VonKathrin Reikowskischließen
Auf dem AfD-Parteitag wurden offenbar Zeitschriften eines als rechtsextrem eingestuften Verlags verteilt. Co-Parteichefin Alice Weidel kann das nicht erklären.
Riesa - Wie stark ist der Einfluss von Rechtsextremen in der AfD? Aufgrund von Personalfragen und inhaltlicher Ausrichtung wird die AfD immer wieder damit konfrontiert, dass sich die Partei nicht ausreichend vom rechtsextremen Aussagen distanziert und sich als im Bundestag vertretene Partei salonfähig macht. In einem Interview mit der ARD kam Co-Parteichefin Alice Weidel jetzt ins Schlingern.
Beim AfD-Parteitag im sächsischen Riesa wurden Alice Weidel und Tino Chrupalla zum neuen Spitzenduo der AfD gewählt. Der als rechtsextrem eingestufte und unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes stehende Björn Höcke sicherte sich mit dieser Wahl weiter Einfluss, so die Ansicht vieler Experten. Der sächsische Innenminister Georg Maier (SPD) schlussfolgert aus dem Parteitag sogar: „Die AfD ist hier eine eindeutig rechtsextremistische Höckepartei.“
AfD-Parteitag: ARD konfrontiert Weidel mit auf dem Parteitag ausliegendem Magazin
Zunächst wurde Alice Weidel im ARD-Interview mit den Aussagen von Christina Baum konfrontiert, die neu in den AfD-Bundesvorstand gewählt wurde. Sie hatte in den sozialen Medien zuvor eine Änderung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts gefordert, das „schwarze“ Menschen von der deutschen Staatsbürgerschaft ausschließen würde. Davon distanzierte sich Weidel zwar, sagte im Zuge des Interviews aber auch: „Das kann ich Ihnen nicht beantworten, was rechtsextrem ist.“
Hat die Partei nun ein Problem mit Rechtsextremen? Das wollte der ARD-Journalist noch genauer von Alice Weidel wissen. „Hier werden am Saaleingang kostenlos Magazine verteilt“, sagte er und legte Weidel eine Ausgabe des Zuerst!-Magazins vor. Dieses monatlich erscheinende Magazin wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, einer Stiftung des österreichischen Staates, als klar rechtsextrem eingestuft.
AfD-Parteitag mit rechtsextremen Magazin: Weidel liefert keine Erklärung - „Was soll ich noch sagen?“
„Da kann man sich Kalender bestellen, mit Titeln wie ‚Männer der Waffen-SS, unter Hervorhebung ihrer Waffentaten‘“, stellte der ARD-Reporter fest und fragte: „Wie kann es sein, dass bei der AfD sowas völlig normal ist? Das liegt schon seit drei Tagen aus, am Eingang. Die müssen Sie ja eingeladen haben.“ Alice Weidel entgegnete lediglich, die Zeitschrift durchblätternd: „Keine Ahnung, haben wir glaube ich nicht eingeladen.“ Und etwas später: „Ich wundere mich gerade, ich sehe das zum ersten Mal.“ Sie sei vorne „am Arbeiten“ gewesen, und habe das nicht mitbekommen. „Das muss ich mir ansehen“, kündigte sie an, äußerte sich aber nicht weiter.
Der ARD-Journalist hakte nach, wie Weidel als Co-Parteichefin davon nichts wissen könne - der Verlag habe schließlich einen ganzen Stand aufgebaut. „Ach ja, tatsächlich?“, entgegnete Weidel. „Na ja, das ist natürlich...“, fuhr sie fort und geriet ins Stocken. „Also, was soll ich dazu sagen? Dazu kann ich gar nichts mehr sagen“, schloss Weidel ab. Eine zufriedenstellende Erklärung der AfD-Co-Chefin mit Blick auf das rechtsextreme Magazin blieb aus. Die AfD lehnt die Vorwürfe von Rechtsextremismus ab. (kat)
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