Wolfgang Grupp: Friedrich Merz macht im Umgang mit der AfD einen Fehler
VonJulian Baumann
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Kult-Unternehmer und CDU-Wähler Wolfgang Grupp kritisiert die öffentliche Distanzierung des Wahlsiegers Friedrich Merz von der AfD. In einer Demokratie müsse man mit allen sprechen.
Burladingen - Die Bundestagswahl 2025 ist entschieden und die Union steht als Sieger fest, wenn auch mit einem niedrigeren Ergebnis als prognostiziert. Allerdings hat Baden-Württemberg, wie auch der Rest des Landes, die AfD auf den zweiten Platz gewählt, was für Wahlsieger Friedrich Merz (CDU) gewisse Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung bedeutet. Der wahrscheinlich künftige Bundeskanzler hat auf der Wahlparty in Berlin allerdings erneut eine Zusammenarbeit oder gar Koalition mit der AfD strikt ausgeschlossen, was Kult-Unternehmer und CDU-Wähler Wolfgang Grupp als Fehler ansieht.
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Der ehemalige Chef des Textilherstellers Trigema mit Sitz in Burladingen (Baden-Württemberg) hatte sich im Vorfeld der Wahl deutlich für Merz und die CDU ausgesprochen und war vom Wahlsieg auch nicht überrascht, wie er in der aktuellen Folge seines Podcasts „Mal Grupp gesagt“ erklärt. „Die CDU hätte ich bei 30 und ein oder zwei Prozent mehr erwartet“, erklärt er. „Aber sie war die stärkste Partei, und das hatte ich im Vorfeld schon erwartet.“ Nicht erwartet hätte der Kult-Unternehmer aber eben eine Aussage des Wahlsiegers Merz.
Wolfgang Grupp kritisiert Merz‘ AfD-Abgrenzung – „hätte ich so öffentlich nicht gesagt“
CDU-Chef Friedrich Merz war vor wenigen Wochen in die Kritik geraten, weil er Stimmen der zumindest in Teilen rechtsextremen AfD in Kauf genommen hatte, um im Bundestag eine umstrittene Migrationsabstimmung für sich zu entscheiden. Darauffolgend hatte sich der Kanzlerkandidat der Union aber mehrfach deutlich von der Partei distanziert und eine Zusammenarbeit oder Koalitionsbildung strikt ausgeschlossen. „Dass Herr Merz klar gesagt hat, dass er gegen die AfD ist und dass er mit ihr mit Sicherheit nicht spricht, das hätte ich nicht erwartet“, sagt Grupp in der Podcast-Folge.
Der ehemalige Trigema-Chef sieht diese strikte Abgrenzung sogar als Grund dafür, dass die Union letztendlich weniger Stimmen erlangt hat, als zuvor prognostiziert. „Das hätte ich so öffentlich nicht gesagt“, macht Grupp deutlich. „Ich kann das ja nachher tun, aber ich muss das nicht öffentlich sagen, denn damit bekomme ich natürlich auch Kontrastimmen von denen, die damit nicht einverstanden sind.“ In einer Demokratie müsse man mit allen sprechen und könne nicht sagen, „mit denen will ich nichts zu tun haben“, erklärt Wolfgang Grupp.
Wolfgang Grupp hat auf die Rückkehr von Friedrich Merz gewartet
In der Podcast-Folge erklärt Wolfgang Grupp zudem, dass er während der Merkel-Jahre die CDU nicht mehr gewählt hatte, weil sie seiner Meinung nach zu weit nach links gerückt war. „Ich habe damals die CDU nicht gewählt, sondern die FDP“, führt er aus. „Ich habe klar und deutlich gesagt, dass ich warte, bis Herr Merz wieder zurückkommt, dann werde ich wieder die CDU wählen.“ Friedrich Merz hatte sich einige Jahre lang aus der Politik zurückgezogen und war als Lobbyist und Anwalt tätig.
Friedrich Merz ist seit einigen Jahren wieder zurück im Politikgeschäft und nach dem Wahlsieg mit großer Wahrscheinlichkeit der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Wolfgang Grupp traut ihm nach eigener Aussage zu, die Union wieder zu höheren Prozentzahlen zu führen, „wenn er auch mit anderen Parteien spricht“. Insgesamt zeigt sich der Unternehmer mit dem Wahlsieg der CDU zufrieden. In Bezug auf eine Koalition nach der Bundestagswahl haben viele andere Unions-Anhänger allerdings klare Präferenzen.