Reform des Gebäudeenergiegesetzes

Heizungsgesetz: SPD verteidigt Habecks Erbe – auch Merz‘ Kanzleramtschef rüstet verbal ab

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Mit der Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes machte Merz Wahlkampf. Das Versprechen werden CDU/CSU wohl nicht nur aufgrund der SPD nicht halten können.

Berlin – „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen.“ Das haben SPD und Union auf Drängen von CDU und CSU im Koalitionsvertrag niedergeschrieben. Das sogenannte Heizungsgesetz meint die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), die unter der Ampel-Regierung federführend von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eingeführt wurde.

Mit der Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes machte Friedrich Merz Wahlkampf. Kanzleramtschef Thorsten Frei spricht nun von einer Reform. (Symbolbild)

Mit Blick auf die Pläne der Regierung sorgte jedoch jüngst Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mit einer Aussage in der ARD für Aufsehen: „Es wird eine Novelle geben, aber im Grundsatz wird es so bleiben“, sagte der SPD-Politiker mit Bezug auf die beabsichtigten CO₂-Einsparungen. CSU-Chef Markus Söder betonte hingegen im ZDF, vereinbart sei, „das Heizgesetz wird abgeschafft“. Was also hat die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz mit dem sogenannten Heizungsgesetz vor – abschaffen oder „im Grundsatz“ so belassen?

Zoff ums Heizungsgesetz der Ampel: „Die SPD wird sich an keiner Abschaffung beteiligen“

Andreas Lenz (CDU), wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion, verweist ebenso wie Söder auf den Koalitionsvertrag: „Das Heizungsgesetz der Ampel soll abgeschafft werden. Es hatte zu großer Verunsicherung geführt.“ Ein Gebäudeenergiegesetz werde es weiterhin geben: „Möglichst einfach und ohne Verbote“, erklärt der CDU-Politiker gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Bei den Sozialdemokraten klingt das etwas anders: „Die SPD wird sich an keiner Abschaffung beteiligen“, erklärt Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, bezogen auf das sogenannte Heizungsgesetz. Darüber hinaus gebe es jedoch Spielraum: „Über die Ausgestaltung der Details und die Gestaltung der Förderung kann man aber natürlich diskutieren“, führt Roloff gegenüber unserer Redaktion aus.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

GEG-Reform: Union kritisiert Heizungsgesetz – „Die 65-Prozent-Regel muss weg“

Auch der SPD-Politiker sieht „in gewisser Weise“ einen Widerspruch zwischen dem, was im Koalitionsvertrag niedergeschrieben ist und dem, was Schneider anklingen ließ: „Zumal sich die Union in ihrer Kritik aber nur auf einen Teilaspekt des Gebäudeenergiegesetzes, nämlich die Frage des Anteils der erneuerbaren Energien bei neuen Heizungen fokussiert“.

Das Gesetz sieht aktuell vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt aber vorerst nur für Neubaugebiete. Die Kritik an der Regelung führt auch der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion aus: „Die 65-Prozent-Regel muss weg. Sie ist in vielen Fällen nicht sachgemäß, weil sie beispielsweise Strom als Erfüllungsoption bevorzugt und sehr kompliziert ist.“

Abschaffung des Heizungsgesetzes? Auch Merz‘ Kanzleramtschef spricht nun von GEG-Reform

In Merz‘ Kanzleramt scheint man unterdessen mit einer geplanten Abschaffung nicht mehr hausieren gehen zu wollen. „Der Koalitionsvertrag sieht eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vor“, erklärt Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Ziel ist es, das Gesetz technologieoffener, flexibler und einfacher zu gestalten, wobei CO₂-Einsparung die zentrale Steuerungsgröße sein soll.“ Eine Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes erwähnt Frei nicht.

Merz mach Heizungsgesetz zu Wahlkampfversprechen – CDU nimmt Abschaffung in Sofortprogramm auf

Noch vor wenigen Tagen hatte der CDU-Politiker in dem Portal „Abgeordnetenwatch“ auf die Frage, warum das sogenannte Heizungsgesetz noch nicht abgeschafft wurde, auf den Koalitionsvertrag verwiesen: Dort stehe „ausdrücklich: ‚Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen‘“ Was sich hier andeutet, scheint ein Problem der Union in Sachen Wording zu sein.

