbündnis (EVG), dem neu gegründeten Nato-Bündnis bei. Im selben Jahr am 7. Juni wurde das bisherige Amt Blank, benannt nach dem CDU-Abgeordneten Theodor Blank als Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen, in das heute bekannte Bundesverteidigungsministerium umbenannt. Schlussendlich gründete man am 12. November die deutsche Bundeswehr.
Die ersten Soldaten der Bundeswehr
Bis zur Gründung der Bundeswehr waren in Deutschland, trotz der Existenz eines Verteidigungsministeriums, keine offiziellen Soldaten rekrutiert. Am 12. November 1955, zeitgleich mit der Gründung der Bundeswehr, erhielten die ersten 101 Freiwilligen die Ernennungsurkunden zum freiwilligen Dienst in den Streitkräften.
Seit 1955 ist die Zahl der aktiven Mitarbeiter in der Bundeswehr deutlich gestiegen. Insgesamt umfasst die aktuelle Personenzahl über 260.000 Menschen.
Nach dem Fall der Mauer: Die Armee der Einheit
Mit dem Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland, galt es auch, die beiden deutschen Armeen, die Nationale Volksarmee (NVA) im Osten und die Bundeswehr im Westen, zu vereinen. Erschwert wurde die Integration der etwa 90.000 ostdeutschen Berufssoldaten, durch den Zwei-Plus-Vier-Vertrag, der eine radikale Abrüstung nach dem Ende des Kalten Krieges vorsah.
Mit dem Fall der Berliner Mauer am 11. November 1989, begann auch die Herausforderung für die Bundeswehr, eine große Zahl ostdeutscher Soldaten aufzunehmen.
Trotz der Abrüstungspläne übernahm die Bundeswehr etwa 76.000 Soldaten der NVA. Man habe sich von Anfang an für ein vertrauensvolles Miteinander engagiert und betrachte die ostdeutschen Soldaten nicht als Besiegte, sagte Generalleutnant Jörg Schönbohm. Der damalige Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg beschrieb die Bundeswehr als Schrittmacher der deutschen Einheit. Sie sei das Ergebnis eines aufeinander Zubewegen zwischen Ost- und Westdeutschland.
Die aktuellen Einsätze der Bundeswehr
Die Wiedervereinigung Deutschlands brachte auch neue Verantwortungen für die Bundesrepublik mit sich. Die bisherige militärische Agenda der Inlandsverteidigung wurde hinterfragt und 1991 agierte die Bundeswehr, mit dem Einsatz im zweiten Golfkrieg erstmals außerhalb der eigenen Landesgrenzen.
Aktuell ist die Bundeswehr weltweit an 10 Standorten im Einsatz:
Seit 1999 Nato-Einsatz im Kosovo zum Erhalt einer zivilen Friedensordnung
Seit 2006 UN-Einsatz im Libanon zur Friedenssicherung zwischen dem Libanon und Israel
Seit 2011 UN-Einsatz im Südsudan zur Unterstützung des Friedensprozesses
Seit 2013 im UN-Einsatz in Mali
Seit 2013 EU-Einsatz im Niger zur Unterstützung und Ausbildung des nigrischen Führungsunterstützungsbatallions
Seit 2013 UN-Einsatz in der West-Sahara zur Überwachung des Waffenstillstands zwischen Marokko und der Frente Polisario
Seit 2015 Einsatz in Jordanien und Irak zur Bekämpfung des sogenannten Islamischen Staats (IS)
Seit 2016 Nato-Einsatz zur Sicherheit im Mittelmeer und zur Stärkung der Südflanke der Allianz
Seit 2020 EU-Einsatz im zentralen Mittelmeer zur Überwachung des UN-Waffenembargos gegen Lybien
Seit 2022 EU-Einsatz in Bosnien und Herzegowina zur Erstellung eines Lagebildes für die Operationsführung
Geldnot und Steuerverschwendung der Bundeswehr
Mit knapp 52 Milliarden Euro stellt der Wehretat 2023 den zweitgrößten Geldnehmer im Bundeshaushalt dar. Zusätzlich hat die Ampel-Regierung 2022 ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Gerade diese Sonderzahlung wurde vom Rechnungshof als „Sonderschulden“ bezeichnet.
Auch der Bund der Steuerzahler führt die Geldpolitik der Bundeswehr in ihrem Schwarzbuch der Steuerverschwendung. Als Beispiel gibt der Steuerzahlerbund an, dass die Bundeswehr ein Schiff für den mehr als vierfachen Preis für vergleichbare Schiffe gekauft habe.
Der amtierende Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sieht die Ausgaben für die Bundeswehr jedoch weiterhin als zu niedrig an. Selbst mit dem Sondervermögen und dem regulären Wehretat sei die Finanzierung der Bundeswehr nicht gedeckt. Auch die Verteidigungslieferungen im Ukraine-Krieg seien dabei ein Faktor. Diese verteidigt der Minister jedoch als notwendig, um die Wehrhaftigkeit der Ukraine zu sichern.