VonLeo Fischerschließen
Hier noch einige wichtige Argumente und Hinweise, die bisher in der Debatte über den künftigen Kanzlerkandidaten der SPD fehlen. Die Kolumne.
Wieder einmal geht das Gespenst der K-Frage in der SPD um: Wer ist bereit, für die Sozialdemokrat:innen die Wahl zu verlieren? Mit Olaf Scholz hat sich bereits ein frischer, unverbrauchter Kandidat ins Gespräch gebracht, der auch historisch fast alle wichtigen Niederlagen der Partei begleitet, überlebt, ja überhaupt erst möglich gemacht hat.
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Wie in demokratischen Parteien üblich, werden solche Debatten nicht durch Abstimmungen, sondern durch Hinterzimmergespräche, Überraschungsverrat im Fernsehen und pure Gewalt entschieden. Es ist deshalb keine Sensation, dass auch ein Herr des staatlichen Gewaltmonopols, Verteidigungsminister Boris Pistorius, als Kandidat gehandelt wird.
Weshalb Boris Pistorius der bessere Kandidat ist
Hier einige Gründe, warum Pistorius die bessere Wahl ist:
1. Er ist nicht Olaf Scholz. Scholz gondelt seit Jahrzehnten relativ ziellos in der Bundespolitik umher, ein Profil ist nicht erkennbar. Ins Kanzleramt musste er praktisch getragen werden. Pistorius hingegen hat gedient, stammt aus Osnabrück und gilt als knallhart profilierter Fachpolitiker, der außer Verteidigung praktisch nichts kann, dies dafür aber sehr gut. Wenn es uns gelingt, für Pistorius jede politische Frage in eine Verteidigungsfrage zu verwandeln, kann der Regime Change gelingen!
2. Er ist nicht Saskia Esken. Die Bundesvorsitzende der SPD ist eine zu allem entschlossene, in der Wolle gefärbte Marxistin, die gerne die Produktivkräfte verstaatlichen und die Produktionsmittel in SPD-Hände geben möchte, um eine „Diktatur der Minderleister“ (Esken) zu errichten. Das ist mit Pistorius derzeit nicht zu machen. „Ich lass mich aber mit einer gut gemachten Powerpoint gern vom Gegenteil überzeugen“, gibt sich der Minister jovial.“
„Laut Selbstauskunft hat Pistorius nie über Lindners Witze gelacht“
3. Er ist nicht Gerhard Schröder. Im Gegensatz zu Olaf Scholz, der bei der Ukraine-Unterstützung plötzlich persönliche Bauchgefühle bei sich entdeckt, ist Boris Pistorius kein alter Schröderianer, den ein einzelner Anruf auf Linie bringen könnte. Pistorius ist lediglich unter alten Schröderianern mächtig und einflussreich geworden – hat aber niemals irgendwas unterschrieben!
4. Er ist nicht Christian Lindner. Wiewohl Teil der umstrittenen Terrororganisation „Ampel“, hat Pistorius laut Selbstauskunft niemals über Witze von Christian Lindner gelacht oder ihm in Kabinettssitzungen recht gegeben. Im Gegenteil: Pistorius hat oft Kopfweh vorgeschützt, wenn Lindner nach Feierabend noch zu Brettspielabenden einlud.
5. Er ist nicht Olaf Scholz. Von Demoskop:innen wird Olaf Scholz als zu jugendlich, zu frisch, zu ideenreich beschrieben. Seit der Kanzler einen TikTok-Account habe, drehe sich bei ihm alles nur um Aktentaschen-Stitches und Duette mit den Abou-Chakers. „Das ist älteren SPD-Wähler:innen nicht mehr zu vermitteln“, so Pistorius im „Bayernkurier“.
6. Er ist nicht Donald Trump. Im Gegensatz zu dem skrupellosen US-Demagogen gilt Pistorius als erdverwachsener Osnabrücker aus Bodenhaltung, der nach zehn Korn immer noch den Koalitionsvertrag auswendig singen kann. Wer erinnert sich noch an den alten Schlager: „Ich fand das ganz große Glück / mit dir im Zug nach Osnabrück“? Es wird Zeit, stärker auf solche alten, verloren geglaubten Weisheiten zu hören.
7. Er ist nicht Olaf Scholz. Muss ich noch deutlicher werden?
Leo Fischer ist Autor und war Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“.