Lautstark hatten CDU und CSU das sogenannte Heizungsgesetz kritisiert. Im Wahlkampf hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Union mit der Abschaffung geworben. Die CDU nahm das Vorhaben im Februar in ihr Sofortprogramm auf. Darin definierte die Partei besonders wichtige Maßnahmen, die am besten in den ersten 100 Tagen der Regierungsübernahme umgesetzt werden sollten, wie die Welt schreibt. 100 Tage sind längst herum – das Heizungsgesetz jedoch noch unangetastet.

Gutachten zum Heizungsgesetz: „Systematik über Bord werfen – das wird nicht gehen“

Das könnte auch daran liegen, dass man unter Umständen auch in der Union feststellen musste, dass ein einfaches „weg damit“ nicht so leicht ist. So hatte etwa der scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann im März ein Gutachten vorgestellt, in dem die verbindlichen rechtlichen Vorgaben für die Klimapolitik Deutschlands analysiert wurden.

Das Gutachten unter dem Titel „Rote Linien des Rechts im Klimaschutz“ hatte die CDU/CSU-nahe Klimaunion in Auftrag gegeben. „Man wird Änderungen am sogenannten Heizungsgesetz machen können, aber die gesamte darin enthaltene Systematik über Bord werfen – das wird nicht gehen“, erklärte Heilmann damals zu dem Ergebnis des Gutachtens gegenüber der Welt.

Gebäudeenergiegesetz: SPD will an Förderung für den Heizungstausch festhalten

Somit geht es nun offenbar vielmehr um eine Reform, als um eine Abschaffung – das Wahlversprechen, das Heizungsgesetz abzuschaffen, werden CDU und CSU damit wohl nicht einlösen können. In der Ausgestaltung der Reform dürfte es zwischen Union und SPD noch Klärungsbedarf geben. Im Fokus dürfte dabei neben der 65-Prozent-Vorgabe auch die Förderung für den Heizungstausch stehen. Nach Worten von Umweltminister Carsten Schneider soll diese weitergehen: „Sie können bis zu 70 Prozent Zuschuss bekommen, wenn Sie über wenig Einkommen verfügen, und das werden wir auch beibehalten.“

Was das Heizungsgesetz derzeit vorsieht

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) trat in seiner jetzigen Form Anfang 2024 in Kraft. Ziel ist mehr Klimaschutz im Gebäudebereich durch einen schrittweisen Austausch von Öl- und Gasheizungen. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden. 

Das Gesetz sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das gilt aber vorerst nur für Neubaugebiete. Für Bestandsbauten spielt eine kommunale Wärmeplanung eine wichtige Rolle. Diese soll in Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. (Quelle: dpa)

Und auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion fordert: „Der Grundsatz, dass bei neuen Heizsystemen erneuerbare Energien die dominierende Rolle spielen, muss erhalten bleiben, ebenso die staatliche Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger, die umstellen wollen.“

Söder und Reiche rütteln an Heizungsförderung – SPD und Union nennen Details zum Zeitplan

Söder hingegen nannte den Heizungstausch „überdimensioniert finanziert und subventioniert“. Und auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche deutete Einschnitte bei der Heizungsförderung an. Beim Heizungstausch werde künftig mehr Eigenverantwortung gefragt sein, sagte sie bei einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede in Berlin. Reiche arbeitet gemeinsam mit Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) federführend an einer Reform des GEG.

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff rechnet damit, „dass die Bundesregierung etwa Anfang des nächsten Jahres konkrete Eckpunkte vorschlägt und dann können wir in die Diskussion einsteigen“. Oder: „Wenn es besonders schnell geht, kann dies sogar noch Ende dieses Jahres sein.“ Auch der wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion drängt auf Tempo: „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen, ohne Verbote, der Planungssicherheit gibt. Dieser muss schnellstmöglich, noch in diesem Jahr, geeint werden.“ (dpa, AFP, Welt, eigene Recherche) (pav)

 

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner

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