Sie werfen tückische Granaten ab

„Schwere Bomber-Drohnenflotte“: Ukraine zeigt imposantes Waffen-Arsenal

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Die Ukrainer rüsten unablässig ihren Bestand an Kampfdrohnen nach. Ein Foto der Spenden-Plattform United24 zeigt jetzt die verschiedenen Drohnen. Ein Überblick.

München/Kiew - Im Ukraine-Krieg sind sie wirkungsvoller als viele alte, konventionelle Waffensysteme: Sowohl Kiew als auch Moskau setzen verstärkt auf Drohnen. Entweder um den jeweiligen Rivalen damit direkt anzugreifen. Oder um zumindest die Stellungen der jeweils anderen Armee auszuspionieren.

Ukraine-Offensive: Spendenorganisation United24 beschafft reihenweise Drohnen

Ende Juli haben zum Beispiel die USA der Ukraine sogenannte Nano-Drohnen „Black Hornets“ geliefert, die so klein sind, dass sie quasi in eine Hosentasche passen würden. Die Ukrainer haben ihrerseits die Spendenorganisation United24 ins Leben gerufen, die in Zusammenarbeit zwischen dem Präsidialamt Wolodymyr Selenskyjs und der Initiative „Armee der Drohnen“ organisiert wird.

Gemeinsam sammeln sie Spenden aus der Wirtschaft und von Privatleuten, um mit dem Geld neben 40 Krankenwagen (ein weiteres Investment) reihenweise (Kampf-) Drohnen für die ukrainische Armee zu finanzieren, laut US-amerikanischem Wirtschaftsmagazin Forbes eine „schwere Bomber-Drohnenflotte“. Die Organisation hat jetzt bei Twitter ein Foto der jüngsten Lieferung gepostet und dabei ein beeindruckendes Arsenal offenbart. Merkur.de erklärte, welche Drohnen darunter sind.

Drohnen-Arsenal der Ukraine: FPV-Kamikaze-Drohne bekam wohl größeren Gefechtskopf

  • 100 Phoenix 03 Heavy UCAV: Bei etlichen der Drohnen, die United24 diesmal übergab, soll es sich um die ukrainische „100 Phoenix 03 Heavy UCAV“ handeln - so der sperrige Begriff. Die Spendenorganisation vermied es in diesem Fallbeispiel, die Drohne auf Fotos abzubilden. Um Russland nicht zu viele Details preiszugeben? Es geht wohl um eine FPV-Kamikaze-Drohne mit größerem Gefechtskopf, an dem laut Forbes offenbar mehrere Pfund schwerer Sprengstoff montiert werden kann. Damit lassen sich Panzer angeblich direkt bekämpfen, was nicht unabhängig verifiziert werden kann.

Drohnen-Arsenal der Ukraine: Mavic-Quadrocopter können Granaten mit sich tragen

  • Mavic-Quadrocopter: Die Quadrocopter sind auf den ersten Blick recht konventionelle und unspektakuläre rechteckige Drohnen, wie sie im kommerziellen Gebrauch üblich sind - zum Beispiel in der Filmbranche oder auf größeren Baustellen. Von ukrainischer Seite werden die Mavic-Quadrocopter aber seit Längerem als gefürchtete tückische Waffe eingesetzt. Laut Forbes können sie zum Beispiel eine ein Pfund schwere Granate mit sich führen, die zum Beispiel über einem Schützengraben losgelöst wird, um damit russische Infanterie aus den Stellungen zu locken. Das gilt für die Versionen Mavic-3E und Mavic-3T. Wegen ihrer Wärmebildkameras sind sie sehr gut für Nachteinsätze geeignet.
  • Andere, größere Varianten wie die Flirt Cetus (aus Polen), die EOS C VTOl (aus Estland), die SKIF (Zypern) oder die längere Penguin MK-2 UAVs (Spanien) mit einem Flügel werden ausschließlich zum Ausspähen genutzt. Als Schwachstelle der Quadrocopter gilt ihre geringe Reichweite von wenigen Kilometern, weswegen die Bediener nahe an die feindlichen Linien rankommen müssen. Und die überschaubare Batterie-Leistung, wodurch die Drohnen immer wieder aufgeladen werden müssen - oder einfach mal abstürzen.
Ein ukrainischer Soldat bedient an der Donbass-Front bei Storozheve eine Quadrocopter-Drohne.

Drohnen-Arsenal der Ukraine: R-18-Drohne wirft uralte Panzerabwehrgranaten ab

  • R-18-Drohne: Diese Drohnen wurden von der Initiative Aerorozvidka entwickelt, um sie den ukrainischen Streitkräften zur Verfügung stellen zu können. Die Drohnen haben eine Anordnung wie Spinnen und mehrere kleine, senkrecht angeordnete Propeller. Sie sollen sich als „Nachtangriffsdrohnen als äußerst effektiv erwiesen“ haben, schreibt Forbes. In der Regel werden an die Unterseite der R-18-Drohne drei uralte RTG-3-Panzerabwehrgranaten montiert, die über dem Ziel abgeworfen werden. So haben die Ukrainer zum Beispiel etliche stehengelassene russische Panzer in Flammen gesetzt. Die RTG-3 stammt noch aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs und wurde jetzt offenbar reaktiviert, weil sie sich durch ihr geringes Gewicht leichter transportieren lässt. Weil die ursprünglich als Handgranate entwickelte Waffe bekannt dafür ist, ihre Schrapnelle (Splitter) bis zu 20 Meter weit zu verfeuern, wird die RTG-3 zudem unheilvoll gegen Infanterie eingesetzt.

Während es aus Reihen der deutschen Bundeswehr wegen der stockenden Ukraine-Offensive harsche Kritik gab, misslang derweil wohl ein Versuch, mit Marinedrohnen ein Patrouillenschiff der russischen Schwarzmeerflotte bei Sewastopol anzugreifen. Auch auf diese Wasser-Drohnen, die aussehen wie Jet-Skis, greifen die Ukrainer immer wieder zurück. Aus ihrem Arsenal, das größer und größer wird. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ashley Chan

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