AfD baut geheimes Netzwerk in Washington auf – Trump-Verbindungen enthüllt
Die AfD sucht die Nähe zu Donald Trump. Das zeigen AfD-Besuche bei Republikanern in Washington. Soll die US-Regierung Einfluss auf Deutschland nehmen?
Washington, D.C./Berlin – Die AfD versucht, in den USA Kontakte zur Regierung von Donald Trump aufzubauen. Das lässt sich aus Aussagen von AfD-Funktionären und den zahlreichen Kontakten zwischen AfD und Trump-Vertrauten ablesen. Über dieses Netzwerk berichtete zunächst das Politikmagazin Politico. Erst in der letzten Woche gab es Gerüchte, dass Donald Trump AfD-Chefin Alice Weidel zu sich eingeladen hätte. Diese Berichte wurden inzwischen widerlegt, sie beruhen allerdings auf einer echten Einladung einer anderen Republikanerin, der US-Kongressabgeordneten Anna Paulina Luna. Darüber berichtete am Samstag (01. November) euronews.
Luna hatte Weidel via X zu einem Treffen eingeladen. „Bitte überlegen Sie, mit einer Delegation Ihrer Mitglieder von der AfD nach Washington DC zu kommen“, schrieb sie am 26. Oktober. „Ich würde Sie gerne zusammen mit ein paar anderen Kongressmitgliedern empfangen.“ Laut euronews will Luna nun im Dezember eine AfD-Delegation empfangen.
AfD knüpft Kontakte zur MAGA-Bewegung um Donald Trump
Luna scheint ein Interesse an deutschen rechten Szene zu haben. Vergangene Woche (30. Oktober) traf sich Luna mit Naomi Seibt, einer rechten Influencerin, die die AfD unterstützt. Sie lebt in den USA und hat dort Asyl beantragt – weil sie in Deutschland aufgrund ihrer Nähe zu Donald Trumps MAGA-Bewegung und der AfD bedroht sei. Darüber berichtete Der Westen.
Die Republikanerin Luna sieht das offenbar auch so. Sie werde sich persönlich Seibts Sache annehmen, schrieb sie auf X und richtete folgende Worte an Bundeskanzler Merz: „Ich hoffe, dass der Kanzler versteht, dass die gesamte internationale Gemeinschaft – insbesondere die Vereinigten Staaten – die Ereignisse in Deutschland aufmerksam verfolgt. Die deutsche Regierung hat viel zu erklären, insbesondere gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung.“
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Der Fall von AfD-Mann Joachim Paul soll Sympathien in Trumps MAGA-Bewegung wecken
Der Fall ist ein Beispiel für die Verbindungen zwischen rechten Kräften in den USA und Deutschland. Im September war Beatrix von Storch gemeinsam mit AfD-Galionsfigur Joachim Paul im Weißen Haus zu Gast. AfD-Politiker Paul wurde im August 2025 vom Wahlausschuss Ludwigshafen Paul von der Oberbürgermeisterwahl ausgeschlossen. Begründung waren laut Tagesschau Zweifel an seiner Verfassungstreue, die wiederum auf einem Verfassungsschutzbericht basierten. In rechten Blasen verbreitete sich daraufhin die Geschichte, Paul würde in Deutschland Opfer „politischer Zensur“.
Zur Seite sprangen ihm damals der ehemalige Trump-Berater Elon Musk und Michael Shellenberger, US-Blogger und Bestsellerautor aus dem Umfeld der MAGA-Bewegung. Er sagte Anfang September bei einem Pressebriefing im Weißen Haus, der Fall Joachim Paul aus Deutschland sei ein politischer Skandal. Über Fox-News verbreitete sich die Story von der angeblichen Unterdrückung der Opposition in Deutschland. In einem Interview bestätigte Paul laut Tagesschau, dass er Kontakte in die USA pflegt: „Natürlich ist man untereinander vernetzt. Das ist ja ganz logisch, dass ich eben mit Patrioten und mit konservativen Medienmachern grundsätzlich guten Austausch habe.“
AfD sucht Nähe zu Trump: Beatrix von Storch im Weißen Haus
Nur wenige Wochen später, am 15. September, waren Paul und die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Storch dann im Weißen Haus zu Gast. Die beiden trafen sich laut Politico mit Vertretern des US-Nationalen Sicherheitsrats, des Außenministeriums und von Vances Büro – mit Vance selbst allerdings wohl nicht. Politico stützt seine Angaben auf anonyme Quellen. Die Nähe zwischen AfD und dem Kreis um Donald Trump ist kein Geheimnis. Bereits Anfang des Jahres mischte sich Elon Musk in den deutschen Wahlkampf ein und warb für die AfD. Im Februar traf Alice Weidel US-VizepräsidentJ.D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Dieser erklärte dort vor den versammelten deutschen Politiker:innen: „Es gibt keinen Platz für Brandmauern.“
Politico-Autorin Pauline von Pezold beobachtet in ihrem Artikel bei der Welt, dass AfD-Funktionär:innen seitdem fast monatlich in Washington sind, um sich dort mit verschiedenen Republikanern zu treffen. Bundesvorstandsmitglied Kay Gottschalk erklärte Politico warum: „Ich stehe mit den Republikanern in engem Austausch und hoffe, sie so für die Situation und Missstände in Deutschland sensibilisieren zu können“.
AfD hofft wohl auf Druck auf Merz-Regierung durch Donald Trump
Die AfD will wohl durch Kontakte in die USA Druck auf die deutsche Regierung ausüben. Das bestätigte AfD-Politiker Maximilian Krah bei Politico. „Die Trump-Administration schaut nun genau hin“, sagte er. „Das gibt Hoffnung auf ein Ende dieser Zustände. Wenn Merz und Wadephul sich bei ihren USA-Besuchen für die Angriffe auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen müssen und gar mit einem Ende der Geheimdienstkooperation gedroht wird, wird das schnell zu einem Umdenken führen.“
Auch im Mai zeigte sich die Nähe zwischen der AfD und der Trump-Regierung. Als die AfD vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wurde, polterten Elon Musk und Trump-Anhänger dagegen auf Social Media. Außenminister Marco Rubio warf der deutschen Regierung „verdeckte Tyrannei“ vor. (Quellen: Welt, Politico, Tagesschau, @RepLuna auf X) (cdz)