Beitritt zur NATO

Ringen um den Beitritt: Wer NATO-Mitglied ist und wie man es wird

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Die NATO berät immer wieder über den Beitritt neuer Mitglieder. Doch welche Mitglieder gibt es bisher und wie schafft man die Aufnahme? Ein Überblick.

Immer wieder verhandelt die NATO mit verschiedenen Ländern über den Beitritt zum Verteidigungsbündnis. Ganz oben auf der Liste der Kandidaten steht in diesen Jahren die Ukraine in der Folge des russischen Angriffskriegs. Doch dafür müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein. Wofür steht die NATO, wer sind die bisherigen Mitglieder und wie läuft der Beitrittsprozess ab? Dieser Artikel klärt Sie auf.

Bundeswehrsoldaten bei einer Militärübung in Litauen im März. (Archivbild)

Zentral im NATO-Vertrag: Gegenseitiger Schutz

Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis aus europäischen und nordamerikanischen Staaten. Das Kürzel NATO steht für North Atlantic Treaty Organization (dt. Nordatlantikpakt-Organisation) und geht auf die Unterzeichnung des Nordatlantikpakts am 4. April 1949 zurück. Die Bündnispartner treffen sich regelmäßig zum Gipfeltreffen an unterschiedlichen Standorten. Die NATO-Zentrale liegt in Brüssel.

Mitglieder der NATO verpflichten sich zu gegenseitigem Schutz. Laut Auswärtigem Amt sind „Kollektive Verteidigung, Krisenprävention- und bewältigung sowie kooperative Sicherheit“ die Kernaufgaben. Wird ein Mitglied angegriffen, so wird das als Angriff auf alle Mitglieder verstanden. Dieses Szenario wird als Bündnisfall bezeichnet und ist in Artikel 5 des NATO-Vertrags geregelt.

Nach einem Hilfsgesuch des betroffenen Staates prüft der NATO-Rat, ob ein Bündnisfall tatsächlich vorliegt. Die Unterstützung der Bündnispartner muss nicht militärisch sein, sondern kann auch durch zivile Maßnahmen erfolgen. Bisher gab es nur einen Bündnisfall nach den Anschlägen in den USA am 11. September 2001.

Erweiterung der NATO: Das sind die bisherigen Mitglieder und aktuelle Beitrittskandidaten

Zu den Gründungsmitgliedern 1949 gehören Belgien, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, das Vereinigte Königreich sowie die Vereinigten Staaten von Amerika. Seitdem sind viele weitere Staaten dem Bündnis beigetreten. 1952 die Türkei und Griechenland, 1955 die Bundesrepublik Deutschland, 1982 Spanien, 1999 Polen, Ungarn, und Tschechien, 2004 Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Lettland, Estland und Litauen, 2009 Kroatien und Albanien, 2017 Montenegro, 2020 Nordmazedonien.

Zuletzt sind 2023 und 2024 Finnland und Schweden dem Bündnis beigetreten. In der Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hatten die zwei nordeuropäischen Länder ihre Bündnisneutralität aufgegeben und sind kurz nacheinander zur NATO gekommen. Andere Länder in Europa, wie die Ukraine, Bosnien und Herzegowina oder Georgien werden schon länger als Beitrittskandidaten gehandelt. Doch dafür gibt es so einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen.

Der Weg zum NATO-Beitritt

Laut Bundesverteidigungsministerium müssen beitrittswillige Staaten „eine funktionierende Demokratie und eine Marktwirtschaft sein, Minderheiten im eigenen Land fair behandeln, sich für die friedliche Lösung von Konflikten einsetzen und bereit sein, einen militärischen Beitrag zu NATO-Operationen zu leisten“. Diese Voraussetzungen werden in einer Verhandlung überprüft. In einer Absichtserklärung verpflichtet sich die Regierung des beitretenden Landes, gegebenenfalls notwendige Reformen innerhalb eines festgelegten Zeitraums umzusetzen.

Außerdem muss das Beitrittsprotokoll in allen NATO-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. In Deutschland muss etwa der Bundestag und Bundesrat zustimmen. Wenn alle Mitgliedsstaaten zustimmen, lädt der Generalsekretär die Beitrittskandidaten offiziell ein. Das beitretende Land muss anschließend noch selbst den Beitritt beschließen sowie die Beitrittsurkunde beim US-Außenministerium hinterlegen. 

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld | dpa

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