Kanzlerkandidatur: Die Zeit ist reif für Friedrich Merz
VonGeorg Anastasiadis
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Die Entscheidung, um die K-Frage der Union, steht unmittelbar bevor. An Oppositionsführer Merz führt kein Weg mehr vorbei. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.
Am nächsten Sonntag sind die Nacht und der Tag genau gleich lang. Dann endet der Spätsommer – und damit die Zeit, bis zu der CDU und CSU die K-Frage klären wollten. Dummerweise erwartet die CDU just an diesem Sonntag ein Wahldämpfer in Brandenburg, wo der konservative Sozialdemokrat und Amtsinhaber Dietmar Woidke die Bastion der Etablierten gegen die AfD verteidigen soll.
Also wieder kein Rückenwind für Friedrich Merz, der es kaum erwarten kann, endlich seine Kanzlerkandidatur zu erklären. Und zu allem Überfluss hat sein Rivale, der „Kanzlerkandidat der Herzen“ Markus Söder, nun auch noch eine Diät begonnen; welche Wählerin wollte ihm jetzt noch widerstehen?
Merz macht‘s: Warum Friedrich Merz der Richtige für die Kanzlerkandidatur der Union ist
Spaß beiseite: Merz macht’s, und bis zur Verkündung dieses unabänderlichen Fakts werden nicht mehr viele Tage vergehen. Die Zeit für die Entscheidung ist reif, weitere Verzögerungen würden die Wähler zu Recht als Albernheit in ernster Zeit empfinden. Der 68-Jährige hat es sich verdient, er hat die demoralisierte Nach-Merkel-CDU mit Mut und Geschick wieder auf beachtliche 33 Prozent hochgezogen und sich auf Platz vier der populärsten Politiker hochgearbeitet, trotz seines von manchen als wenig einnehmend empfundenen Wesens.
Aber um ein Schaulaufen der Beliebtesten geht es jetzt nicht. Deutschland braucht einen Sanierer. Einen, der Wirtschaft kann, einen, der bei der Begrenzung der Migration klare Kante nicht scheut und der wo nötig sperrig und unbequem ist und anders als manche Parteifreunde nie einem woken Zeitgeist hinterlief. Man mag das alles altmodisch finden. Aber bei Merz weiß der Wähler, woran er ist. An ihm beeindruckt nicht zuletzt die Unbeirrtheit, mit der er sein Ziel verfolgt: 2002 servierte ihn die spätere Kanzlerin Angela Merkel als Fraktionschef ab, 2018 unterlag er Annegret Kramp-Karrenbauer im Ringen um den Parteivorsitz und zwei Jahre später Armin Laschet. Doch Merz kam jedes Mal zurück, angetrieben von einer unauslöschlichen Leidenschaft für die Politik.
Doch auch Markus Söder kann sich über die Zukunft der Union freuen
Markus Söder muss deswegen nicht unglücklich sein. Er hat für sich und seine CSU ein Maximum an bundespolitischer Beachtung und Relevanz herausgeholt. Zu seiner Jobbeschreibung als CSU-Vorsitzender gehört die Bereitschaft zurückzustecken, wenn es zwischen der großen Unionsschwester CDU und der CSU hart auf hart kommt. Das ist der Preis für die vielen Milliarden, die die eigenständige CSU in Jahrzehnten vom Bund für Bayern herausholte. Der frühere niedersächsische CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht schimpfte mal, am Koalitionstisch säßen „zwei Parteien und ein Bundesland“.
Das ist Markus Söders Bayern-Kabinett: Vier Frauen und ein CSU-Schwabe
Die Bayern Ludwig Erhard und Roman Herzog konnten nur Kanzler beziehungsweise Bundespräsident werden, weil sie ein CDU-Parteibuch besaßen. Söder könnte, wenn er will, der erste sein, der als CSU-Mann in Schloss Bellevue einzieht. Doch noch mehr kann er als Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Deutschlands Geschicke mit lenken, wenn die Union spätestens im Herbst 2025 wieder die Regierungsverantwortung übernimmt. (Georg Anastasiadis)