„Großer Erfolg“

20 Jahre nach BSE: Deutschland exportiert wieder Rindfleisch nach China

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Nach mehr als zwei Jahrzehnten will China Importbeschränkungen für Rindfleisch aus Deutschland aufheben. Auch der Weg für Apfel-Exporte wurde geebnet.

Berlin – Die China-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat konkrete Ergebnisse für die deutsche Wirtschaft gebracht. Agrarminister Cem Özdemir kehrt mit einem Export-Deal von dem Staatsbesuch zurück: Nach mehr als zwei Jahrzehnten plant China, die BSE-Importbeschränkungen für Rindfleisch aus Deutschland aufzuheben. Gleichzeitig wurde eine gemeinsame Erklärung zur Öffnung des chinesischen Marktes für deutsche Äpfel unterzeichnet.

Agrarminister Cem Ödemir unterzeichnet in Peking mit Yu Jinhua (r) die Export-Vereinbarungen für Äpfel und Rindfleisch aus Deutschland.

Äpfel und Rindfleisch: Özdemir bringt Export-Deal aus China mit

Wie es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom Mittwoch (17. April) heißt, plant China nach über zwanzig Jahren, wieder Rindfleisch aus deutscher Produktion zu importieren. Bundesminister Özdemir und Minister Yu Jianhua von der Hauptzolladministration der Volksrepublik China hätten dazu zwei gemeinsame Erklärungen zur Aufhebung von Handelsbeschränkungen infolge der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) sowie zum Export von Äpfeln aus Deutschland unterzeichnet. 

China-Deal von Cem Özemir: „Weg geebnet für Rindfleisch und Äpfel aus Deutschland“

„Jetzt ist der Weg geebnet für Rindfleisch und Äpfel aus Deutschland“, erklärt Özdemir zu seinem China-Deal. „Es ist ein großer Erfolg, dass wir nach mehr als 20 Jahren die BSE-Handelsbeschränkungen endlich ausräumen konnten“. Seit der BSE-Krise der frühen 2000er Jahre war die Ausfuhr von Rindfleisch nach China nicht möglich. Auch beim Export deutscher Äpfel nach China sei ein Quantensprung gemacht worden.

Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute

Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus.
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Zuvor hatten sich Maos Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Nationalisten durchgesetzt, die nach Taiwan geflohen waren. © Xinhua/Imago
Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden.
Eines der Hauptziele der neuen Regierung war die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Chinas. Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden. Doch Fehler in der Planung und Naturkatastrophen sorgen für eine Hungersnot, der 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. © agefotostock/Imago
1959 kam es in Tibet zu einem Aufstand gegen die Besatzer.
Bereits kurz nach der Machtübernahme besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das bis dahin faktisch unabhängige Tibet. 1959 kam es zu einem Aufstand gegen die Besatzer, woraufhin der Dalai Lama das Land verlassen musste. Heute lebt er im indischen Exil. © United Archives International/Imago
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China.
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China. Mit der Kampagne wollte Mao mit den Mitteln des Klassenkampfes die chinesische Gesellschaft von „konterrevolutionären“ Elementen befreien; zudem zementierte er seine Macht an der Spitze des Staates. Der Kulturrevolution fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer. © Photos12/Imago
1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik.
Anfang der 70er-Jahre öffnete sich China aber auch nach Westen. 1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik. Im selben Jahr nahm Deutschland diplomatische Beziehungen mit Peking auf. © agefotostock/Imagao
Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch.
Mao starb 1976. Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch. Deng leitete die Geschicke Chinas bis zu seinem Tod im Jahr 1997. © Zuma/Keystone/Imago
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran.
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran. Demokratische Reformen blieben aus, die Wirtschaft entwickelte sich allerdings rasant. Auch ausländische Unternehmen wie Volkswagen engagierten sich nun in China. © Sepp Spiegl/Imago
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben.
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben. © Jeff Widener/dpa
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben.
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben. Gouverneur Chris Patten erhielt die eingeholte britische Nationalflagge, die chinesische Flagge wurde gehisst.  © UPI Photo/Imago
Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt.
Chinas Wirtschaft entwickelte sich in den 90er-Jahren, vor allem aber ab dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001, rasant. Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt. © Ivan Tykhyi/Imago
Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert.
Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs: Der Handel mit dem Westen brachte China keinen demokratischen Wandel - im Gegenteil. Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert. Es entstand ein neuer Personenkult, der an die Mao-Ära erinnert. © UPI Photo/Imago
In der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein.
China wurde immer mehr zum Polizei- und Überwachungsstaat. In Hongkong wurde die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen, in der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein. © UPI Photo/Imago

Neue Wege im Handel mit China: Deutsche Agrarprodukte auf dem Vormarsch

Wie das BMEL meldet, wurde eine Vereinbarung über phytosanitäre Anforderungen für den Export von frischen Äpfeln aus Deutschland geschlossen. Bisher fehlten derartige Regelungen, was den Export deutscher Äpfel nach China verhinderte. Diese Vereinbarung markiere den ersten Schritt zur Marktöffnung und stelle sicher, dass pflanzengesundheitliche Risiken minimiert werden.

Nach einem Besuch chinesischer Sachverständiger in deutschen Apfelanbaugebieten noch in diesem Jahr könnten die deutschen Erzeugerinnen und Erzeuger die ersten Apfelexporte nach China planen.

China will Markt für deutsches Rindfleisch und Äpfel öffnen – Schweinefleisch muss warten

Cem Özdemir setzte sich während seines Aufenthalts in China auch für den Export von deutschem Schweinefleisch ein. Seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Jahr 2020 war der Export nach China gestoppt worden. Die Exportzahlen sanken drastisch von 319.448 Tonnen im Jahr 2020 auf 739 Tonnen im Jahr 2023. Deutschland hat seitdem umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die ASP zu bekämpfen. Dennoch konnte bezüglich des Exports von deutschem Schweinefleisch aus ASP-freien Gebieten kein Durchbruch erzielt werden, man werde jedoch die Verhandlungen fortsetzen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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